Die Übernahme, die am 30. Juli 2025 angekündigt wurde, sieht vor, dass Tata Motors die vollständige Kontrolle über Ivecos Nutzfahrzeuggeschäft übernimmt, während die Militärfahrzeugsparte an die italienische Gruppe Leonardo geht. Der Verkauf wurde vom Verwaltungsrat von Iveco sowie vom Hauptaktionär Exor, der 27 % des Kapitals und 43 % der Stimmrechte hält, vollständig genehmigt.
Neues Kapitel für Iveco und die globale LKW‑Industrie
Durch den Zusammenschluss von Tata Motors und Iveco entsteht eine Gruppe mit einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro und einem Absatz von mehr als 540.000 Fahrzeugen. Das neue Unternehmen wird geografisch breit aufgestellt sein: Rund 50 % der Erlöse sollen aus Europa kommen, 35 % aus Indien und 15 % aus Nord- und Südamerika.
Laut Girish Wagh, Executive Director von Tata Motors, verschafft die Übernahme von Iveco dem Unternehmen nicht nur mehr Größe, sondern auch die Fähigkeit, Marktzyklen effektiv zu steuern. Die Zusammenführung der Märkte Europas, Indiens, des Nahen Ostens, Afrikas und Lateinamerikas bietet einen natürlichen Stabilisierungsmechanismus, da sich Nachfrageschwankungen in einzelnen Regionen im Zeitverlauf ausgleichen.
Tata Motors’ Ambition: Aufstieg in die Weltspitze
Tata Motors formuliert seine globalen Ambitionen offen. Ziel ist es, zu den drei größten LKW-Herstellern der Welt zu gehören. Nach der Fusion mit Iveco wird das Unternehmen im Segment der schweren Nutzfahrzeuge gemessen am Volumen der viertgrößte Hersteller sein – knapp vor Traton; der Abstand zum dritten Platz beträgt nur rund 10.000 Einheiten.
„In der Nutzfahrzeug-, LKW- und Busbranche müssen wir global denken. Die Konsolidierung ist bereits im Gange, und die Entscheidung war einfach: Entweder wir warten darauf, dass uns jemand übernimmt, oder wir handeln proaktiv und konsolidieren den Markt selbst“, betont Wagh.
Produktinnovationen und Elektrifizierung
Neben Größe und Marktposition setzt Tata Motors auch auf technologische Weiterentwicklung. In Indien führt das Unternehmen einen neuen 8,5‑Liter‑Cummins‑Motor in 35‑Tonnen‑Kippern für tiefe Bergwerke ein sowie ein AMT‑Automatikgetriebe, das unter realen Einsatzbedingungen getestet wurde. Alle Fahrerhäuser der LKW von Tata Motors werden auf europäische ECE‑R29‑03‑Sicherheitsstandards aufgerüstet und übertreffen damit die aktuellen indischen Normen.
Gleichzeitig bringt das Unternehmen eine vollständige Palette an Elektro‑LKW im Segment 9–19 Tonnen, 28‑Tonnen‑Kipper sowie Sattelzugmaschinen für 55‑Tonnen‑Kombinationen auf den Markt. Diese Fahrzeuge basieren auf einer modularen Architektur und einem von Tata Motors entwickelten Batteriemanagementsystem, das es ermöglicht, Fahrzeuge an unterschiedliche Einsatzzyklen und künftige E‑Achsen‑Technologien anzupassen.
„Wir wollen, dass unser Elektroangebot umfassend, kundentauglich und für den breiten Einsatz vorbereitet ist“, sagt Wagh.
Langfristige Strategie und Marktausblick
Die Übernahme von Iveco ist nicht nur ein taktischer Schritt. Tata Motors setzt auf Profitabilität, Widerstandsfähigkeit und die Bereitschaft für künftige Veränderungen in der Branche – einschließlich der Entwicklung von Zero-Emission-Technologien. Die Verbindung mit einer europäischen Marke soll dem indischen Unternehmen nicht nur ermöglichen, seinen Marktanteil zu erhöhen, sondern auch bislang unterschätzte Wachstumschancen zu erschließen, insbesondere in Lateinamerika.
Experten weisen darauf hin, dass die Übernahme von Iveco durch Tata Motors das Ende der Ära unabhängiger LKW‑Hersteller in Europa markieren und den Konsolidierungsprozess in der Branche weiter beschleunigen könnte.









