Im Rahmen der geplanten Vereinbarung will TRATON bis zu 25 Millionen US-Dollar in Form nicht verwässernder Forschungs- und Entwicklungsfinanzierung bereitstellen. Damit soll die Integration der autonomen Fahrsoftware SuperDrive von PlusAI in werksseitig produzierte LKW über alle TRATON-Marken hinweg – darunter Scania, MAN und International, weiter vorangetrieben werden. Die Vereinbarung ist derzeit noch unverbindlich und steht unter dem Vorbehalt finaler Vertragsverhandlungen.
Im Zuge der erweiterten Zusammenarbeit plant TRATON, nach dem geplanten Börsengang des Softwareunternehmens – vorbehaltlich der üblichen Genehmigungen – einen Vertreter in den Vorstand von PlusAI zu entsenden. Die Partnerschaft würde TRATON zudem Zugang zu privaten Warrants verschaffen, die an künftige Umsätze aus kommerziellen Einsätzen von TRATON-Lkw gekoppelt sind, die mit der Technologie von PlusAI ausgestattet sind.
Nach Angaben der Unternehmen soll die geplante Finanzierung dazu verwendet werden, die Softwareintegration zu vertiefen, die Sicherheitsvalidierung auszuweiten und Kommerzialisierungsprogramme sowohl in den USA als auch in Europa vorzubereiten. Eine zusätzliche Finanzierung könnte zu einem späteren Zeitpunkt in Betracht gezogen werden, sofern vereinbarte Meilensteine erreicht werden.
Autonomes Testprogramm mit International-LKW in Texas
TRATON und PlusAI hatten ihre Zusammenarbeit erstmals 2024 angekündigt, als das SuperDrive-System von PlusAI als Plattform für autonomes Fahren auf Autobahnen für mehrere TRATON-Marken ausgewählt wurde, darunter Scania, MAN und International.
Seitdem arbeiten die Partner an der Werksintegration und an Tests unter realen Bedingungen. Zu den bislang fortgeschrittensten Aktivitäten zählt der Start autonomer Flottentests in Texas, bei denen International-Lkw, die mit dem System von PlusAI ausgestattet sind, gemeinsam mit einem großen nordamerikanischen Logistikunternehmen erprobt werden. Die Tests konzentrieren sich auf Langstrecken- und Autobahn-Anwendungsfälle.
Die Unternehmen erklären, diese Tests seien Teil ihrer umfassenderen Bemühungen, Fähigkeiten des autonomen Fahrens auf Level 4 zu validieren – einschließlich fahrerloser Sicherheitsmanöver und eines einheitlichen Softwarebetriebs in US- und europäischen Umgebungen.
Fokus vorerst auf den US-Markt, EU-Markt folgt
Während der anfängliche kommerzielle Schwerpunkt auf den Vereinigten Staaten liegt, erklärten TRATON und PlusAI, dass sie zugleich die Grundlagen für eine spätere Expansion nach Europa schaffen. Dazu gehören die Definition von Operational Design Domains, die Identifizierung vorrangiger Frachtkorridore sowie die Vorbereitung von Fertigungssystemen für eine Produktion autonomiefähiger Fahrzeuge in größerem Maßstab.
TRATON bezeichnete autonomes Fahren als Teil seiner langfristigen Technologieplanung, während PlusAI auf Fortschritte beim Übergang seiner Software von der Entwicklung in werksintegrierte Fahrzeuge und Pilotbetriebe verwies. Beide Unternehmen betonten, dass der kommerzielle Einsatz von weiterer technischer Validierung, regulatorischen Fortschritten und der Akzeptanz durch Kunden abhängen werde.
Vorerst signalisiert die Ankündigung eher eine Vertiefung der Zusammenarbeit als eine endgültige Go-to-Market-Entscheidung, da zentrale Elemente der Partnerschaft weiterhin weiterer Einigung bedürfen.
Südeuropäisches Pilotprojekt mit IVECO gestartet

Parallel zur erweiterten Zusammenarbeit mit TRATON hat PlusAI auch den Start dessen angekündigt, was das Unternehmen als Südeuropas erstes Level-4-Programm für autonomes Trucking bezeichnet diesmal in Partnerschaft mit IVECO, der Nutzfahrzeugmarke der Iveco Group.
Das Programm, das 2026 in Spanien starten soll, umfasst zwei schwere IVECO S-Way-Lkw, die mit dem autonomen Fahrsystem SuperDrive von PlusAI ausgestattet sind. Die Fahrzeuge werden auf Frachtrouten zwischen Madrid und Saragossa eingesetzt und eine Strecke von rund 300 Kilometern abdecken – mit einem Sicherheitsoperator an Bord während der gesamten Testphase.
Laut der Mitteilung wird das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem spanischen Logistikunternehmen Sesé und der Regierung von Aragon durchgeführt und ist als mehrjähriges Testprogramm geplant – nicht als kommerzieller Einsatz.
Das spanische Projekt verdeutlicht im Vergleich zur Zusammenarbeit mit TRATON eine andere Phase der europäischen Aktivitäten von PlusAI. Während die TRATON-Partnerschaft derzeit darauf ausgerichtet ist, werksseitig gebaute autonome Lkw für eine zukünftige Produktion in großem Maßstab vorzubereiten, bleibt das IVECO-Programm auf überwachte Tests und Validierung unter realen Bedingungen fokussiert.
Die europäischen Tests von PlusAI finden parallel zu den Vorbereitungen für den geplanten Börsengang über einen Unternehmenszusammenschluss mit Churchill Capital Corp IX statt, dessen Abschluss – vorbehaltlich Aktionärs- und behördlicher Genehmigungen, im ersten Quartal 2026 erwartet wird.









