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Zahlungsziele steigen – Mittelständische Speditionen geraten zunehmend unter Druck

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Unternehmen in Deutschland lassen sich wieder mehr Zeit beim Bezahlen. Davon profitieren jedoch vor allem große Konzerne. Während sie ihre Zahlungsziele weiter ausdehnen können, geraten kleine und mittlere Unternehmen zunehmend unter Liquiditätsdruck. Für die Transport- und Logistikbranche ist das eine Entwicklung mit besonderer Brisanz: Hohe Vorleistungen treffen auf später eingehende Zahlungen.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Große Kunden erhalten mehr Spielraum

Das durchschnittliche Zahlungsziel im deutschen B2B-Geschäft ist im ersten Halbjahr 2026 auf 32,21 Tage gestiegen – der höchste Wert seit 2019. Das geht aus dem aktuellen Zahlungsindikator der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum verlängerten sich die Zahlungsfristen um 0,75 Tage, gegenüber 2023 sogar um mehr als zwei Tage.

Nach Einschätzung von Creditreform reagieren Lieferanten damit auf die anhaltend schwierige Wirtschaftslage. Gestiegene Material- und Kraftstoffkosten sowie die schwächere Konjunktur hätten viele Unternehmen belastet. Längere Zahlungsziele sollen kurzfristig Liquidität schaffen und Geschäftsbeziehungen stabilisieren.

Von dieser Entwicklung profitieren allerdings längst nicht alle Marktteilnehmer gleichermaßen.

Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten erhielten durchschnittlich 35,51 Tage Zeit, ihre Rechnungen zu begleichen. Kleine Unternehmen mussten dagegen bereits nach 26,37 Tagen zahlen. Zwischen beiden Unternehmensgruppen liegt damit inzwischen ein Unterschied von mehr als neun Tagen.

Auch die Logistik erhält längere Zahlungsfristen

Zu den Branchen, in denen Lieferanten ihre Zahlungsziele zuletzt ausgeweitet haben, zählt ausdrücklich auch der Bereich Verkehr und Logistik. Hier stieg die durchschnittliche Zahlungsfrist von 27,55 auf 29,05 Tage.

Auf den ersten Blick wirkt das positiv. Schließlich verschaffen längere Zahlungsziele Transportunternehmen zusätzlichen finanziellen Spielraum.

In der Praxis sieht die Situation jedoch häufig anders aus. Speditionen müssen Kraftstoff, Maut, Löhne, Leasingraten oder Werkstattkosten kontinuierlich vorfinanzieren. Gleichzeitig bezahlen viele Auftraggeber ihre Rechnungen erst Wochen nach Abschluss eines Transports. Je länger sich Zahlungseingänge verzögern, desto größer wird der Finanzierungsbedarf – insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Kleine Unternehmen zahlen später

Der eigentliche Zahlungsverzug blieb deutschlandweit mit durchschnittlich 8,14 Tagen vergleichsweise niedrig und stieg gegenüber dem Vorjahr nur leicht an. Hinter diesem Durchschnitt verbergen sich jedoch deutliche Unterschiede.

Kleine Unternehmen überschritten ihre Zahlungsfristen im Durchschnitt um 10,52 Tage, mittelständische Betriebe sogar um 10,66 Tage. Bei Großunternehmen lag der Verzug dagegen lediglich bei 6,71 Tagen und fiel damit sogar etwas geringer aus als im Vorjahr.

Für Lieferanten bedeutet das: Ausgerechnet jene Unternehmen, die ohnehin kürzere Zahlungsziele erhalten, geraten häufiger in Verzug.

Geld bleibt länger unterwegs

Für die Liquidität von Unternehmen ist jedoch nicht allein der Zahlungsverzug entscheidend, sondern die gesamte Zeitspanne zwischen Rechnungsstellung und Zahlungseingang.

Diese sogenannte Forderungslaufzeit stieg branchenübergreifend auf 40,35 Tage. Im Bereich Verkehr und Logistik erhöhte sie sich von 36,32 auf 37,76 Tage. Zwar verbesserte sich der eigentliche Zahlungsverzug in der Branche leicht, durch die längeren Zahlungsziele müssen Lieferanten dennoch länger auf ihr Geld warten.

Gerade für Speditionen mit schmalen Margen kann bereits eine zusätzliche Woche Außenstand erhebliche Auswirkungen auf die Liquidität haben. Fahrzeuge, Personal und Betriebskosten müssen schließlich unabhängig vom Zahlungseingang finanziert werden.

Sinkende Rechnungswerte sind kein Grund zur Entwarnung

Parallel dazu sank der durchschnittliche Wert verspätet bezahlter Rechnungen. Bundesweit verringerte er sich auf 1.899 Euro, bei Unternehmen aus Verkehr und Logistik sogar von 2.243 auf 1.886 Euro. Auch das durchschnittliche offene Forderungsvolumen je Schuldner ging weiter zurück und liegt nun bei 19.564 Euro.

Creditreform führt diese Entwicklung zum einen auf die schwächere Konjunktur und geringere Geschäftsvolumina zurück. Zum anderen würden Lieferanten ihre Kreditvergabe inzwischen strenger steuern. Unternehmen mit höherem Ausfallrisiko erhielten seltener Lieferantenkredite oder müssten häufiger Voraus- beziehungsweise Anzahlungen leisten.

Liquidität wird zum Wettbewerbsfaktor

Die aktuelle Auswertung zeigt, dass sich die Unterschiede zwischen großen und kleinen Unternehmen weiter vergrößern. Während große Auftraggeber längere Zahlungsfristen durchsetzen und ihre Rechnungen vergleichsweise pünktlich begleichen, geraten viele kleine und mittlere Unternehmen stärker unter finanziellen Druck.

Gerade in der Transport- und Logistikbranche, in der hohe laufende Kosten und geringe Margen zum Alltag gehören, entwickelt sich Liquidität damit immer mehr zum Wettbewerbsfaktor. Wer Zahlungsströme, Bonitätsprüfungen und Forderungsmanagement nicht konsequent steuert, kann trotz guter Auftragslage schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Für die Studie wertete Creditreform rund vier Millionen überfällige, inzwischen ausgeglichene Rechnungen mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Milliarden Euro aus. Die Datenbasis umfasst Zahlungsinformationen zu rund 1,23 Millionen Unternehmen aus 1.154 Branchen.

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