Das Wichtigste in Kürze
- Die Eurozonen-Industrie hat im Juli zugelegt: Der PMI stieg von 51,4 auf 51,9. Gleichzeitig wuchs die Produktion so schnell wie seit fast viereinhalb Jahren nicht mehr.
- Deutschland liefert das stärkste Erholungssignal: Höhere Produktion trifft auf steigende Neu- und Exportaufträge – ein positives Zeichen für grenzüberschreitende Verkehre.
- Die Nachfrage bleibt fragil: Die Auftragsbestände schrumpfen weiter. Ein Teil der höheren Produktion dürfte aus der Abarbeitung bestehender Aufträge stammen.
- Die Erholung verläuft uneinheitlich: Großbritannien und Italien bleiben im Wachstumsbereich, Spanien bewegt sich nahe der Stagnation, Polen liegt weiter unter 50,0 – und Frankreich rutscht erneut in die Schrumpfung.
Der finale S&P Global Eurozone Manufacturing PMI stieg von 51,4 im Juni auf 51,9 im Juli und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Monaten. Unter den großen Volkswirtschaften fiel Deutschland mit der deutlichsten Verbesserung auf. In Polen wurde ein Großteil des kräftigen Rückgangs vom Juni wieder wettgemacht.
Für die Region insgesamt ergibt sich jedoch ein gemischtes Bild: Frankreich drehte zurück ins Minus, Italien verlor an Schwung. Spanien lag nur knapp über der Marke von 50,0 – und sowohl in Frankreich als auch in Spanien gingen Produktion und Auftragseingänge weiter zurück.
Eurozone: Mehr Produktion – aber die Nachfrage zieht nicht mit
Mit einem Plus von 0,5 Punkten auf 51,9 blieb der PMI den sechsten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50,0. Der Wert liegt knapp unter der vorläufigen Schätzung von 52,0, signalisiert aber dennoch eine stärkere Expansion als im Juni.
Noch deutlicher zeigt sich der Schub bei der Produktion: Der Output-Index stieg von 51,7 auf 52,9. Das ist der höchste Stand seit März 2022 und steht für den kräftigsten Produktionsanstieg seit fast viereinhalb Jahren.
Die Grundlage des Wachstums bleibt allerdings fragil. Die Neuaufträge gingen erneut zurück, und auch die Auslandsnachfrage verschlechterte sich wieder. Ein Teil des Produktionsanstiegs dürfte darauf beruhen, dass Unternehmen bestehende Auftragsbestände abarbeiten – ohne dass der Zufluss neuer Bestellungen im gleichen Maß nachzieht.
Zudem hielten sich die Hersteller bei Einkäufen zurück und bauten ihre Lagerbestände an Vorprodukten weiter ab. Das deutet auf Zurückhaltung beim Wiederaufbau von Beständen hin und begrenzt damit die Chancen auf einen breiteren, lagergetriebenen Impuls für Transport- und Lageraktivitäten.
Auch am Arbeitsmarkt ging es erneut abwärts, während sich die Stimmung in den Unternehmen auf den besten Stand seit Februar verbesserte. Der Kostendruck bei Vorleistungen ließ auf ein Fünfmonatstief nach, was nach den Energie- und Logistikstörungen zu Jahresbeginn etwas Entlastung bringt. Gleichzeitig blieben Lieferverzögerungen in Teilen des Marktes ein Thema.

Aktuelle PMI-Werte der Industrie, Juli 2026. Werte über 50,0 stehen für Wachstum, Werte unter 50,0 für Rückgang.
Deutschland: Exportaufträge sorgen für den klarsten Aufwärtstrend
Deutschland lieferte im Juli das stärkste Signal. Der Industrie-PMI stieg von 50,3 auf 52,2 und erreichte damit den höchsten Wert seit Mai 2022 – der Sektor liegt damit wieder klar im Wachstumsbereich.
Die Produktion legte so stark zu wie seit Februar 2022 nicht mehr. Zudem stiegen die Neuaufträge den zweiten Monat in Folge. Treiber war vor allem ein spürbarer Schub bei den Exportbestellungen: Sie wuchsen so kräftig wie seit über vier Jahren nicht mehr.
Für die Transportnachfrage ist diese Kombination wichtiger als der Output allein. Mehr Exportaufträge erhöhen die Chancen auf stärkere grenzüberschreitende Warenströme bei Fertigprodukten und Komponenten. Gleichzeitig können höhere Auslastung und der Abbau von Rückständen auch Zulieferverkehre in die Werke stützen.
Auch die Kostenentwicklung entspannte sich: Die Inflation bei Einkaufspreisen fiel auf den niedrigsten Stand seit Februar. Gleichzeitig erhöhten Hersteller ihre Verkaufspreise den dritten Monat in Folge langsamer.
Risiken in den Lieferketten bleiben dennoch präsent. Die Lieferzeiten verlängerten sich wieder – unter anderem wegen Engpässen bei Elektronikkomponenten. Und die Erwartungen der Unternehmen liegen weiterhin unter den Niveaus von vor der jüngsten Zuspitzung geopolitischer Unsicherheit und Turbulenzen an den Energiemärkten.
Großbritannien: Produktion zieht an, obwohl der PMI sinkt
In Großbritannien gab der finale Industrie-PMI von 52,5 auf 51,9 nach und markierte damit ein Viermonatstief. Dennoch blieb der Index den neunten Monat in Folge über 50,0 – allerdings deutlich unter der vorläufigen Schätzung von 52,8.
Der Rückgang beim Gesamtwert überdeckt eine bessere Entwicklung bei den Kernindikatoren: Produktion und Neuaufträge wuchsen schneller. Der Output stieg so stark wie seit fast zwei Jahren nicht mehr, und auch das Neugeschäft nahm kräftiger zu – getragen von Nachfrage aus dem Inland und aus dem Ausland.
Auch die Exportaufträge verbesserten sich. Unternehmen berichteten von höheren Verkäufen unter anderem in die EU, die Vereinigten Staaten, Kanada, China, Indien und Südkorea. Für Hafenverkehre, internationalen Straßengüterverkehr und industrielle Lieferketten ist das ein konstruktiveres Signal, als es der gesunkene Headline-PMI allein nahelegt.
Beim Personalaufbau herrschte dagegen nahezu Stillstand – viele Betriebe bleiben vorsichtig, zusätzliche Kapazitäten aufzubauen. Auch Einkaufstätigkeit und Lagerbestände an Vorleistungen gingen zurück. Das spricht dafür, dass sich die Hersteller noch nicht auf eine dauerhaft stärkere Nachfrage einstellen.
Sowohl Kosten- als auch Preisdruck ließen nach, weil sich die Versorgungslage entspannte und sich Lieferzeiten verbesserten. Für britische Transportunternehmen deuten die Daten auf stabilere, produktionsnahe Mengen hin. Gleichzeitig zeigen die vorsichtige Lagerpolitik und die zurückhaltende Einstellungspraxis, dass die Branche die Erholung weiterhin als unsicher bewertet.
Polen: Deutliche Erholung – aber weiter unter der Wachstumsschwelle
Polen verzeichnete im Monatsvergleich den größten PMI-Sprung. Der Index stieg von 46,1 auf 49,0. Damit wurde ein Großteil des Einbruchs aus dem Juni wettgemacht – die Marke von 50,0 bleibt jedoch unterschritten.
Produktion und Neuaufträge gingen weiter zurück, allerdings deutlich langsamer als zuvor. Auch die Exportaufträge sanken, aber so moderat wie seit Januar nicht mehr. Das spricht eher für eine gedämpfte Auslandsnachfrage als für eine erneute schnelle Verschlechterung.
Erstmals seit April 2025 legte die Beschäftigung wieder zu. Der Anstieg war zwar gering, ist aber nach mehr als einem Jahr Personalabbau ein bemerkenswerter Richtungswechsel und deutet darauf hin, dass einige Hersteller mit stabileren Auslastungen rechnen.
Einkäufe und Vorleistungslager wurden dennoch weiter reduziert – damit bleibt die Aussicht auf einen kurzfristigen, lagergetriebenen Schub bei Zulieferverkehren begrenzt. Als wichtiger Produktions- und Straßengüterverkehrsmarkt ist der Anstieg auf 49,0 zwar ein positives Signal für die kurze Frist, doch der anhaltende Auftragsrückgang spricht weiterhin gegen eine vollständige Erholung.
Eine stärkere Exportdynamik in Deutschland könnte mittelfristig auch polnische Zulieferer in deutschen und europäischen Industrieketten stützen. Die Juli-Daten aus Polen deuten jedoch weiterhin auf vorsichtige Produktionsplanung und eine zurückhaltende, industrienahe Transportnachfrage hin.
Südeuropa verliert Tempo – Frankreich rutscht wieder ab
In Italien sank der Industrie-PMI von 52,2 auf 51,3 und damit auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten. Insgesamt verbesserten sich die Bedingungen zwar weiter, doch der zuvor spürbare Effekt von Lageraufstockungen auf Kundenseite ließ nach – und die Neuaufträge fielen erneut.
Auch die Exportaufträge gingen erstmals seit fünf Monaten zurück. Gleichzeitig wurden Beschäftigung und Einkaufstätigkeit reduziert. Das deutet darauf hin, dass sich das Produktionsniveau ohne eine breitere Nachfragebelebung schwerer stabilisieren lässt.
Spanien schaffte knapp den Sprung zurück in den Wachstumsbereich: Der PMI stieg von 49,7 auf 50,2. Die zentralen Nachfrageindikatoren lieferten jedoch kein klares Signal: Die Produktion sank den zweiten Monat in Folge, Neuaufträge den dritten – wenn auch deutlich weniger stark als im Juni.
Die spanischen Exportaufträge gingen stärker zurück als das gesamte Neugeschäft. Zudem verlängerten sich die Lieferzeiten spürbar, da Störungen im Seeverkehr und Engpässe weiter wirkten. Gleichzeitig fielen die Inflationsraten bei Ein- und Verkaufspreisen auf Fünfmonatstiefs.
Am deutlichsten verschlechterte sich die Lage in Frankreich. Der PMI rutschte von 51,2 auf 49,8 und lag damit sowohl unter 50,0 als auch unter der vorläufigen Schätzung.
Produktion, Neuaufträge und Einkaufstätigkeit gingen schneller zurück. Die Exportaufträge fielen so stark wie seit einem Jahr nicht mehr. Als Belastungsfaktoren nannten Unternehmen unter anderem schwaches Kundenvertrauen, geopolitische Unsicherheit und Preisdruck.
Was das für die Transportnachfrage bedeutet
Die PMI-Daten für Juli sprechen für moderates Wachstum der europäischen Industrie – allerdings ohne gleichmäßige Dynamik. Deutschland liefert die klarste Kombination aus höherer Produktion, steigenden Neuaufträgen und stärkerem Exportgeschäft. In Polen hat sich der Abschwung deutlich abgeschwächt.
Der starke Output-Index in der Eurozone stützt kurzfristig industrienahe Transportmengen: Mehr Fertigung bedeutet zusätzliche Zulieferungen von Rohstoffen und Komponenten sowie mehr Auslieferungen fertiger Waren – besonders entlang der auf Deutschland ausgerichteten Industrie-Lieferketten.
Der anhaltende Rückgang bei Neuaufträgen in der Eurozone schwächt jedoch den Ausblick. Wenn Produktion vor allem durch das Abarbeiten von Rückständen getragen wird, können Transportmengen vorübergehend steigen. Sie könnten aber nachlassen, sobald diese Aufträge abgearbeitet sind, falls kein neues Geschäft nachkommt.
Für den internationalen Straßengüterverkehr bleibt die Exportnachfrage entscheidend. Deutschland meldete einen deutlichen Anstieg der Exportaufträge, und auch Großbritannien berichtete von besseren Auslandsgeschäften. In der Eurozone insgesamt gingen Exporte jedoch zurück – mit Schwäche in Frankreich, Spanien, Italien und Polen.
Auch das Lagerverhalten liefert wenig Hinweise auf einen breiten Restocking-Zyklus. In der Eurozone wurden Vorleistungslager abgebaut; zudem sanken Einkaufstätigkeit und Bestände an Inputs auch in Großbritannien, Polen und Italien. Das passt zu begrenztem Wachstum bei eingehenden Materialtransporten und einer vorsichtigen Nachfrage nach zusätzlicher Lagerfläche.
Die Kostenseite hat sich etwas entspannt, da die Vorleistungspreisinflation in mehreren Märkten nachließ. Gleichzeitig können längere Lieferzeiten in Deutschland und Spanien – zusammen mit anhaltender Unsicherheit bei Energie und Seeverkehr – Logistikkosten und Versorgungssicherheit weiterhin belasten.
Unterm Strich zeigt sich eher eine selektive Verbesserung als ein synchroner Industrieaufschwung in Europa. Industrieverkehre mit Bezug zu Deutschland und in Teilen zu Großbritannien könnten zulegen, während schwache Auftragseingänge in anderen Ländern auf weiterhin volatile grenzüberschreitende Mengen hindeuten.









