Amazon wendet sich an die größten amerikanischen Transportbetreiber um Hilfe bei Lieferungen von Bestellungen im Rahmen seines internen Transportnetzes. Das ist insofern überraschend, dass der E-Commerce-Riese eine Partnerschaft mit großen Spielern auf dem Frachtmarkt mied. Der Grund für eine solche Entscheidung ist der unerwartete Anstieg von Frachtsätzen.

Bis dato basierte Amazon auf kleinen Transportfirmen oder individuellen Fahrern von Lastkraftwagen, die nicht direkt bei ihm beschäftigt waren. Vor zwei Jahren beschloss die Firma von Jeff Bezos, sich von großen Transportbetreibern unabhängig zu werden, indem sie auf eigenes Logistiknetz setzte. Damals begann Amazon stufenweise die Umsetzung von Lieferungen– zuerst in den USA, dann in Europa (u.a. in Deutschland, wo die Partner des E-Einzelhändlers die Lieferungen der letzten Meile umsetzen sollen) – zu übernehmen. Es fand einen großen Widerhall in der Branche – XPO Logisitics musste im vergangenen Jahr die erwarteten Einkünfte um 600 Mio. Dollar senken. Das passierte danach, als Amazon auf Dienstleistungen von XPO verzichtete, um den Transport zu nutzen, der durch das eigene Netz umgesetzt wurde. Dieses wuchs seit 2018 von 3,7 Tsd. auf 13 Tsd. Trucker im Jahre 2020 (hier werden nur die Fahrer gerechnet, welche den sog. line-haul, also Kurierlinientransport zwischen Flughäfen und Logistikzentren abwickeln).

Zurzeit aber, wie der amerikanische “Business Insider” schreibt, zwang die Lage auf dem Transportmarkt in den USA die Firma von Jeff Bezos, Partner bei den größten Transportunternehmen zu suchen. Die Chefs von drei großen Transportfirmen, deren Namen nicht genannt wurden, bestätigten gegenüber dem Portal, dass Amazon den Bedarf an ihre Dienstleistungen in den letzten Wochen steigerte.

Der unerwartete Anstieg von Frachtsätzen bewegte viele Fahrer der Amazon-LKWs, die von der Firma nicht direkt angestellt sind, dazu, die Ladungen für andere Kunden zu fahren, erklärt der “Business Insider“.

Letzte Woche August machte die amerikanische Investmentbank Cowen darauf aufmerksam, dass die Einzelhändler und Hersteller im Schnitt um 29 % für Transportdienstleistungen auf dem Spotmarkt zahlen. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele Fahrer-Transporteure, welche Transporte für Amazon früher abwickelten, beschlossen, auf den Spotmarkt einzusteigen, statt die Arbeit für ihn fortzusetzen.

Amazon füllt Vorräte nach

Woher ein solcher Preisanstieg? Die Internet-Einzelhändler, wie Amazon, füllen vor dem kommenden Gipfel beim E-Commerce Vorräte nach, welche während des Höchststands der Coronavirus-Pandemie erheblich geschmälert wurden, als die Produktion eingestellt wurde und die Ozeantransporte zum Stillstand kamen.

Sie brauchen alle Vorräte auf einmal und eben das verursachte eine Krise der Leistungsfähigkeit, sagte Cathy Roberson, Gründerin der Forschungsfirma Logistics Trends & Insights dem “Business Insider”. Die Transportbranche schwächelte eine gewisse Zeit und dann kam plötzlich der Boom, fügte sie hinzu.

“Die meisten großen Einzelhändler spüren wahrscheinlich den Druck des heutigen Transportmarktes, aber Amazon ist einer der wenigen, der seine Transportstrategie wird ändern müssen”, sagte Roberson dem amerikanischen Portal.

Foto: Flickr/Álvaro Ibáñez/CC BY 2.0

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