Huhu Uet, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

Brasilien stellt Hapag-Lloyd-ZIM-Übernahme auf den Prüfstand

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Die geplante Übernahme von ZIM durch Hapag-Lloyd für 4,2 Milliarden US-Dollar droht sich zu verzögern. Brasiliens Wettbewerbsbehörde CADE prüft Überschneidungen auf drei wichtigen Routen nach Südamerika. Die Entscheidung könnte bis März 2027 dauern und damit den geplanten Abschluss bis Ende 2026 gefährden.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste

  • Brasilien untersucht Überschneidungen der Reedereien auf drei Verbindungen nach Südamerika.
  • Die Prüfung könnte bis März 2027 dauern und noch weiter verlängert werden.
  • CADE hat bislang weder festgestellt, dass die Übernahme rechtswidrig ist, noch dass sie verhindert werden muss.
  • Auch in Israel steht die Genehmigung noch aus; sicherheitspolitische Fragen sind weiterhin ungeklärt.

Die brasilianische Wettbewerbsbehörde CADE führt die Prüfung unter dem Aktenzeichen 08700.007274/2026-91. Wie Seatrade Maritime unter Berufung auf Alphaliner berichtet, hat die Behörde eine vertiefte Prüfung eingeleitet. Grund dafür sind Überschneidungen zwischen den beiden Reedereien auf drei Langstreckenmärkten.

Im Mittelpunkt stehen Verbindungen zwischen der West- und der Ostküste Südamerikas, zwischen Zentralamerika beziehungsweise der Karibik und der Ostküste Südamerikas sowie zwischen Nordamerika und der Ostküste Südamerikas.

CADE hat bislang nicht festgestellt, dass der Zusammenschluss ein Monopol schaffen oder den Wettbewerb unzulässig einschränken würde. Mit der vertieften Prüfung will die Behörde den Markt zunächst genauer analysieren. Eine ablehnende Entscheidung über die Transaktion ist damit nicht verbunden.

Hapag-Lloyd wollte sich nicht konkret zum laufenden Verfahren äußern. Gegenüber Seatrade Maritime erklärte die Reederei jedoch, mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten und weiterhin einen Abschluss gegen Ende 2026 anzustreben.

Warum die brasilianische Prüfung unabhängig davon erfolgt

Die Übernahme wurde unter anderem so strukturiert, dass Israels besondere Vorgaben zum Schutz der nationalen Sicherheit berücksichtigt werden. Der israelische Staat hält an ZIM eine Sonderaktie, auch „Golden Share“ genannt, die ihm bei einem Eigentümerwechsel weitreichende Rechte einräumt. Dazu gehört die Möglichkeit, in Notlagen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Schiffsraum zu nehmen.

Um diese Bedenken zu berücksichtigen, will die israelische Beteiligungsgesellschaft FIMI eine eigenständige, schuldenfreie Reederei gründen, die vorläufig den Namen New ZIM trägt. Sie soll den Namen ZIM, die Verantwortung für die Sonderaktie und zunächst 16 Schiffe erhalten, die strategisch wichtige israelische Verbindungen bedienen.

Die wettbewerbsrechtlichen Fragen in Brasilien sind damit jedoch nicht automatisch gelöst. Die dort untersuchten Liniendienste sind Teil des internationalen Netzwerks von ZIM – und damit genau jenes Geschäftsbereichs, den Hapag-Lloyd hauptsächlich übernehmen will. Die Dienste gehören nicht zu den israelischen Aktivitäten, die bei New ZIM verbleiben sollen.

CADE dürfte daher prüfen, ob Kunden auf den drei betroffenen Handelsrouten weiterhin genügend Ausweichmöglichkeiten haben. Ebenso relevant ist, wie viel tatsächlich verfügbare Kapazität konkurrierende Anbieter bereitstellen können und ob bestehende Vereinbarungen über die gemeinsame Nutzung von Schiffen oder Stellplätzen den Wettbewerb zusätzlich einschränken.

Konkrete Marktanteile für die drei Verbindungen hat CADE bislang nicht veröffentlicht. Aussagen, wonach die Transaktion bereits gegen brasilianische Monopolvorschriften „verstößt“, gehen deshalb über den aktuellen Stand der öffentlich verfügbaren Behördeninformationen hinaus.

Könnte sich der Abschluss bis 2027 verzögern?

Nach brasilianischem Recht hat CADE für eine reguläre Fusionsprüfung grundsätzlich bis zu 240 Tage ab Eingang der Anmeldung Zeit. Auf Grundlage der Anfang August eingereichten Unterlagen könnte sich das Verfahren damit bis etwa 31. März 2027 hinziehen.

Diese Frist muss allerdings nicht endgültig sein. Nach den offiziellen Vorgaben von CADE kann das zuständige Tribunal die Prüfung in einem komplexen Fall per begründetem Beschluss um bis zu weitere 90 Tage verlängern.

Möglich ist weiterhin, dass das Verfahren deutlich früher endet – entweder mit einer uneingeschränkten Freigabe oder mit Auflagen zum Schutz des Wettbewerbs. Der derzeit absehbare Zeitplan zeigt jedoch, dass die brasilianische Prüfung nicht mehr als reine Formsache betrachtet werden kann.

Übernahme für 4,2 Milliarden US-Dollar vor zwei Genehmigungshürden

Hapag-Lloyd unterzeichnete die Fusionsvereinbarung im Februar. Vorgesehen war eine Barzahlung von 35 US-Dollar je ZIM-Aktie. Die Aktionäre von ZIM stimmten der Transaktion im April zu.

Durch den Zusammenschluss würde Hapag-Lloyd zur fünftgrößten Containerreederei der Welt aufsteigen. Die kombinierte Flotte käme auf mehr als 400 Schiffe, die Kapazität würde über 3 Millionen TEU liegen und das jährliche Transportvolumen mehr als 18 Millionen TEU erreichen.

Nun steht die Transaktion vor zwei grundsätzlich unterschiedlichen Genehmigungsverfahren: einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung des internationalen Netzwerks und einer politischen Bewertung der strategisch wichtigen Schifffahrtskapazitäten Israels.

In der jüngsten Mitteilung zu den Geschäftsergebnissen hält ZIM weiterhin am Abschluss im vierten Quartal 2026 fest. Bis alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen, müssen Hapag-Lloyd und ZIM jedoch weiterhin als voneinander unabhängige Wettbewerber agieren.

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