AdobeStock

Europaweite Ladekarte: DKV erweitert Angebot für E-Lkw-Flotten

Lesezeit 5 Min.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur gilt weiterhin als eines der größten Hindernisse für den Hochlauf von Elektro-Lkw in Europa. DKV Mobility bringt nun eine spezielle Ladekarte für E-Trucks auf den Markt und verspricht einfacheren Zugang zu verifizierten Truck-Ladepunkten, einheitliche Abrechnung und mehr Planungssicherheit für gemischte Flotten. Für Speditionen bleiben jedoch weiterhin offene Fragen bei Netzabdeckung, Preisen und Infrastrukturqualität.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Der Markthochlauf von Elektro-Lkw nimmt in Europa zwar langsam Fahrt auf, vielerorts fehlt jedoch weiterhin geeignete Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Anders als bei Elektro-Pkw können viele bestehende Schnellladestationen von Lkw nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden – etwa wegen zu niedriger Überdachungen, enger Zufahrten oder fehlender Rangierflächen.

Vor diesem Hintergrund erweitert DKV Mobility sein Angebot für den Straßengüterverkehr um eine spezielle Ladekarte für Elektro-Lkw. Die „DKV Card + Charge Truck“ bietet laut Unternehmen Zugriff auf mehr als 3.000 verifizierte Lkw-Ladepunkte in 17 europäischen Ländern. Damit reagiert der Mobilitätsdienstleister auf die wachsenden Anforderungen von Transportunternehmen, die erste Elektro-Lkw in ihre Flotten integrieren.

Öffentliche Ladeinfrastruktur bleibt Schwachpunkt

DKV Mobility gibt an, sämtliche Truck-Ladepunkte im Netzwerk anhand definierter Mindeststandards zu prüfen. Dazu zählen unter anderem eine Durchfahrtshöhe von mindestens vier Metern, eine Zufahrtsbreite von mindestens 2,7 Metern sowie ausreichend Platz für Fahrzeuge ab neun Metern Länge.

Nach Angaben des Unternehmens verfügen zudem mehr als 80 Prozent der über 3.000 Standorte über Ladeleistungen von mehr als 300 kW. Gerade im Fernverkehr gelten hohe Ladeleistungen als entscheidend, um Standzeiten möglichst gering zu halten.

Die Einführung der Karte zeigt gleichzeitig, wie groß die Herausforderungen beim öffentlichen Laden schwerer Nutzfahrzeuge weiterhin sind. Zwar entstehen entlang wichtiger Transportachsen zunehmend neue Schnellladeparks, doch viele Standorte sind bislang eher auf Pkw ausgelegt.

Fokus auf gemischte Flotten

Die neue Karte richtet sich insbesondere an Transportunternehmen mit gemischten Fuhrparks. Über die Karte können laut DKV sowohl Elektro-Lkw geladen als auch konventionelle Kraftstoffe abgerechnet werden. Zusätzlich sollen weitere Services wie Waschen, Parken, Reifenservice oder Reparaturen integriert werden.

Sven Mehringer, Managing Director bei DKV Mobility und verantwortlich für die Bereiche Energy & Vehicle Services, erklärte laut Unternehmensmitteilung:

„Die Energieversorgung von Nutzfahrzeugen wird komplexer – mit mehr Antriebsformen, mehr Anbietern, mehr Abrechnungssystemen. Die DKV Card +Charge Truck gibt Flottenbetreibern eine Antwort darauf – eine Karte für alle Antriebe, alle Services, eine Abrechnung.“

Für viele Speditionen dürfte vor allem die Vereinfachung der Abrechnung relevant sein. Unternehmen, die Diesel-Lkw und erste Elektrofahrzeuge parallel betreiben, müssen derzeit häufig unterschiedliche Ladeanbieter, Tarife und Roaming-Systeme verwalten.

Mehr Planungssicherheit – aber offene Preisfrage

Laut DKV sollen Fahrer und Disponenten über die App Echtzeitinformationen zu Preisen, Ladeleistung und Verfügbarkeit erhalten. Dadurch soll die Tourenplanung für Elektro-Lkw vereinfacht werden.

Tim Dambor, Director Product Management eMobility Roaming bei DKV Mobility, erklärte laut Mitteilung:

„Für Fahrer von Elektro-Lkw und Disponenten zählt vor allem Verlässlichkeit. Mit unserem verifizierten Netzwerk und der Echtzeit-Übersicht in der App wissen beide: Die nächste Station ist erreichbar, und das Fahrzeug kann dort auch wirklich laden.“

Offen bleibt allerdings, wie attraktiv die angekündigten Ladetarife tatsächlich ausfallen. Konkrete Preise nennt DKV bislang nicht. Das Unternehmen spricht lediglich von günstigeren Konditionen im Vergleich zur Direktzahlung an einzelnen Ladepunkten. In der Branche gelten Roaming-Angebote jedoch häufig als kostenintensiver als individuelle Direktverträge.

Wettbewerb um Truck-Charging und Flottenservices nimmt zu

Mit dem Hochlauf der Elektromobilität im Straßengüterverkehr verschärft sich auch der Wettbewerb um Ladeinfrastruktur und Flottenservices. Immer mehr Anbieter versuchen derzeit, sich frühzeitig im entstehenden Markt für öffentliches Truck-Charging zu positionieren.

DKV Mobility setzt dabei vor allem auf ein europaweites Roaming- und Service-Modell für gemischte Flotten. Direkte Wettbewerber im Bereich Tank-, Lade- und Flottenkarten sind unter anderem Aral Fleet Solutions, UTA Edenred oder Eurowag, die ebenfalls kombinierte Fuel- und EV-Services ausbauen. Aral pulse beziehungsweise Aral Fleet Solutions konzentrieren sich bislang allerdings stärker auf das eigene Ladenetz und weniger auf ein europaweit verifiziertes Truck-Charging-Netzwerk.

Parallel investieren Energieunternehmen und Infrastrukturbetreiber massiv in den Aufbau öffentlicher Schnellladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Dazu zählen unter anderem EnBW, E.ON, Shell Recharge sowie das Joint Venture Milence, das von Daimler Truck, Volvo Group und Traton getragen wird. Milence fokussiert sich dabei vor allem auf den Aufbau eigener Ladehubs entlang zentraler europäischer Transportkorridore und weniger auf klassische Flotten- oder Abrechnungslösungen.

Für Transportunternehmen wird der Markt dadurch zwar vielfältiger, gleichzeitig aber auch deutlich komplexer. Unterschiedliche Roaming-Modelle, Tarifsysteme, Netzabdeckungen und Zugangssysteme erschweren vielerorts noch die wirtschaftliche Planung von Elektro-Lkw im Fernverkehr.

Zusätzlichen Druck erzeugen die europäischen Klimavorgaben. Mit der AFIR-Verordnung treibt die EU den Aufbau eines flächendeckenden Schnellladenetzes entlang zentraler Transportachsen voran. Gleichzeitig verlangen immer mehr Verlader emissionsärmere Lieferketten und belastbare CO2-Nachweise.

DKV verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Ladevorgänge im eigenen Netzwerk rechnerisch zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen erfolgen. Grundlage dafür seien entsprechende Herkunftsnachweise für Grünstrom.

Die „DKV Card +Charge Truck“ ist laut Unternehmen ab sofort europaweit verfügbar. Ob sich solche Angebote langfristig durchsetzen, dürfte jedoch vor allem davon abhängen, wie schnell der Ausbau öffentlicher Truck-Ladeinfrastruktur in Europa tatsächlich vorankommt.

Tags:

Auch lesen