Das Wichtigste im Überblick:
- GXO gewann im zweiten Quartal neue Aufträge mit einem annualisierten Umsatzpotenzial von 410 Millionen US-Dollar – 34 % mehr als im entsprechenden Zeitraum 2025.
- Rund 40 % der neuen Geschäfte entfielen auf Kunden aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Technologie, Industrie und Life Sciences.
- Der Umsatz stieg um 4,3 % auf 3,44 Milliarden US-Dollar. In allen drei operativen Regionen legte das organische Geschäft zu.
- Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um 3 % auf 219 Millionen US-Dollar, während die Marge bei 6,4 % blieb.
- Für 2026 hat GXO bereits zusätzliche Umsätze von rund 1 Milliarde US-Dollar gesichert, für 2027 weitere 353 Millionen US-Dollar.
- Die Prognose für das organische Umsatzwachstum 2026 liegt weiterhin bei 4 bis 5 %.
Der Kontraktlogistiker meldete im zweiten Quartal mehrere neue und ausgeweitete Aufträge von internationalen Konzernen. Zu den Kunden zählen Nike, Marks & Spencer, PepsiCo, Boeing und Raytheon.
Den größten Auftrag des Quartals sicherte sich GXO bei einem nicht namentlich genannten Hyperscale-Technologieunternehmen. Außerdem schloss das Unternehmen einen E-Commerce-Vertrag mit Ahold für Kontinentaleuropa ab und erhielt seinen ersten Auftrag für Halbleiterlogistik in Malaysia.
Die neuen Geschäfte haben ein annualisiertes Umsatzpotenzial von 410 Millionen US-Dollar und übertrafen damit den Vorjahreswert um 34 %. Im ersten Halbjahr belief sich der Wert auf insgesamt 638 Millionen US-Dollar – ein Plus von rund 19 % im Jahresvergleich.
Bei der Bewertung neuer Verträge berücksichtigt GXO den erwarteten annualisierten Umsatz. Der Gesamtwert eines Vertrags über die gesamte Laufzeit fließt dagegen nicht in diese Kennzahl ein.
GXO baut das Geschäft mit komplexen Lieferketten aus
Rund 40 % der im Quartal gewonnenen Geschäfte entfielen auf vier Bereiche, die GXO als strategische Wachstumsmärkte definiert hat: Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung, Technologie und Rechenzentren, Industrie und Life Sciences. Zusammen bieten diese Segmente nach Einschätzung des Unternehmens ein adressierbares Marktvolumen von mehr als 230 Milliarden US-Dollar.
Die Projekte in diesen Branchen unterscheiden sich laut GXO deutlich vom klassischen Lagerbetrieb. Sie sind meist technisch anspruchsvoller, stärker reguliert und serviceintensiver. Für Kunden ist der Wechsel des Logistikdienstleisters bei solchen Lösungen zudem schwieriger. GXO erwartet deshalb höhere Margen als bei weniger spezialisierten Dienstleistungen.
In der Luft- und Raumfahrt sowie im Verteidigungsbereich gewann GXO neue Aufträge oder baute bestehende Geschäfte mit Raytheon, Boeing und der International Airlines Group aus. Nach Angaben von GXO hat die Übernahme des britischen Logistikdienstleisters Wincanton die Kompetenzen des Unternehmens in diesem Markt erweitert – insbesondere bei Logistiklösungen für den Verteidigungssektor.
Die Nachfrage aus dem Technologiesektor wird außerdem durch Investitionen in Rechenzentren angetrieben. Neben dem neuen Kunden aus dem Hyperscale-Bereich weitete GXO die Zusammenarbeit mit einem bestehenden internationalen Cloud- und Technologiekonzern sowie mit einem globalen Hersteller von Halbleiterausrüstung aus.
Für das dritte Quartal erwartet GXO erneut ein deutliches Wachstum des Neugeschäfts im Jahresvergleich. Dazu sollen vor allem Kunden aus dem Rechenzentrumsbereich sowie aus der Luft- und Raumfahrt und dem Verteidigungssektor beitragen.
Verbraucherlogistik bleibt das Basisgeschäft
Trotz des stärkeren Fokus auf spezialisierte B2B-Lieferketten bleibt GXO in seinen bisherigen Kernmärkten aktiv.
Rund 70 % des bestehenden Geschäfts entfallen weiterhin auf verbrauchernahe Bereiche wie Einzelhandel, E-Commerce, Omnichannel-Fulfillment und Konsumgüter. Im ersten Halbjahr 2026 machten diese Bereiche zudem etwa 60 % der neu abgeschlossenen Verträge aus.
Der zweitgrößte Vertrag des Quartals war die E-Commerce-Vereinbarung mit Ahold für Kontinentaleuropa.
GXO sieht drei zentrale Wege für weiteres Wachstum: zusätzliche Leistungen für bestehende Kunden, die Übernahme von Aufträgen anderer Logistikdienstleister und die Gewinnung von Unternehmen, die ihre Logistik erstmals auslagern.
Nordamerika gewinnt dabei an Bedeutung. Die dort im ersten Halbjahr gewonnenen Verträge lagen 85 % über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig wuchs die Vertriebspipeline in Nordamerika um 34 %.
Mehr Umsatz, aber keine höhere Marge
Im zweiten Quartal erzielte GXO einen Umsatz von 3,44 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 4,3 % gegenüber den 3,30 Milliarden US-Dollar aus dem Vorjahresquartal. Bereinigt um Akquisitionen und Währungseffekte lag das organische Umsatzwachstum bei 3,4 %. Alle drei operativen Regionen trugen zum Wachstum bei.
Das bereinigte EBITDA stieg von 212 Millionen auf 219 Millionen US-Dollar. Das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie erhöhte sich von 0,57 auf 0,59 US-Dollar.
Die bereinigte EBITDA-Marge blieb jedoch unverändert bei 6,4 %. Auch der Nettogewinn ging leicht zurück – von 28 Millionen auf 27 Millionen US-Dollar.
Die Anleger reagierten dennoch zurückhaltend auf die Zahlen. Die GXO-Aktie verlor am 5. August rund 9 %, nachdem der Quartalsumsatz mit 3,44 Milliarden US-Dollar leicht unter den Analystenschätzungen von 3,46 bis 3,47 Milliarden US-Dollar geblieben war.
Die Reaktion deutet darauf hin, dass Anleger erwarten, dass sich der starke Auftragseingang in einem schnelleren Umsatzwachstum und höheren Margen niederschlägt. Das organische Wachstum von 3,4 % lag weiterhin unter dem Jahresziel von 4 bis 5 %. Auch die bereinigte EBITDA-Marge verharrte bei 6,4 %.
Zudem besteht weiterhin eine deutliche Differenz zwischen dem ausgewiesenen und dem bereinigten Ergebnis. Das verwässerte Ergebnis je Aktie nach US-GAAP lag bei 0,22 US-Dollar, das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie dagegen bei 0,59 US-Dollar. Die Differenz erklärt sich unter anderem durch Integrations-, Restrukturierungs- und sonstige Sondereffekte, die bei der Ermittlung des bereinigten Ergebnisses nicht berücksichtigt werden.
GXO erklärte, dass sich der Zeitpunkt des Starts neuer Verträge und das Auslaufen bestehender Vereinbarungen auf den Quartalsumsatz ausgewirkt hätten. In der zweiten Jahreshälfte soll die Marge steigen, sobald die jüngsten Aufträge anlaufen und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung Wirkung zeigen.
Beim Cashflow war die Verbesserung deutlicher. Der operative Cashflow erhöhte sich von 3 Millionen auf 76 Millionen US-Dollar. Der Free Cashflow drehte von einem Abfluss von 43 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2025 auf einen positiven Wert von 12 Millionen US-Dollar im laufenden Jahr.
Ende Juni verfügte GXO über 769 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln. Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum bereinigten EBITDA sank binnen eines Jahres von 3,0 auf 2,6. Einen Teil der verfügbaren Liquidität setzte das Unternehmen anschließend ein, um im Juli fällige Anleihen über 400 Millionen US-Dollar zurückzuzahlen.
Für 2026 bereits zusätzliche Umsätze von mehr als 1 Milliarde US-Dollar gesichert
Die bereits unterzeichneten Verträge sollen GXO 2026 zusätzliche Umsätze von rund 1 Milliarde US-Dollar bringen. Das sind 29 % mehr als der vergleichbare Wert, den das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr gesichert hatte. Für 2027 stehen außerdem bereits 353 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Umsätzen fest.
Zum Ende des zweiten Quartals belief sich die Vertriebspipeline auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Bis zum 29. Juli war sie trotz der zahlreichen im Quartal abgeschlossenen Verträge wieder auf das Rekordniveau von rund 2,7 Milliarden US-Dollar angewachsen.
GXO bestätigte für 2026 seine Prognose eines organischen Umsatzwachstums von 4 bis 5 %. Die Spanne für das bereinigte EBITDA wurde auf 945 bis 965 Millionen US-Dollar eingegrenzt. Für das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie liegt die neue Prognose bei 2,95 bis 3,15 US-Dollar. Die Mittelwerte beider Prognosespannen bleiben unverändert.
Trotz der positiven Auftragsentwicklung bleibt für den Rest des Jahres noch einiges zu tun. Das organische Wachstum von 3,4 % im zweiten Quartal lag unter der Zielspanne für 2026. Die unveränderte Marge zeigt außerdem, dass der stärkere Auftragseingang bislang noch nicht zu einer schnelleren Gewinnentwicklung geführt hat.
GXO setzt deshalb darauf, dass die neu gewonnenen Verträge in der zweiten Jahreshälfte anlaufen. Gemeinsam mit Kosteneinsparungen, Automatisierung und operativen Anpassungen sollen sie für die in der Prognose erwartete Beschleunigung sorgen.









