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Speditionen können erstmals öffentliche E-Lkw-Ladeplätze reservieren

Lesezeit 7 Min.

Speditionen können über FRYTE Mobility öffentliche E-Lkw-Ladepunkte verschiedener Betreiber vorab buchen. Der Start erfolgt mit sieben Ladepunkten an fünf Standorten in Bayern. Ein neuer Praxisbericht zeigt, wie sich Reservierung, Energiebedarf und Tourenplanung verbinden lassen - die verfügbare Infrastruktur bleibt jedoch begrenzt.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste im Überblick

  • Über FRYTE sind sieben öffentliche E-Lkw-Ladepunkte an fünf Standorten in Bayern reservierbar.
  • Die Anlagen bieten laut Unternehmen Durchfahrtslösungen und Ladeleistungen von bis zu 400 kW.
  • Energie Südbayern und Dettendorfer Energy sind die ersten Betreiber im öffentlichen Regelbetrieb.
  • Ein Praxisbericht zur eTruck Tour Germany dokumentiert die Planung auf einer 1.356 Kilometer langen Rundfahrt.
  • Reservierungen können Wartezeiten verringern, ersetzen aber nicht den Ausbau von Ladeparks und Netzanschlüssen.

Das Start-up FRYTE Mobility weitet seine Reservierungsplattform auf öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw aus. Nach Unternehmensangaben können Speditionen und Frachtführer seit Ende Juli Ladefenster verschiedener Betreiber über eine gemeinsame Schnittstelle buchen.

Zum Start sind sieben für E-Lkw ausgelegte Ladepunkte an fünf Standorten in Bayern angebunden. Sie verfügen laut FRYTE über Durchfahrtslösungen und bieten Ladeleistungen von bis zu 400 kW.

Reservierbar sind Ladepunkte am Inntaler Autohof in Raubling an der A93, am MCS-Ladepark Langenbruck an der A9 bei Alfred Amenda & Sohn Transport, am MCS-Ladepark Pentling nahe A93 und B16 sowie in Wallersdorf an der A92 und Aichach an der B300.

Betreiber der Standorte sind Energie Südbayern und Dettendorfer Energy. Nach Darstellung von FRYTE sind sie die ersten Partner, die ihre öffentlichen Ladepunkte über die Plattform für eine betreiberübergreifende Reservierung im Regelbetrieb öffnen.

Mit diesem Rollout zeigen wir, dass Ladepunktreservierung für E-Lkw im Regelbetrieb funktioniert – verlässliche Ladeslots genau dann, wenn Speditionen sie unterwegs brauchen“, sagt FRYTE-Gründer Maximilian Zähringer.

Reservierung statt bloßer Ladepunktanzeige

Der Dienst soll über die reine Darstellung von Ladestationen hinausgehen. Disponenten können nach Angaben des Unternehmens ein Ladefenster für ein bestimmtes Fahrzeug, eine Startzeit und eine vorgesehene Ladedauer buchen.

FRYTE hatte die Reservierungsfunktion zuvor gemeinsam mit MAN Truck & Bus im halböffentlichen Umfeld eingesetzt. Mit Energie Südbayern und Dettendorfer Energy wird sie nun auf öffentlich zugängliche Ladeparks ausgeweitet.

Die technische Anbindung erfolgt laut FRYTE über den Standard OCPI. Dadurch sollen die Managementsysteme unterschiedlicher Ladepunktbetreiber in eine gemeinsame Buchungsoberfläche eingebunden werden. Für Speditionen ist das vor allem dann relevant, wenn entlang einer Tour mehrere Betreiber infrage kommen und Ladefenster nicht über getrennte Systeme organisiert werden müssen.

Die von FRYTE verwendete Bezeichnung eines erstmals CPO-übergreifenden Regelbetriebs ist eine Unternehmensaussage. Eine unabhängige Marktübersicht, die diesen Anspruch bestätigt, liegt nicht vor.

Touren- und Energieplanung werden verknüpft

FRYTE kombiniert die Reservierung mit einer fahrzeugspezifischen Ladeplanung. Dabei sollen unter anderem Route, Fahrzeugdaten, Zuladung, Höhenprofil, Temperatur, Rekuperation sowie Lenk- und Ruhezeiten berücksichtigt werden. Anschließend bewertet die Plattform mögliche Ladestopps nach Erreichbarkeit, Leistung, Umweg, Zeitfenster und Kosten.

Wie dieser Ansatz im Fahrbetrieb funktioniert, beschreibt der aktuelle Report zur eTruck Tour Germany 2026. An der Rundfahrt nahmen ein Mercedes-Benz eActros 600, ein MAN eTGX und ein Scania 40 R mit jeweils zehn Tonnen Zuladung teil. FRYTE begleitete die Tour als digitaler Planungspartner.

Die Strecke führte an vier Fahrtagen von Burtenbach über Raubling, Schwabach, Kraftsdorf, Lohfelden, Bensheim und Stuttgart zurück nach Burtenbach. Insgesamt umfasste die Rundfahrt laut Bericht 1.356 Kilometer. Die Tagesetappen lagen zwischen 128 und 434 Kilometern.

Entlang der Route ermittelte FRYTE 69 grundsätzlich nutzbare Lademöglichkeiten. Davon bewertete das Unternehmen 29 als besonders geeignet für schwere E-Lkw. Die gewählten Ladepunkte lagen dem Bericht zufolge meist weniger als einen Kilometer von der Strecke entfernt. An mehreren Stopps ließ sich die reine Ladezeit innerhalb des 45-minütigen Pausenfensters einplanen.

Diese Werte beziehen sich auf die konkrete Route der Tour. Sie lassen sich nicht als Aussage über die flächendeckende Verfügbarkeit reservierbarer Lkw-Ladepunkte in Deutschland verstehen.

Verbrauch beim Scania nahezu getroffen

Für den ersten Tourtag enthält der Report einen Soll-Ist-Vergleich für den Scania 40 R. FRYTE berechnete einen Verbrauch von 91,2 kWh je 100 Kilometer. Fahrzeug-App und Bordcomputer wiesen laut Bericht 92,3 kWh je 100 Kilometer aus. Die Abweichung lag damit bei rund einem Prozent.

Die geplante Strecke betrug 422,9 Kilometer, tatsächlich wurden an diesem Tag 503,3 Kilometer gefahren. Die reale Strecke war somit rund 19 Prozent länger. Für den Ladezustand am Etappenende hatte FRYTE 54,1 Prozent berechnet; gemessen wurden dem Bericht zufolge 52 Prozent.

Auch der geplante Ladestopp am Inntaler Autohof in Raubling wurde tatsächlich genutzt. Dort traf der Lkw mit einem Ladezustand von 66 Prozent statt der prognostizierten 71 Prozent ein und lud 185,8 kWh. Geplant waren 168 kWh.

Der Abgleich zeigt, dass die Verbrauchsprognose auf dieser Etappe nahe am realen Wert lag. Die Aussagekraft bleibt jedoch begrenzt: Die detaillierte Auswertung bezieht sich auf ein Fahrzeug und einen Fahrtag. Zudem wurde der Bericht von FRYTE selbst veröffentlicht und nicht unabhängig validiert.

VDA warnt vor Verzögerungen beim Netzausbau

Reservierbare Ladefenster können für Speditionen das Risiko verringern, dass ein E-Lkw mit engem Zeitplan vor einem belegten Ladepunkt steht. Eine Buchungsplattform kann jedoch nur Kapazitäten verteilen, die bereits vorhanden und ans Stromnetz angeschlossen sind.

Genau hier sieht der Verband der Automobilindustrie weiteren Handlungsbedarf. VDA-Präsidentin Hildegard Müller kritisierte den Entwurf des geplanten Netzpakets der Bundesregierung. Dieser könne den Ausbau des Ladenetzes für Nutzfahrzeuge „ausbremsen, statt ihn zu beschleunigen“, sagte sie gegenüber Table.Briefings.

Nach Darstellung des VDA ist die Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge in dem Entwurf nicht ausdrücklich als prioritär eingestuft. Netzbetreiber erhielten vielmehr zusätzlichen Spielraum bei der Entscheidung, welche Anschlussvorhaben bevorzugt behandelt werden. Auch die von der Regierungskoalition angekündigte Anschlussgarantie für Industriebetriebe sei im Entwurf nicht erkennbar umgesetzt.

Für Betreiber von Lkw-Ladeparks ist das von zentraler Bedeutung. Schnellladeanlagen für schwere Nutzfahrzeuge benötigen hohe Anschlussleistungen. Verzögern sich Netzanschlüsse, können bereits geplante Ladeparks nicht oder nur mit reduzierter Leistung in Betrieb gehen.

Noch kein Fernverkehrsnetz

Für Speditionen liegt der unmittelbare Nutzen des FRYTE-Angebots in einer besseren Planbarkeit bestehender Ladepunkte. Verbindliche Zeitfenster können Lade- und Lenkzeitpausen besser aufeinander abstimmen und unnötige Wartezeiten vermeiden.

Mit sieben Ladepunkten in Bayern bleibt die Reichweite des Systems zunächst allerdings begrenzt. Für den überregionalen Fernverkehr wird entscheidend sein, ob weitere Betreiber, Standorte und Hauptverkehrskorridore angebunden werden.

Die Digitalisierung der Buchung und der physische Infrastrukturausbau lösen damit zwei unterschiedliche Probleme: Reservierungssysteme verbessern die Nutzung vorhandener Kapazitäten. Ob E-Lkw im Fernverkehr flächendeckend eingesetzt werden können, hängt weiterhin davon ab, wie schnell ausreichend leistungsfähige Ladeparks und die dafür notwendigen Netzanschlüsse entstehen.

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