DAF Trucks und das schwedische Technologieunternehmen Einride haben eine gemeinsame Entwicklungsinitiative für autonome Elektro-Lkw gestartet. Wie beide Unternehmen mitteilen, soll das autonome Fahrsystem „Einride Driver“ in die elektrische Fahrzeugplattform von DAF integriert werden.
Ziel ist ein Betrieb nach SAE Level 4. Innerhalb eines definierten Einsatzbereichs und unter festgelegten Bedingungen kann das Fahrzeug dabei die Fahraufgabe selbstständig übernehmen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.
Bemerkenswert ist weniger die Ankündigung eines weiteren autonomen Lkw-Projekts als der technische Ansatz dahinter: Einride bringt sein Autonomiesystem auf die Plattform eines etablierten europäischen Nutzfahrzeugherstellers. Das Unternehmen verfolgt damit ausdrücklich einen fahrzeugunabhängigen Ansatz.
2026 kommen die Schnittstellen auf den Prüfstand
Bevor ein autonom fahrender DAF getestet werden kann, müssen Fahrzeugarchitektur und Fahrsystem technisch miteinander verbunden werden.
Gemeinsam mit dem niederländischen Forschungsinstitut TNO wollen DAF und Einride zunächst die notwendigen Schnittstellen definieren und prüfen. Sie müssen unter anderem sicherstellen, dass das autonome System zuverlässig auf Fahrzeugfunktionen zugreifen und diese kontrollieren kann.
Erste Tests und Validierungen dieser Schnittstellen sind noch für 2026 vorgesehen. 2027 soll anschließend die autonome Fahrsoftware von Einride integriert und in Betrieb genommen werden. Danach sind weitere Schnittstellen- und Funktionstests an einem DAF-Lkw geplant.
Das Projekt befindet sich damit noch klar in der Entwicklungsphase. Angaben zu ersten Kunden, konkreten Transportrelationen oder einem Termin für den kommerziellen Betrieb machen die Unternehmen bislang nicht.
Öffentliche Straße wird bereits mitgedacht
Die Entwicklung ist nicht ausschließlich für abgeschlossene Betriebsgelände vorgesehen.
Mit Unterstützung von TNO arbeiten DAF und Einride nach eigenen Angaben bereits mit den zuständigen Typgenehmigungsbehörden zusammen. Die Plattform soll technisch und regulatorisch so vorbereitet werden, dass ein autonomer Betrieb später auch auf öffentlichen Straßen ausgeweitet werden kann.
Das bedeutet allerdings noch keine Zulassung für den regulären Straßenverkehr. Wo und unter welchen Bedingungen entsprechende Level-4-Lkw zunächst eingesetzt werden könnten, haben die Partner nicht mitgeteilt.
Gerade bei hochautomatisierten Fahrzeugen ist diese Unterscheidung entscheidend. Wiederkehrende Fahrten auf definierten Strecken oder abgeschlossenen Arealen lassen sich technisch und regulatorisch deutlich leichter beherrschen als offene Straßennetze mit wechselnden Verkehrsbedingungen.
DAF liefert die Plattform, Einride das Fahrsystem
Als technische Grundlage dient die elektrische Lkw-Plattform von DAF. Zu ihr gehören unter anderem XD Electric und XF Electric, die zum „International Truck of the Year 2026“ gewählt wurden.

Quelle: DAF
Das Elektroprogramm des Herstellers reicht vom 12-Tonner XB Electric für den städtischen Verteilerverkehr bis zu XG Electric und XG+ Electric für längere Transportaufgaben.
Für DAF liegt der strategische Reiz darin, Elektrifizierung und Automatisierung auf einer vorhandenen Fahrzeugarchitektur zusammenzuführen. Einride wiederum muss für seine autonome Technologie keine eigene komplette Lkw-Plattform bereitstellen.
Henrik Green, Chief Technology Officer bei Einride, erklärte, die Zusammenarbeit bestätige den fahrzeugunabhängigen Ansatz des Unternehmens und solle den Weg zu einem kommerziell skalierbaren Level-4-Betrieb verkürzen.
DAF-Chefingenieur und Vorstandsmitglied Jeroen van den Oetelaar sieht in der Verbindung der eigenen Lkw-Plattform mit autonomer Technologie einen weiteren Schritt bei der Entwicklung künftiger Güterverkehrslösungen.
PACCAR bringt Erfahrung aus Nordamerika ein
Ganz neu ist das Thema autonomes Fahren innerhalb des Konzerns nicht. DAF-Muttergesellschaft PACCAR hat mit ihrem nordamerikanischen Autonomous Vehicle Platform Program bereits Entwicklungsarbeit auf diesem Gebiet geleistet.
Parallel arbeitet PACCAR nach Unternehmensangaben mit Anbietern vollständiger autonomer Fahrsysteme zusammen. Erkenntnisse aus diesen Programmen sollen auch die Weiterentwicklung automatisierter Funktionen auf der DAF-Plattform unterstützen.
Damit greift DAF nicht nur auf Einrides Softwarekompetenz zurück, sondern auch auf Erfahrungen, die der Mutterkonzern bereits in anderen Märkten gesammelt hat.
Entscheidend wird, ob aus Integration ein Geschäftsmodell wird
Für Transportunternehmen dürfte deshalb weniger der erste erfolgreiche Funktionstest entscheidend sein als das, was danach folgt.
Offen ist bislang, für welche Transportaufgaben die Level-4-Lösung vorgesehen sein wird, unter welchen Bedingungen sie zugelassen werden kann und wie sich die zusätzlichen Systeme wirtschaftlich rechnen. Ebenso wenig ist bekannt, ob DAF die Technologie später als reguläre Fahrzeugoption anbieten oder zunächst über einzelne Flotten- und Korridorprojekte einführen will.
2026 und 2027 liefern zunächst die technische Grundlage. Ob daraus anschließend ein skalierbares Angebot für den europäischen Straßengüterverkehr entsteht, wird sich erst in der nächsten Entwicklungsphase zeigen.









