Das französische Handelsgericht Nanterre ordnete an, die Tätigkeit der Lagerhäuser von Amazon drastisch einzuschränken. Ab sofort dürfen dort nur lebensnotwendige Produkte wie Lebensmittel, Hygiene- und Sanitärprodukte verpackt und versendet werden. Über das Urteil freuen sich die Vertreter von Gewerkschaften, die darauf hingewiesen haben, dass der Riese „seine Mitarbeiter nicht angemessen vor Covid-19 schützte und seine Geschäftstätigkeit führte, als ob nichts geschehen wäre”. Sogar heftige Kritik von Arbeitnehmern, Gewerkschaften und dem französischen Wirtschaftsministerium schien für Amazon, keine Bedeutung zu haben.

Das Handelsgericht in Nanterre teilte am Dienstag mit, dass alle französischen Lagerhäuser von Amazon, ihre Tätigkeit, die mit dem Empfangen, Verpacken und Versenden von Waren verbunden ist, innerhalb von 24 Stunden einschließlich darauf beschränken müssen, was unerlässlich und dringend ist. Sollte der Onlineversandhändler Amazon der genannten Anordnung nicht folgen, muss er für jeden Tag der Verzögerung eine Strafe in Höhe von 1.000.000 Eur zahlen.

Die Einschränkungen für Amazon wurden für einen Monat angeordnet, aber sie können verlängert oder verkürzt werden, was davon abhängt, ob das Unternehmen die vom Gericht veranlasste Bewertung von Risiken für die Gesundheit der Mitarbeiter durchführen wird. Wie die Online-Zeitung leparisien.fr angibt, sollte diese in Anwesenheit von delegierten Mitarbeitern erfolgen.

“Inadäquate und voreilige” Lösungen

Die Gewerkschaft Solidaires (Sud), die dazu beigetragen hat, dass der amerikanische Riese vor Gericht gebracht wurde, hat sich sehr kritisch über die Tätigkeit von Amazon in Frankreich geäußert.

Wir können zwar nicht sagen, dass Amazon komplett nichts getan hat, aber die von ihm eingesetzten Lösungen waren inadäquat und voreilig, stellte Laurent Degousé, der Vertreter der Gewerkschaft, fest.

Während der Verhandlung wurde auch darauf hingewiesen, dass eine sichere Distanz zwischen Mitarbeitern der Lagerhäuser von Amazon unmöglich zu beachten war. Vorher wurde dieses Problem in den Mitteilungen der Gewerkschaft als gesundheitsschädliche und soziale Bombe genannt, die gerade explodiert und 10.000 fest angestellte Mitarbeiter, sowie ihre Vertreter und Kurierdienstleister, betrifft.

Wie Le Parisien weiter bemerkt, übte die Gewerkschaft scharfe Kritik an Amazon, weil das Unternehmen keine Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter eingesetzt hatte. Weiterhin erinnert das französische Portal auch daran, dass der amerikanische Versandhändler von der französischen Regierung wegen eines ungenügenden Schutzes der Mitarbeiter in 5 von 6 Lagerhäusern, die in Frankreich tätig sind, kritisiert wurde. Inzwischen hat die Unzufriedenheit der Mitarbeiter deutlich zugenommen. Die Abwesenheitsquote konnte in der letzten Zeit von 40 bis zu sogar 60 Prozent betragen.

Amazon wehrt sich gegen Kritik.

Amazon legte gegen die Entscheidung des Gerichts Berufung ein. Das Unternehmen versicherte, dass „die Sicherheit der Mitarbeiter die oberste Priorität ist.” In diesem Zusammenhang wurden solche Maßnahmen wie Temperaturmessung und soziale Distanz als Pflicht eingeleitet.

Leparisien.fr bereichtet auch, dass offiziell nur einer der Mitarbeiter des Unternehmens wegen einer Coronavirus-Infektion ins Krankenhaus gebracht wurde. Die Gewerkschaften behaupten jedoch, dass diese Zahl inoffiziell höher sein kann.

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Foto: Amazon

Frankreich ist nicht der Einzelfall

Die kontroverse Tätigkeit von Amazon betrifft nicht nur Frankreich. Auch in Polen forderten Mitarbeiter die Schließung der Lagerhäuser. Sie beschwerten sich, dass sich das Unternehmen während der Pandemie nicht genug um ihre Sicherheit kümmerte. Auch in diesem Fall wurden nachdrücklich die Worte der Mitarbeiter von Amazon bestritten.

Arbeitslose sind herzlich eingeladen

In den USA entwickelt Amazon sein Geschäft aufgrund der wachsenden Nachfrage. Im März wurden fast 100.000 neue Arbeitsplätze angekündigt. Diese beeindruckende Zahl erwies sich sogar als unzureichend. Amazon hat gerade mitgeteilt, dass weitere 75.000 Mitarbeiter benötigt werden. Angeboten wird feste und temporäre Beschäftigung. Diese zweite Möglichkeit wird vor allem denjenigen empfohlen, die ihren Arbeitsplatz wegen dem Coronavirus verloren haben.

Wir wissen, dass viele Menschen wirtschaftlich verletzt wurden, insbesondere in solchen Branchen wie Hotelgewerbe, Gastronomie und Tourismus, weil Unternehmen geschlossen oder Arbeitsplätze gestrichen wurden. Wir laden Sie ein, bei Amazon zu arbeiten, bevor sich die Situation wieder normalisiert und Ihre bisherigen Arbeitgeber Mitarbeiter erneut beschäftigen können, so wird Amazon von dem Portal usatoday.com zitiert.

Gleichzeitig weist usatoday.com darauf hin, dass einige Mitarbeiter von Jeff Bezos auch in den USA um einen besseren Schutz vor Coronavirus-Infektionen gebeten haben.

Auch wenn es Tausende neue Mitarbeiter in den Lagerhäusern gibt, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die bestehenden Beschäftigten um ihr Leben fürchten und wütend sind, dass das Unternehmen nicht genug getan hat, um die Gesellschaft vor Erkrankung zu schützen – so Dänemark Rajendra, Präsidentin von Athena, der Koalition von Organisationen, die Mitarbeiter vertreten.

 

Foto: Amazon

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