Für 2026 erwartet Ti nur noch ein Wachstum von 2,5 %. Bis 2030 soll die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei 2,3 % liegen. In nominaler Betrachtung fällt die Abkühlung noch deutlicher aus: 2025 legte der Markt – bei konstant gehaltenen Wechselkursen – nur um 0,5 % zu.
Auch das makroökonomische Umfeld bremst. Der Internationale Währungsfonds rechnet damit, dass das globale BIP-Wachstum in diesem Jahr auf 3,1 % sinkt – belastet durch den Konflikt im Nahen Osten und die damit verbundenen Energieschocks. Die Welthandelsorganisation (WTO) prognostiziert für 2026 nur 1,9 % Wachstum beim Warenhandelsvolumen, nach 4,6 % im Jahr 2025. Für Spediteure wird es damit schwieriger, sich dem Trend zu entziehen.
Seefracht und Luftfracht: zwei Segmente, unterschiedliche Belastungen
In der Seefracht wuchs das Forwarding-Geschäft 2025 um 4,6 %. Treiber waren unter anderem E-Commerce-Mengen, zunehmender internationaler Handel und die Nachfrage nach integrierten, multimodalen Transportketten. Gleichzeitig trifft der Markt inzwischen auf Überkapazitäten auf hohem Niveau. Geopolitische Verwerfungen haben das Problem bislang nur teilweise überdeckt – etwa weil Ladung über längere Routen und alternative Korridore umgeleitet wurde.
Ti geht davon aus, dass das Seefracht-Forwarding 2026 um 2,6 % wächst und bis 2030 auf eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 2,9 % kommt. Damit bleibt die Seefracht im Prognosezeitraum das robustere der beiden großen Forwarding-Segmente. Der Margendruck dürfte den Markt dennoch weiter prägen.
Die Luftfracht verzeichnete 2025 ein Plus von 4,1 %. Impulse kamen unter anderem durch Verlagerungen von der See- auf die Luftfracht, weil sich der Preisabstand zwischen beiden Modi verringerte. Zudem spielten chinesische E-Commerce-Volumina sowie Vorzieheffekte in Richtung USA (vor möglichen Zöllen) eine Rolle.
Für 2026 beschreibt Ti die Lage als deutlich unruhiger. Der Konflikt im Nahen Osten, der Ende Februar begann, habe die globale Luftfrachtkapazität um 22 % reduziert; auf der Relation Asien–Europa sei die Kapazität durch die Region um 39 % gefallen. Spediteure mussten Routen kurzfristig anpassen und Netzwerke rasch neu aufsetzen. Auf längere Sicht bleibt das Wachstum in der Luftfracht laut Ti verhalten: Bis 2030 wird eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 1,6 % erwartet.
Neue Warenströme: Wohin sich die Produktion verlagert
Hinter den Kennzahlen zeigt sich eine strukturelle Verschiebung: Produktionskapazitäten wandern zunehmend aus China ab – vor allem nach Vietnam, Indien, Indonesien und Mexiko. Das verändert die Volumina auf zentralen Handelsrouten und stellt Netzwerke infrage, die viele Spediteure über Jahre entlang China-zentrierter Warenströme aufgebaut haben.
Zusätzlich verschiebt die Übernahme von Schenker durch DSV die Kräfteverhältnisse im Top-Segment. Unterm Strich trifft die Branche damit auf eine seltene Kombination aus nachlassender Nachfrage, Neuordnung von Lieferketten und steigendem Konsolidierungsdruck.
Niki Frank, verantwortlich für Asien-Pazifik bei DHL Global Forwarding, fasst die Erwartungen an 2026 so zusammen: Es werde „ein Jahr sehr unterschiedlicher Realitäten für Verlader – je nach Verkehrsträger, Region und Routing“.









