Das Wichtigste im Überblick
- 18 Insolvenzanträge im ersten Halbjahr 2026 (+200 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum)
- Rettungsquote 2025 auf 42,1 Prozent gestiegen (2024: 16,7 Prozent)
- Sieben von acht Unternehmensrettungen erfolgten über Asset Deals
- Besonders gefragt sind Fahrer, Disponenten, Fuhrpark, Standorte und Kundenbeziehungen
- Falkensteg erwartet eine weitere Konsolidierung des Transportmarktes
Insolvenzen nehmen deutlich zu
Die wirtschaftliche Lage im Straßengüterverkehr bleibt angespannt. Nach Angaben von Falkensteg wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 18 Insolvenzanträge von Speditions- und Transportunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro registriert. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich sechs Verfahren. Damit liegt die Zahl der Insolvenzen 200 Prozent über dem Vorjahreswert und zugleich auf dem höchsten Stand der vergangenen Jahre.
Trotz Krise steigen die Rettungschancen
Auffällig ist jedoch ein gegenläufiger Trend. Während die Zahl der Insolvenzen zunimmt, gelingt die Fortführung insolventer Logistikunternehmen wieder häufiger.
Von den 19 Unternehmen, die 2025 Insolvenz anmeldeten, konnten acht gerettet werden. Das entspricht einer Rettungsquote von 42,1 Prozent. Im Jahr zuvor lag sie lediglich bei 16,7 Prozent, 2023 bei 30 Prozent.
Die höhere Rettungsquote sei jedoch kein Hinweis auf eine Entspannung der Marktlage, betont Falkensteg.
Die höhere Rettungsquote ist kein Zeichen für eine entspannte Branchenlage. Sie zeigt vielmehr, dass Investoren gezielt operative Substanz suchen“, sagt Gunter Fittkau, Partner und Logistikexperte bei Falkensteg.
Asset Deals dominieren die Sanierungen
Der überwiegende Teil der erfolgreichen Sanierungen erfolgte über sogenannte Asset Deals. Dabei werden nicht ganze Unternehmen übernommen, sondern einzelne Vermögenswerte und operative Einheiten.
Von den acht erfolgreichen Sanierungen im Jahr 2025 wurden sieben über diesen Weg umgesetzt. Lediglich ein Unternehmen konnte über einen Insolvenzplan fortgeführt werden.
Für Investoren stehen dabei weniger die Gesellschaften selbst als vielmehr deren betriebliche Ressourcen im Mittelpunkt.
Nach Einschätzung von Falkensteg sind insbesondere qualifizierte Fahrer, Disponenten, erfahrene Mitarbeiter, moderne Fuhrparks, attraktive Standorte und bestehende Kundenbeziehungen gefragt. Gerade in einem Markt mit anhaltendem Fahrermangel lasse sich über eine Unternehmensübernahme deutlich schneller zusätzliche Kapazität aufbauen als durch organisches Wachstum.
Warum immer mehr Unternehmen unter Druck geraten
Als Ursachen für die steigende Zahl der Insolvenzen nennt Falkensteg mehrere Faktoren, die gleichzeitig auf die Unternehmen wirken.
Dazu gehören:
- hohe Fixkosten,
- rückläufige Transportmengen,
- anhaltend niedrige Margen,
- steigende Kosten für Subunternehmer,
- Fahrermangel,
- sowie Verträge, über die Kostensteigerungen häufig nur verzögert an Kunden weitergegeben werden können.
Wer nur auf Dieselpreise schaut, greift zu kurz“, erklärt Fittkau. „Die Krise entsteht durch viele gleichzeitige Belastungen: weniger Volumen bei Kunden, hohe Fixkosten, knappes Fahrpersonal, teurere Subunternehmer und Verträge, die nicht schnell genug auf neue Kostenrealitäten reagieren.“
Auch der Spotmarkt könne diese Entwicklung nur begrenzt auffangen. Zwar ließen sich freie Kapazitäten dort kurzfristig vermarkten, die erzielbaren Frachtraten reichten jedoch häufig nicht aus, um die gestiegenen Kosten zu decken.
Logistik bleibt für Investoren attraktiv
Im Vergleich zu anderen Branchen weist die Logistik trotz der angespannten Marktlage weiterhin eine überdurchschnittlich hohe Rettungsquote auf.
Nach einer branchenübergreifenden Falkensteg-Auswertung wurden 2025 nur noch 32,1 Prozent aller größeren insolventen Unternehmen erfolgreich saniert oder verkauft. Die Logistik liegt mit 42,1 Prozent deutlich darüber und zählt damit neben dem Gesundheitswesen zu den Branchen mit den besten Fortführungschancen.
Der Grund liegt nach Einschätzung der Berater vor allem darin, dass funktionierende Transportkapazitäten derzeit knapp sind und sich nur mit erheblichem Zeitaufwand neu aufbauen lassen.
Konsolidierung dürfte sich fortsetzen
Für den weiteren Jahresverlauf rechnet Falkensteg nicht mit einer Entspannung.
Die Zahl der Insolvenzverfahren dürfte hoch bleiben. Gleichzeitig könnten weitere Unternehmensübernahmen folgen, sofern die betroffenen Betriebe über attraktive operative Strukturen verfügen.
Langfristig könnte die Marktbereinigung auch Auswirkungen auf die Frachtraten haben. Sollten Transportkapazitäten knapper werden, könnten Speditionen höhere Preise und flexiblere Kostenklauseln leichter durchsetzen. Aufgrund der meist langfristigen Vertragslaufzeiten dürfte dieser Effekt jedoch erst mit Verzögerung sichtbar werden.









