Die Anzahl der Fahrer sinkt bei stetig wachsender Nachfrage nach Transportdienstleistungen. Die Engpässe in der Logistikbranche werden immer gravierender – besonders kritisch könnte es dieses Jahr vor Weihnachten werden.

„Viele Unternehmen würden sehr gerne Fahrer einstellen, aber sie können keine Interessenten für offene Stelle finden,” sagt der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius der dpa. Das Problem des Fachkräftemangels betrifft nicht nur Deutschland. Es fehlen auch Fahrer in Polen (ca. 100.000), Frankreich (ca. 15.000), Spanien, Großbritannien oder Österreich. Wenn sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt und das Image der Branche nicht ändern, wird es den Transportunternehmen noch schwerer fallen, offene Stellen zu besetzen. Unternehmer aus der Transportbranche nutzen verschiedene Lösungen, um Mitarbeiter anzuziehen – von Gehaltserhöhungen bis hin zu diversen Profiten, zum Beispiel Anteilen an ihrem Unternehmen oder Sparprogrammen.

Gründe für den Fahrermangel

Der Mangel an Fachkräften im Transportgewerbe in Deutschland, wie in anderen europäischen Ländern, resultiert aus der geringen Attraktivität des Berufs, die durch das schlechte Image des Fahrers, hohe Kosten für den Erwerb von Qualifikationen, relativ geringe Verdienstmöglichkeiten und Arbeitsbelastungen verursacht wird. Zu den letzten zählen Stress, Zeitdruck, Trennung von Familie und Rechtsunsicherheit (immer restriktivere EU und inländische Vorschriften). Zudem fehlt es in der Gesellschaft an Respekt für LKW- Fahrer, obwohl diese eine Schlüsselrolle für die gesamte Wirtschaft und Industrie spielen.

Wer kann 5.000 Euro monatlich rausholen?

Vielleicht wären die Schwierigkeiten, die mit der Arbeit auf Achse verbunden sind, leichter zu ertragen, wenn Kraftfahrer eine angemessene Vergütung für ihren Job erhalten würden. Deutsche Transportunternehmen scheinen dies erkannt zu haben, und werden langsam williger in Personal zu investieren. Die deutsche Zeitschrift „Stern”, die im Rahmen der Artikelserie „Gehaltscheck” Umfragen unter Fahrern durchgeführt hatte, konnte folgende Angaben sammeln: Das Gehalt eines LKW-Fahrers hängt von seiner Erfahrung, seinem Arbeitsplatz und dem Firmensitz ab – lesen wir in der deutschen Zeitschrift. Ein Anfänger wird in der Regel nicht imstande sein mehr als 1.800 Euro rauszuholen. Ein erfahrener LKW-Fahrer, der Gefahrgut im Fernverkehr durchführt, erhält monatlich bis zu 4,5-5 Tausend Euro. So hohe Einnahmen sind jedoch eine Seltenheit und sind wahre Ausnahmen. Nach Angaben des Beratungsunternehmens Compensation Partner belief sich die durchschnittliche Jahresvergütung eines LKW-Fahrers in Deutschland im Jahr 2016 auf 28,7 Tausend Euro (d.h. etwa 2,4 Tausend Euro pro Monat).Zum Vergleich, das Gehalt eines unerfahrenen Reinigers beläuft sich laut „Stern” auf 1,5-2,2 Tausend. Euro.

Gehalt muss angehoben werden

Laut Martin Wolak von der Rekrutierungsplattform TransJobs.eu ist eine Erhöhung des Gehalts der Fahrer unvermeidlich.

Wir können beobachten, was auf dem Arbeitsmarkt in der Transportbranche passiert und wenn die Löhne nicht erhöht werden, kann man keine Wunder erwarten. Ohne Lohnwachstum werden die Fahrer nicht ankommen, insbesondere angesichts der aktuellen niedrigen Arbeitslosigkeit – sagt Martin Wolak. Natürlich wird es am Ende die gesamte Wirtschaft betreffen, weil zusammen mit den Löhnen auch die Transportkosten erhöht werden müssen. Deshalb müssen die Verlader höhere Raten akzeptieren, die es erlauben, die Löhne in der Industrie zu erhöhen.

 

Foto: Pixabay

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