MAN Truck & Bus und Dettendorfer Energy haben dazu die Initiative „Green Brenner“ gestartet. Sie soll den Einsatz von E-Lkw auf einer der wichtigsten Transitachsen über die Alpen beschleunigen.
Nach Angaben der Unternehmen bringt das Projekt Akteure aus Transport, Energie und Infrastruktur zusammen. Ziel ist es, den Brennerkorridor als Modellregion für emissionsfreien Straßengüterverkehr zu entwickeln. MAN betont, es gehe nicht um eine Konkurrenz zur Schiene: Das Vorhaben solle den Schienengüterverkehr ergänzen – insbesondere, solange der Brennerbasistunnel noch nicht in Betrieb ist.
Wie hoch der Handlungsdruck ist, zeigen die Verkehrszahlen. Der Brenner zählt weiterhin zu den am stärksten belasteten Güterverkehrskorridoren im Alpenraum. Nach Angaben der European Climate, Infrastructure and Environment Executive Agency passieren jährlich mehr als 2,5 Millionen Lkw, insgesamt 14 Millionen Fahrzeuge und rund 50 Millionen Tonnen Güter den Pass. Der von der EU mitfinanzierte Brennerbasistunnel soll künftig mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern; die Eröffnung wird derzeit für 2032 erwartet.

MAN Truck & Bus
Bis zu 95 Tonnen CO2 weniger pro Fahrzeug
Nach Berechnungen von MAN kann ein batterieelektrischer Lkw bei einer Jahreslaufleistung von 110.000 Kilometern im Vergleich zu einem Diesel-Lkw rund 95 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Würden täglich 300 E-Lkw den Korridor nutzen, entspräche das laut Unternehmen jährlichen Einsparungen von bis zu 28.000 Tonnen CO2.
Dr. Frederik Zohm, im Vorstand von MAN Truck & Bus für Forschung und Entwicklung zuständig, bezeichnet den Brenner als „Stresstest für den europäischen Güterverkehr“. E-Lkw könnten demnach schon vor Fertigstellung des Tunnels dazu beitragen, die Belastung zu reduzieren.
Neben dem Klimaschutz verweist MAN auf mögliche Vorteile für Anwohner in den Alpentälern. Beim beschleunigten Anfahren seien elektrische Lkw 12,6 dB leiser als vergleichbare Diesel-Fahrzeuge; MAN zufolge wird das subjektiv als etwa halb so laut wahrgenommen. Zudem entfallen lokale Partikelemissionen aus dem Verbrennungsmotor. Durch Rekuperation bergab könne außerdem der Bremsenverschleiß sinken, so der Hersteller.
Energie- und Mautkosten als Hebel
Ein zentraler Baustein der Initiative ist nach Darstellung von MAN die Wirtschaftlichkeit. Bei rund 110.000 Kilometern pro Jahr lägen die Energiekosten von E-Lkw bei aktuellen Dieselpreisen etwa 40 Prozent unter denen von Diesel-Lkw. Auf der Brennerstrecke könnten zudem durch Rekuperation auf Gefällestrecken bis zu rund 40 Prozent der eingesetzten Energie zurückgewonnen werden.
Auch bei der Maut sieht MAN Vorteile: Auf der Brennerroute könne sich ein zusätzlicher Kostenvorteil von rund 80 Prozent ergeben. Über drei Jahre liege der Total Cost of Ownership demnach etwa 20 Prozent unter dem eines vergleichbaren Diesel-Lkw.
Georg Dettendorfer, Geschäftsführer von Dettendorfer Spedition Ferntrans und Dettendorfer Energy, sagt, die Initiative solle zeigen, dass emissionsfreier Transport im Alpenraum nicht nur ein Zukunftsthema sei, sondern schon heute „wirtschaftlich attraktiv“ sein könne.
Dettendorfer Energy ist ein Joint Venture des regionalen Energieversorgers Energie Südbayern und der Dettendorfer Spedition. Das Transportunternehmen betreibt laut MAN rund 240 Sattelzugmaschinen.
Ladeinfrastruktur als Engpass
Wie schnell sich „Green Brenner“ ausweiten lässt, hängt maßgeblich von Ladeinfrastruktur und Netzkapazitäten entlang des Korridors ab. MAN verweist darauf, dass das Projekt auf ersten Praxiserfahrungen aufbaut und gezielt Verkehre adressiert, die sich weder vermeiden noch auf andere Verkehrsträger verlagern lassen.
Der Brenner ist seit Langem Schauplatz politischer Debatten über den Transitverkehr; diskutiert wurden unter anderem digitale Slot-Buchungen für Lkw zur Stausteuerung. Für Speditionen stellt sich im Zusammenhang mit der Initiative vor allem eine praktische Frage: Können E-Lkw auf einer Strecke mit Steigungen, Maut, lokalen Auflagen und hohem politischen Druck zur Emissionsminderung eine praxistaugliche und zugleich wettbewerbsfähige Alternative sein?









