Für Transportunternehmen bedeutet diese gegenläufige Entwicklung: Der Rückgang beim Rohöl spiegelt sich bislang kaum in den Preisen an der Zapfsäule wider. Am 3. August setzte sich der Brent-Rückgang fort; der Preis lag bei etwa 83 US-Dollar je Barrel, gestützt von Hoffnungen auf Gespräche mit dem Iran. Dennoch notiert der Referenzwert weiterhin deutlich über dem Stand vor dem Konflikt.
Nach Einschätzung der IRU spiegeln die Endkundenpreise noch immer den kräftigen Anstieg bei Rohöl und Raffinerieprodukten wider, der Mitte Juli zu beobachten war. Verstärkt wird der Effekt dadurch, dass befristete staatliche Entlastungen auslaufen oder gekürzt werden, die private Haushalte sowie Unternehmen vor dem Preisschock schützen sollten.
In mehreren Ländern endeten diese Entlastungsmaßnahmen bei Kraftstoffen ausgerechnet in einer Phase steigender Zapfsäulenpreise. In Deutschland lief die Senkung der Energiesteuer um 14 Cent je Liter Ende Juni aus. Spanien beendete sowohl die Mehrwertsteuerentlastung für Diesel als auch die Unterstützung über eine professionelle Tankkarte in Höhe von 20 Cent je Liter. In Tschechien wiederum liefen die reduzierte Dieselsteuer und die Deckelung der Kraftstoffmargen am 19. Juli aus. Italien bildet vorerst eine Ausnahme: Dort gilt die Verbrauchsteuersenkung um 14 Cent je Liter weiterhin – sie soll jedoch am 6. August enden.
Niederlande bleiben Spitzenreiter bei den Dieselpreisen
Am teuersten war Diesel in der EU weiterhin in den Niederlanden mit durchschnittlich 2,42 Euro je Liter. Es folgen Dänemark mit 2,34 Euro, Deutschland mit 2,26 Euro, Finnland mit 2,23 Euro sowie Belgien mit 2,23 Euro je Liter.
Am unteren Ende der Skala lag Zypern mit durchschnittlich 1,66 Euro je Liter, gefolgt von Bulgarien mit 1,72 Euro. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten EU-Markt lag der Abstand damit bei rund 76 Cent je Liter – ein relevanter Anreiz für international tätige Unternehmen, Tankstopps auf grenzüberschreitenden Routen gezielt zu planen.
Außerhalb der EU lag der durchschnittliche Dieselpreis im Vereinigten Königreich bei 1,78 Pfund je Liter – rund 26 Prozent über dem Niveau vom 27. Februar.
Zuschläge könnten schneller fallen als die tatsächlichen Kosten
Die zeitliche Verzögerung zwischen Rohöl- und Zapfsäulenpreisen kann zudem zum Problem werden – vor allem für Unternehmen, deren Dieselzuschläge an Rohöl-Benchmarks gekoppelt sind und nicht an die tatsächlichen Dieselpreise. Die IRU fasst es so zusammen:
Unternehmen mit Treibstoffklauseln, die an Rohöl statt an Dieselpreise an der Zapfsäule gekoppelt sind, sollten damit rechnen, dass Zuschläge im kommenden Abrechnungszeitraum schneller sinken als die tatsächlichen Kosten.“
Besonders schwierig ist die Lage für Betriebe, die stark vom Straßengüterverkehr abhängen. Der jüngste Frachtratenindex der IRU zeigte: Die europäischen Kontraktraten stiegen im zweiten Quartal um 3,2 Punkte, während der Spotmarkt um 2,8 Punkte nachgab. Für viele Transportunternehmen schrumpft damit der Spielraum, höhere Kraftstoffkosten an die Kundschaft weiterzugeben.
OPEC+ beschließt weitere Ausweitung der Förderung
Sieben OPEC+-Staaten einigten sich am 2. August darauf, ihr gemeinsames Förderziel ab September um 188.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Damit wird die geplante Rücknahme freiwilliger Kürzungen von insgesamt 1,65 Millionen Barrel pro Tag abgeschlossen, die 2023 eingeführt wurden. Kurzfristig könnte der Effekt jedoch begrenzt bleiben: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist weiterhin gestört, und einige Produzenten fördern nach wie vor unterhalb ihrer erlaubten Quoten.
Der jüngste Brent-Rückgang könnte mittelfristig auch an europäischen Tankstellen für Entlastung sorgen – allerdings reagieren Endkundenpreise üblicherweise verzögert. Zudem könnten weitere auslaufende Steuerentlastungen einen Teil möglicher Großhandelsrückgänge wieder ausgleichen: In Frankreich soll die gezielte Unterstützung für den Straßentransport und andere betroffene Branchen am 31. August enden, während die Energiesteuersenkung in Schweden bis zum 30. September gilt.









