Zentrale Ergebnisse:
- 70 Prozent der westeuropäischen und 71 Prozent der osteuropäischen Unternehmen sagen, dass ihre Kunden die zusätzlichen Kosten der Dekarbonisierung nicht übernehmen wollen.
- Die Preise für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben werden zur größten Hürde: 66 Prozent der Unternehmen in Westeuropa und 78 Prozent in Osteuropa sehen darin ein Problem. Im Vorjahr waren es 49 beziehungsweise 52 Prozent.
- Ein Elektro-Lkw kostet zwei- bis dreimal so viel wie ein vergleichbares Dieselmodell.
- Trotz der hohen Kosten setzen 90 Prozent der westeuropäischen Unternehmen bereits mindestens eine Maßnahme zur Emissionssenkung um.
- 41 Prozent der westeuropäischen Unternehmen nutzen alternative Kraftstoffe, vor allem HVO. 29 Prozent planen Investitionen in batterieelektrische Lkw.
Auftraggeber wollen klimafreundlichen Transport – aber keinen Aufpreis
Die von IRU und Trimble durchgeführte Green-Compact-Erhebung 2026 umfasst mehr als 1.000 Transportunternehmen aus 36 Ländern in Westeuropa, Osteuropa und Australien.
Die Ergebnisse machen deutlich: Kosten sind mittlerweile das größte Hindernis für weitere Emissionssenkungen. Vor einem Jahr lag dieses Thema noch auf Platz zwei hinter der Infrastruktur. Der Anteil der Unternehmen, die bei ihren Kunden keine Bereitschaft erkennen, die zusätzlichen Kosten der Dekarbonisierung zu tragen, beträgt:
- 70 Prozent in Westeuropa,
- 71 Prozent in Osteuropa,
- 67 Prozent in Australien.
Zudem halten 64 Prozent der westeuropäischen und 62 Prozent der osteuropäischen Unternehmen emissionsarme Lösungen schlicht für zu teuer.
Fahrzeugpreise werden zur größten Hürde
In Europa sind die Preise für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zur wichtigsten Barriere für deren Einsatz geworden. In Westeuropa sehen inzwischen 66 Prozent der Unternehmen darin ein Problem – gegenüber 49 Prozent im Vorjahr. In Osteuropa stieg der Anteil von 52 auf 78 Prozent. Nach Angaben der IRU kostet ein Elektro-Lkw derzeit zwei- bis dreimal so viel wie ein vergleichbarer Diesel-Lkw.
Auch die Energieversorgung und die Netzkapazitäten bleiben ein großes Problem, obwohl sie im Hindernis-Ranking auf Platz zwei zurückgefallen sind. Laut IRU gibt es in Europa 1.225 öffentliche Ladepunkte, die für Lkw geeignet sind. Benötigt werden schätzungsweise 50.000 leistungsstarke Ladepunkte. Die Anbindung von Depots ans Stromnetz dauert üblicherweise ein bis zwei Jahre.
Auf die Unternehmen kommen außerdem weitere Kosten zu. Für das EU-Emissionshandelssystem ETS2, das ab 2028 greifen soll, wird ein Preis von etwa 60 Euro pro Tonne CO₂ erwartet. Nach Berechnungen der IRU würde dies die Gesamtbetriebskosten eines Fernverkehrs-Lkw in Frankreich um schätzungsweise 5,5 Prozent erhöhen. CO₂-abhängige Mautsysteme gelten bereits in elf EU-Ländern oder werden dort eingeführt.
Die meisten Unternehmen handeln trotzdem
Trotz der finanziellen Belastungen arbeiten die meisten Unternehmen bereits an einer Verringerung ihrer Emissionen. In Westeuropa setzen 90 Prozent und in Osteuropa 87 Prozent mindestens eine entsprechende Maßnahme um. Besonders verbreitet sind:
- Routenoptimierung – bei 53 Prozent der Unternehmen in Westeuropa und 62 Prozent in Osteuropa,
- Schulungen zum sparsamen Fahren – in beiden Regionen bei jeweils 42 Prozent.
41 Prozent der westeuropäischen Unternehmen verwenden bereits alternative Kraftstoffe. In Osteuropa sind es 14 Prozent. Erneuerbarer Diesel (HVO) ist in allen Regionen die am häufigsten genutzte Variante. In Westeuropa soll der Anteil der Unternehmen, die HVO einsetzen, innerhalb der kommenden fünf Jahre von heute 29 auf 54 Prozent steigen.
Die Investitionspläne für Elektro-Lkw fallen zurückhaltender aus. 29 Prozent der Unternehmen in Westeuropa und 17 Prozent in Osteuropa wollen in batterieelektrische Lkw investieren. Die Unternehmensgröße spielt dabei eine wichtige Rolle: 87 Prozent der Firmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro planen entsprechende Investitionen, bei kleineren Unternehmen sind es 26 Prozent. Bei Unternehmen mit regionalem Verkehr äußern 40 Prozent Investitionsabsichten. Im Fernverkehr sind es 17 Prozent.
Weniger Unternehmen erfassen allerdings ihre tatsächliche Klimawirkung. Nur 43 Prozent der westeuropäischen und 23 Prozent der osteuropäischen Unternehmen berechnen ihre CO₂-Emissionen.
Was den Wandel beschleunigen könnte
Als Maßnahmen mit dem größten Potenzial zur Emissionssenkung nannten Unternehmen in Westeuropa am häufigsten einen von den Kunden bezahlten Aufpreis (37 Prozent), steuerliche Anreize (32 Prozent) und Förderungen (31 Prozent). Nur 22 Prozent setzten auf gesetzliche Vorgaben als wichtigste Maßnahme.
„Regulierung kann die Richtung vorgeben, den Wandel aber nicht allein bewirken“, sagte IRU-Generalsekretär Habib Turki. „Die Dekarbonisierung wird schneller vorankommen, wenn sie sich für Transportunternehmen jeder Größe wirtschaftlich rechnet.“
Auch die Maut beeinflusst die Kosten. In Deutschland verteuerte die Erhöhung der CO₂-abhängigen Maut den Betrieb eines Sattelzugs der Euro-Klasse VI um 83 Prozent. Elektro-Lkw bleiben dagegen bis 2031 von der Maut befreit. Wie trans.info bereits berichtet hat, ist diese Mautbefreiung für Elektro-Lkw befristet.
Die IRU fordert daher bezahlbare Fahrzeuge, einen besseren Zugang zu Energie und Infrastruktur sowie finanzielle Anreize, die den tatsächlichen Bedingungen im Transportgewerbe entsprechen. Die vollständigen Ergebnisse stehen im Bericht zum IRU Green Compact 2026.
Die Kostendiskussion ist nicht neu. Wie trans.info berichtet hat, fordern Lkw-Hersteller eine EU-Garantie für Wasserstoff-Lkw, damit deren Betrieb nicht teurer wird als der von Diesel-Lkw.








