Das Wichtigste im Überblick
- Nettoumsatz steigt im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 6,6 Milliarden Schweizer Franken.
- Das EBIT legt um 11 Prozent auf 381 Millionen Franken zu.
- Der Reingewinn wächst um 10 Prozent auf 276 Millionen Franken.
- Kühne+Nagel erhöht die EBIT-Prognose für 2026 auf 1,35 bis 1,55 Milliarden Franken.
- Die Luftfracht steigert ihr EBIT um 35 Prozent.
- Das europäische Exportgeschäft in der Seefracht bleibt konjunkturbedingt schwach.
Kühne+Nagel hat nach einem starken zweiten Quartal seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr angehoben. Der Schweizer Logistikkonzern erzielte von April bis Juni einen Nettoumsatz von 6,6 Milliarden Schweizer Franken, acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Währungsbereinigt betrug das Wachstum elf Prozent.
Das EBIT stieg nach Unternehmensangaben um elf Prozent auf 381 Millionen Franken, währungsbereinigt um 17 Prozent. Der Reingewinn verbesserte sich um zehn Prozent auf 276 Millionen Franken. Die Conversion Rate, also das Verhältnis von EBIT zu Rohertrag, lag konzernweit bei 17 Prozent.
Für 2026 erwartet Kühne+Nagel nun ein operatives EBIT zwischen 1,35 und 1,55 Milliarden Franken. Die bisherige Prognose hatte bei 1,25 bis 1,40 Milliarden Franken gelegen.
Luftfracht liefert den stärksten Ergebniszuwachs
Wichtigster Ergebnistreiber war die Luftfracht. Der Umsatz des Geschäftsbereichs erhöhte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken. Das EBIT stieg um 35 Prozent auf 154 Millionen Franken, die Conversion Rate erreichte 31 Prozent. Im ersten Halbjahr wickelte Kühne+Nagel ein Luftfrachtvolumen von 1,1 Millionen Tonnen ab.
Nach Angaben des Unternehmens beruht die Entwicklung vor allem auf einer Neuausrichtung des Kundenportfolios und Marktanteilsgewinnen im Technologiesektor. Kühne+Nagel baut dabei insbesondere sein Geschäft mit durchgängigen Logistiklösungen für Cloud- und Rechenzentrumsinfrastruktur aus. Als Beispiel nennt der Konzern den Transport zentraler Cloud-Komponenten für Google von Asien in die USA.
Damit wächst die Bedeutung von Technologiekunden innerhalb des Portfolios. Während klassische Industrieverkehre in einzelnen Märkten unter der schwachen Konjunktur leiden, sorgen Investitionen in Cloud-Infrastruktur und Rechenzentren für margenstärkere, komplexe Transportaufträge.
Seefracht: Marktanteilsgewinne treffen auf schwache Europa-Exporte
In der Seefracht lag der Nettoumsatz im zweiten Quartal bei 2,2 Milliarden Franken, das EBIT bei 140 Millionen Franken. Gegenüber dem Vorjahresquartal ging das EBIT damit um elf Prozent zurück. Die Conversion Rate verbesserte sich jedoch gegenüber dem ersten Quartal um vier Prozentpunkte auf 29 Prozent.
Das Volumen belief sich Ende Juni auf 2,1 Millionen Standardcontainer. Nach Angaben von Kühne+Nagel gewann der Geschäftsbereich Marktanteile auf den Routen von Asien nach Europa und Nordamerika. Zugleich blieb das Exportgeschäft aus Europa konjunkturbedingt schwach. Niedrigere Produktionskosten und Effizienzsteigerungen im Netzwerk hätten einen Teil der Belastungen aufgefangen.
Das Bild fällt damit zweigeteilt aus: Auf den großen Ost-West-Verbindungen baut Kühne+Nagel seine Position aus, während die schwache europäische Industriekonjunktur weiterhin auf den Ausfuhren lastet.
Landverkehre wachsen zweistellig
Auch die Landverkehre legten zu. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 14 Prozent auf 1,0 Milliarde Franken, das EBIT um 29 Prozent auf 36 Millionen Franken.
Laut Kühne+Nagel gewann der Geschäftsbereich in allen Regionen Marktanteile. Einen positiven Beitrag leisteten insbesondere die Zollabwicklungsaktivitäten. Seit dem 1. Mai führt Søren Schmidt die weltweiten Landverkehrsaktivitäten.
Trotz der hohen Wachstumsraten bleibt der Ergebnisbeitrag im Vergleich zu Luft- und Seefracht deutlich kleiner. Der Bereich zeigt jedoch, dass Kühne+Nagel auch in einem verhaltenen europäischen Markt zusätzliches Geschäft gewinnen konnte.
Mehr als 300.000 Quadratmeter für Cloud-Anbieter
In der Kontraktlogistik stieg der Umsatz um zwei Prozent auf 1,2 Milliarden Franken. Das EBIT erhöhte sich um 21 Prozent auf 51 Millionen Franken.
Der Konzern verweist auf mehrere größere Aufträge aus dem Technologiesektor. Die neu hinzukommenden Lagerflächen für Cloud-Anbieter sollen sich insgesamt auf mehr als 300.000 Quadratmeter belaufen.
Damit setzt sich der Trend aus der Luftfracht auch im Lagergeschäft fort: Cloud- und Rechenzentrumsanbieter werden für Kühne+Nagel zu einer wichtigen Kundengruppe, die nicht nur Transportleistungen, sondern auch spezialisierte Lager- und End-to-End-Lösungen nachfragt.
KI soll operative Prozesse beschleunigen
Neben dem Ausbau des Tech-Geschäfts rückt Kühne+Nagel den Einsatz künstlicher Intelligenz stärker in den Mittelpunkt. Vorstandschef Stefan Paul erklärte, das Unternehmen beschleunige die Einführung von KI in der gesamten Organisation. Dazu gehörten die Optimierung operativer Prozesse sowie die Integration von KI-Agenten.
Mit der Optimierung operativer Prozesse bis hin zur Integration von KI-Agenten schaffen wir die Voraussetzungen für messbare Effizienzsteigerungen sowie eine kontinuierliche Verbesserung unserer Servicequalität“, sagte Paul.
Auch das neue IT-Center in Indien soll nach Angaben des Konzerns die technologische Entwicklung und die Effizienz der Gruppe unterstützen. Verwaltungsratspräsident Jörg Wolle führte die höhere Jahresprognose auf das Effizienzprogramm und die operative Entwicklung im ersten Halbjahr zurück.
Für Kühne+Nagel bleibt die Luftfracht damit der stärkste kurzfristige Ergebnistreiber. Zugleich zeigt das Quartal, wie stark sich der Konzern auf Tech-Logistik, Cloud-Infrastruktur und automatisierte Prozesse ausrichtet. Die Schwäche der europäischen Exporte ist dabei weiterhin sichtbar, konnte das Gesamtbild im zweiten Quartal jedoch nicht entscheidend belasten.









