Auf Europa entfielen im Mai 54 % der weltweiten Übernahmen in der Logistikbranche – gemessen am Standort der Zielunternehmen. Das geht aus dem aktuellen M&A-Update von Logisyn Advisors und Transport Intelligence (Ti) hervor. Die meisten Transaktionen verzeichneten die Vereinigten Staaten mit fünf Deals, gefolgt von Deutschland mit vier.
Für das erste Halbjahr 2026 zeichnet der Bericht insgesamt ein lebhafteres Bild als im Vorjahr. Damals hatten Unsicherheiten rund um Zölle sowie schwächere Frachtraten die Aktivität gebremst.
Zu den wichtigsten Vorgängen im Straßengüterverkehr zählt der Einstieg von Waterland Private Equity bei Palletways: Der Investor übernimmt die Mehrheit. Palettennetzwerke bündeln regionale Transportkapazitäten vieler Partner und arbeiten mit gemeinsam genutzten Hauptläufen (Linehaul). Entsprechend genau werden Spediteure sowie Subunternehmer, die solche Netzwerke tragen, beobachten, welche operativen und strategischen Impulse der Eigentümerwechsel bringt.
Kuehne+Nagel stärkt mit der Übernahme von Lohmöller seine Präsenz im nordwestlichen Deutschland. Der Schritt zielt laut Bericht vor allem darauf ab, die Netzabdeckung in der Region zu verdichten und die nationale Distribution zu festigen – weniger darauf, neue Märkte zu erschließen.
Auch im Vereinigten Königreich gab es Bewegung: WS Holdco unter Führung von William Stobart übernahm im Mai Walkers Transport Holdings sowie Madex Logistics. Damit erweitert die Gruppe ihre Abdeckung Richtung Nordengland, ergänzt einen Standort in London und gewinnt zusätzlich Know-how in der internationalen Spedition sowie Anbindung an europäische Netzwerke. Logisyn Advisors und Transport Intelligence ordnen die Transaktionen als Buy-and-build-Strategie ein, mit der eine breit aufgestellte Logistikplattform im Vereinigten Königreich skaliert werden soll.
Spezial- und Projekttransporte im Fokus
Die Übernahme von Rostock Trans durch Bracchi steht für die anhaltende Nachfrage nach spezialisierter Transportkapazität. Der Deal unterstützt laut Bericht Bracchis Ziel, eine größere europäische Plattform für Schwer- und Projekttransporte aufzubauen.
CEVA Logistics wiederum schloss im März die Übernahme der italienischen Fagioli Group ab. Damit erweitert CEVA seine Fähigkeiten in den Bereichen Schwertransport und Heben – in Europa, im asiatisch-pazifischen Raum sowie in Nordamerika. Der Bericht wertet die Transaktion als Hinweis darauf, dass große Logistikunternehmen die Energiewende strategisch einpreisen: Projektladungen und übergroße Transporte gewinnen an Bedeutung, parallel zu Investitionen in Energieinfrastruktur.
Auch Savino Del Bene war in Europa aktiv. Der italienische Spediteur kaufte die in Rotterdam ansässigen Unternehmen Sealogic und Misan, um dort einen Hub mit Schwerpunkt auf Schiffersatzteilen sowie Öl- und Gas-Projektladung aufzubauen. Zusätzlich übernahm Savino Del Bene im Mai Spaniens Grupo Marítima Sureste, um die Position entlang des Korridors Murcia–Almería–Algeciras zu stärken.
Warum der Deal-Markt läuft
Als zentrale Treiber nennt der Bericht die starke Fragmentierung des Marktes, Nachfolgedruck in vielen Unternehmen und verfügbares Kapital. Europas Logistik ist weiterhin von zahlreichen familiengeführten oder mittelgroßen Anbietern geprägt. Für größere Gruppen und Private-Equity-Plattformen sind solche Betriebe attraktive Ziele – insbesondere dann, wenn geografische Reichweite oder Spezialkompetenzen schneller ausgebaut werden sollen, als es organisch möglich wäre.
Ein Beispiel für den Blick internationaler Akteure auf Europa ist die Übernahme von MBS Logistics durch AD Ports Group. Der in Abu Dhabi ansässige Konzern erhält damit über ein Netzwerk mit 26 Standorten Zugang zu Logistikkorridoren in Mitteleuropa sowie zu Handelsrouten zwischen China und dem Westen – und sichert sich strategisch wichtige Strecken.
Zudem gewinnt laut Bericht der Ausbau von Dateninfrastruktur an Einfluss auf Übernahmeentscheidungen. Unternehmen, die bereits für den Einsatz von KI gerüstet sind, könnten dadurch für Käufer zusätzlich an Attraktivität gewinnen.









