DVR (Symbolfoto)

Jeder zweite LKW-Fahrer schaltet Assistenzsysteme ab. Zwischen Sicherheitsgewinn und Praxisfrust

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Assistenzsysteme sollen Leben retten, doch viele LKW-Fahrer nutzen sie nicht konsequent. Eine aktuelle Umfrage zeigt: Zwischen Anspruch und Realität klafft eine deutliche Lücke.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Moderne Fahrerassistenzsysteme gelten als zentraler Baustein für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Doch im Alltag zeigt sich ein anderes Bild: Laut einer Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) nutzt ein Großteil der LKW-Fahrenden diese Systeme nicht durchgehend.

Insgesamt 59 Prozent der Befragten gaben an, Assistenzsysteme zumindest zeitweise zu deaktivieren – davon tun 19 Prozent dies häufig, weitere 40 Prozent gelegentlich.

„Assistenzsysteme sind mehr als bloße Technik – sie sind Schutzengel für alle Verkehrsteilnehmenden“, erklärt DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Wer sie abschaltet, nimmt bewusst ein höheres Risiko in Kauf und gefährdet Menschenleben innerhalb und außerhalb des Fahrerhauses.“

Spurhalteassistent besonders oft abgeschaltet

Am häufigsten betroffen ist der Spurhalteassistent: Rund 56 Prozent der Fahrer nutzen ihn regelmäßig nicht. Dahinter folgen der intelligente Geschwindigkeitsassistent (16 Prozent) und der Abstandsregeltempomat (15 Prozent).

Seltener deaktiviert werden sicherheitskritische Systeme wie der Abbiegeassistent (8 Prozent) oder der Notbremsassistent (5 Prozent), allerdings ebenfalls nicht durchgehend.

Damit zeigt sich: Gerade Systeme, die aktiv ins Fahrverhalten eingreifen oder häufig warnen, werden besonders oft abgeschaltet.

Hauptgrund: fehlende Schulung und Unsicherheit

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage betrifft die Ausbildung: Laut DVR haben rund 32 Prozent der Fahrenden keinerlei Einweisung in die Nutzung der Systeme erhalten. Weitere 45 Prozent wurden lediglich informell durch Kollegen eingewiesen. Nur etwa 24 Prozent haben eine offizielle Schulung durchlaufen.

Diese Defizite spiegeln sich im Umgang mit der Technik wider:

  • 36 Prozent fühlen sich unzureichend informiert,
  • 12 Prozent wissen nicht genau, welche Systeme im Fahrzeug verbaut sind,
  • 22 Prozent empfinden die Technik als unverständlich.

„Nur wer versteht, wie ein System reagiert, kann dessen Schutzwirkung voll ausschöpfen“, so Wirsch.

Unternehmen stünden in der Pflicht, ihre Fahrer entsprechend zu qualifizieren.

Akzeptanz da – aber Alltag überzeugt nicht

Grundsätzlich ist die Haltung gegenüber Assistenzsystemen positiv: Fast 80 Prozent der Befragten halten sie für sinnvoll. Gleichzeitig zeigt die Praxis ein anderes Bild.

Rund 53 Prozent fühlen sich durch Warnungen, Systemeingriffe oder Fehlalarme gestört oder abgelenkt. Knapp 37 Prozent vertrauen den Systemen eher nicht oder gar nicht.

Der DVR sieht hier nicht nur die Fahrer in der Verantwortung. Auch Hersteller müssten nachbessern. Entscheidend seien verständliche Bedienkonzepte, weniger Fehlalarme und eine einheitlichere Systemlogik.

Zwischen Sicherheitsgewinn und Praxisbelastung

Für die Transportbranche zeigt die Umfrage ein bekanntes Spannungsfeld: Technisch sind viele Systeme ausgereift und gesetzlich vorgeschrieben, in der Praxis stoßen sie jedoch auf Akzeptanzprobleme.

Für Unternehmen bedeutet das konkret:

  • Assistenzsysteme sind vorhanden, werden aber nicht konsequent genutzt,
  • Sicherheitsgewinne bleiben teilweise ungenutzt,
  • fehlende Schulung wird zum operativen Risiko.

Der Kern des Problems liegt weniger in der Technik selbst als im Zusammenspiel von Bedienbarkeit, Schulung und Alltagstauglichkeit.

Oder anders gesagt: Die Systeme sind längst im Fahrzeug, aber noch nicht vollständig im Arbeitsalltag angekommen.

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