- Vier Protestschwerpunkte: Die Aktionen konzentrieren sich vor allem auf Kampanien, Kalabrien, Apulien und Sizilien.
- Wichtige Verkehrsachsen betroffen: Beeinträchtigt sind unter anderem die Autobahnen A1 und A30, die SS379 sowie wichtige Verkehrsknotenpunkte im Raum Neapel und Caserta.
- Engpässe bei Kraftstoff: Die Flughäfen von Crotone und Reggio Calabria hatten keinen Flugkraftstoff mehr. Auch Tankstellen hatten zunehmend Probleme mit dem Nachschub.
- Produktion kommt zum Erliegen: Rummo stellte die Herstellung ein, Garofalo stoppte seine Produktionslinien nach dem Ausbleiben von Hartweizengrieß, und La Molisana fuhr den Betrieb deutlich zurück.
- Staat verschärft Vorgehen: Die Behörden sollen Verantwortliche für Straßensperren ermitteln und melden. Für Lkw mit wichtigen Gütern könnten Polizeieskorten organisiert werden.
- Einzelne Blockaden bestehen fort: Transportverbände in Sizilien und Kalabrien haben ihre Aktionen ausgesetzt. Einige Fahrer in Gela wollen den Protest jedoch weiterführen.
- Neue Streikwelle Ende Oktober: Für den 30. Oktober ist ein landesweiter Generalstreik angekündigt. Die Aktionen auf den Autobahnen sollen bereits am 29. Oktober ab 22 Uhr beginnen.
Was als vereinzelter Protest von Transportunternehmen gegen hohe Dieselpreise begann, breitete sich rasch über weite Teile Süditaliens aus. In Kampanien stellten Lkw-Fahrer ihre Fahrzeuge nahe wichtigen Autobahnanschlüssen und Logistikzentren rund um Neapel und Caserta auf. Betroffen waren unter anderem die A1 zwischen Mailand und Neapel sowie die A30 zwischen Caserta und Salerno.
Rund um Nola, Caserta Sud, Santa Maria Capua Vetere und Caianello sowie am Güterverkehrszentrum Maddaloni-Marcianise kam es zu Behinderungen. An einigen Stellen bildeten sich kilometerlange Rückstaus.
Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete am 22. Oktober, die Regierung wolle härter gegen die Blockaden vorgehen. Innenminister Matteo Piantedosi wies Präfekten und Polizeichefs an, die Lage zu überwachen und gegen illegale Straßensperren einzuschreiten. Zugleich warnten die Behörden davor, dass kriminelle Gruppen die Proteste ausnutzen könnten.
Die Regierung will zudem die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern sicherstellen. Transportunternehmen, die trotz der Blockaden weiterfahren wollen, können eine Polizeieskorte beantragen.
Nach von ANSA zitierten Angaben waren bereits rund 500 Lkw zwischen Neapel und dem Umland mit Polizeibegleitung unterwegs.
Die Bürgermeister von Neapel und Bari warnten unterdessen, weitere Einschränkungen bei der Belieferung könnten den Betrieb in beiden Städten erheblich beeinträchtigen.
Nola bleibt standhaft! Der Streik der Lkw-Fahrer geht weiter.
Vor einer halben Stunde aufgenommen
— Vincenzo Tolli (@TolliVincenzo) 22. Oktober 2026
Zwei Flughäfen ohne Flugkraftstoff
Besonders deutlich zeigten sich die Folgen bei der Versorgung der Flughäfen. Die Flughäfen von Crotone und Reggio Calabria hatten keinen Jet-A-1-Kraftstoff mehr. Daraufhin wurden NOTAM-Meldungen veröffentlicht, in denen Flugbesatzungen aufgefordert wurden, ihre Treibstoffreserven für die Ankunft entsprechend zu planen.
Die Auswirkungen beschränkten sich jedoch nicht auf den Luftverkehr. Aus mehreren Regionen im Süden wurden leere Zapfsäulen und lange Warteschlangen an Tankstellen gemeldet. Auch im Einzelhandel zeichneten sich erste Versorgungsengpässe ab.
Leere Regale und Lieferprobleme in Städten des Südens
In Kampanien, Kalabrien, Apulien und Sizilien wurde es schwieriger, frische Lebensmittel zu beschaffen – vor allem Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukte. Die Blockaden behinderten sowohl die Belieferung von Geschäften als auch die Abholung von Waren bei den Herstellern. Produkte, die normalerweise nahezu ohne Unterbrechung aus den Lagern abtransportiert werden, stauten sich dort zunehmend.
Die Lage war so angespannt, dass ANSA von einem knapper werdenden Warenangebot auf den Märkten berichtete. Unternehmen bereiteten sich demnach darauf vor, ihre Aktivitäten einzuschränken oder vorübergehend einzustellen.
Die Lkw-Blockaden breiten sich aus, und die Regierung verschärft ihr Vorgehen. Eine Unterstützungsmaßnahme wird erwartet, während Polizeieskorten für Lkw geplant werden. In der Zwischenzeit sind die Regale auf Märkten und in Supermärkten im Süden teilweise leer. Unternehmen drohen mit einer Schließung. Die Bürgermeister von Neapel und Bari warnen vor einer möglichen Lähmung ihrer Städte. #ANSA https://t.co/P2IJvFnZeD
— Agenzia ANSA (@Agenzia_Ansa) 22. Oktober 2026
Rummo und Garofalo stoppen die Pastaproduktion
An der Pastaindustrie zeigte sich besonders deutlich, wie schnell blockierte Transporte die Fertigung beeinträchtigen können. Pastificio Rummo in Benevento stellte die Produktion ein, weil Lkw und Tankfahrzeuge mit benötigten Rohstoffen das Werk nicht mehr erreichten.
Auch aus Gragnano nahe Neapel wurden Probleme gemeldet. Pastificio Garofalo legte seine Produktionslinien still, nachdem Lieferungen von Hartweizengrieß aus Apulien ausgeblieben waren.
🇮🇹 Ein Streik von Lkw-Fahrern bringt die italienische Pastaproduktion in Gefahr. Viele Fabriken arbeiten nur noch eingeschränkt oder stehen nahezu still.
Hier gibt es die neuesten Informationen zur Lage: https://t.co/6qZdDr4ket
— Marina Wolf (@volkova_ma57183) 22. Oktober 2026
La Molisana in Campobasso musste den Betrieb nicht vollständig einstellen, reduzierte die Produktion jedoch deutlich und griff auf vorhandene Lagerbestände zurück.
Die drei Beispiele zeigen, dass die Folgen über fehlende Rohstoffe hinausgehen. Wenn Straßen blockiert sind, können Fabriken fertige Paletten nicht abholen lassen und bekommen zunehmend Schwierigkeiten, Lagerflächen freizuhalten.
Sizilien setzt den Protest aus, in Gela geht er weiter
Die Lage wird dadurch erschwert, dass die Proteste keine einheitliche Führung haben.
Transportverbände in Sizilien kündigten an, ihre Mobilisierung vorerst auszusetzen, und begannen, einzelne Blockaden abzubauen. Kalabrien fasste anschließend einen ähnlichen Beschluss.
Damit ist die Aktion jedoch nicht überall beendet.
In Gela auf Sizilien halten einige Transportunternehmen den Protest weiter aufrecht. Dutzende Lkw stehen weiterhin an einem Kreisverkehr an der SS117 zwischen Gela und Catania.
Die Demonstranten argumentieren, die bislang erzielten Vereinbarungen lösten die Probleme der Branche nicht. Die angekündigten Maßnahmen seien bereits früher versprochen worden, während die Dieselpreise weiterhin hoch seien. Gefordert seien konkrete Ergebnisse statt weiterer Zusicherungen.
Für Fahrer mit Ziel Sizilien ist dieser Unterschied entscheidend: Die formelle Entscheidung der Verbände, den Protest auszusetzen, bedeutet nicht automatisch, dass jede lokale Blockade beseitigt wurde.
Regierung plant Hilfspaket für Transport und Landwirtschaft
Neben den polizeilichen Maßnahmen arbeitet die italienische Regierung an einem Hilfspaket für den Straßengüterverkehr. Nach Angaben von ANSA soll der Entwurf Maßnahmen für die Transportbranche mit Unterstützung für die Landwirtschaft verbinden. Der Ministerrat sollte das Dokument am 22. Oktober beraten.
Zuvor hatte die Regierung zugesagt, bereits bewilligte Mittel für Transportunternehmen schneller auszuzahlen und die Gespräche über die Kraftstoffkosten fortzusetzen. Das nächste Treffen zwischen Branchenvertretern und dem Ministerium für Infrastruktur und Verkehr ist für den 27. Oktober angesetzt.
Weitere Behinderungen auf der A1 am 27. Oktober erwartet
Unabhängig von den aktuellen Protesten steht Italien Ende Oktober vor weiteren Arbeitskampfmaßnahmen. Am 27. Oktober wollen Beschäftigte im Brandschutz auf der A1 zwischen Incisa und Sasso Marconi streiken.
Die Arbeitsniederlegung ist von 8 bis 12 Uhr sowie von 20 Uhr bis Mitternacht geplant. Da die Betreiber weiterhin die vorgeschriebenen Sicherheitsstandards gewährleisten müssen, kann es zu organisatorischen Einschränkungen und langsamerem Verkehr kommen.
29. und 30. Oktober: Generalstreik trifft Transport und Logistik
Noch größere Störungen könnten wenige Tage später folgen. Für den 30. Oktober ist ein landesweiter Generalstreik im öffentlichen und privaten Sektor angekündigt.
Für Transportunternehmen gilt folgender Zeitplan:
- Schienenverkehr – von Donnerstag, 29. Oktober, 21 Uhr, bis Freitag, 30. Oktober, 20.59 Uhr;
- Autobahnen – ab Donnerstag, 29. Oktober, 22 Uhr;
- Luftverkehr – am gesamten 30. Oktober;
- Logistik und Güterverkehr – am gesamten 30. Oktober. Die genaue Ausgestaltung kann je nach Region unterschiedlich sein.
Auch wenn die aktuellen Blockaden in den kommenden Tagen vollständig enden sollten, müssen sich Verkehrsunternehmen Ende Oktober auf weitere Beeinträchtigungen im italienischen Verkehrsnetz einstellen.
So lassen sich Fahrten durch Italien besser planen
Nicht davon ausgehen, dass alle Blockaden aufgehoben sind. Das gilt insbesondere für Kampanien und für Gebiete mit lokalen Aktionen wie Gela auf Sizilien.
Vor der Anfahrt in die betroffenen Regionen die Verkehrslage auf A1 und A30 prüfen. Die größten Probleme wurden zuletzt rund um Neapel, Caserta und Nola gemeldet.
Für Tankstopps im Süden zusätzliche Zeit einplanen. Lokale Lieferprobleme können noch andauern, nachdem die Straßen wieder frei sind und sich die Verteilungsnetze erst normalisieren müssen.
Besonders auf den 27. sowie den 29. und 30. Oktober achten. Am ersten Termin können auf einem bestimmten Abschnitt der A1 Behinderungen auftreten. Der Generalstreik Ende des Monats dürfte Autobahnen, Logistik, Schienen- und Luftverkehr gleichzeitig betreffen.
Die vergangenen Tage haben gezeigt, wie stark der Süden Italiens vom Straßengüterverkehr abhängt. Bereits wenige Tage mit eingeschränktem Lkw-Verkehr reichten aus, um Kraftstofflieferungen, die Versorgung von Geschäften, die industrielle Produktion und den Flugbetrieb zu beeinträchtigen.









