Das Wichtigste im Überblick:
- Laut Falkensteg sank die Zahl der Logistikinsolvenzen im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 9 Prozent auf 121 Fälle.
- Die Zahl der Großinsolvenzen in der Branche blieb mit sieben Fällen auf hohem Niveau.
- Destatis weist für „Verkehr und Lagerei“ weiterhin die höchste Insolvenzhäufigkeit aller Wirtschaftsbereiche in Deutschland aus.
- Branchenexperten erwarten trotz des leichten Rückgangs keine schnelle Entspannung und rechnen 2026 mit weiteren Marktaustritten.
Die wirtschaftliche Lage der Transport- und Logistikbranche bleibt angespannt. Zwar verzeichnete die Branche im ersten Quartal 2026 weniger Insolvenzen als im Vorquartal, gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass Logistikunternehmen weiterhin zu den am stärksten gefährdeten Unternehmen in Deutschland zählen.
Darauf deuten sowohl der aktuelle Insolvenzreport der Transformationsberatung Falkensteg als auch die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hin. Beide Datensätze erfassen unterschiedliche Zeiträume und Methoden, zeichnen jedoch ein ähnliches Bild: Die Branche steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck.
Leichter Rückgang bei Logistik-Insolvenzen
Laut dem Falkensteg-Insolvenzreport sank die Zahl der Insolvenzen in der Transportlogistik im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal von 133 auf 121 Fälle. Das entspricht einem Rückgang um neun Prozent. Gleichzeitig blieb die Zahl der Großinsolvenzen von Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz unverändert bei sieben Fällen.
„Die Zahlen bedeuten jedoch keine Entwarnung für die Branche, denn beide Werte liegen auf einem hohen Niveau”, warnt Falkensteg-Partner Gunter Fittkau.
Nach Angaben der Unternehmensberatung liegt die Zahl der Großinsolvenzen weiterhin etwa doppelt so hoch wie im Dreijahresdurchschnitt. Auch die Gesamtzahl der Insolvenzen bewegt sich noch über dem langfristigen Mittel.
Verkehr und Lagerei weiterhin an der Spitze
Ein ähnliches Bild zeigt die amtliche Insolvenzstatistik.
Wie Destatis mitteilt, registrierten die deutschen Amtsgerichte im Februar 2026 insgesamt 2.053 Unternehmensinsolvenzen. Das waren 0,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
Besonders bemerkenswert: Bezogen auf 10.000 Unternehmen verzeichnete der Wirtschaftsbereich „Verkehr und Lagerei“ mit 11,1 Insolvenzen die höchste Insolvenzhäufigkeit aller Branchen. Dahinter folgten das Gastgewerbe mit 9,7 sowie das Baugewerbe mit 8,8 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.
Der Wirtschaftsbereich Verkehr und Lagerei weist damit laut Destatis weiterhin die höchste Insolvenzquote aller Wirtschaftszweige in Deutschland auf.
Kostenbelastung bleibt hoch
Als zentrale Belastungsfaktoren nennt Falkensteg eine Kombination aus steigenden Dieselpreisen, höheren Personalkosten, zusätzlichen CO₂-Kosten und anhaltendem Margendruck. Besonders problematisch seien langfristige Festpreisverträge ohne Preisindexklauseln.
„Wer sich heute noch auf Festpreisverträge ohne Indexklausel einlässt, handelt unternehmerisch fahrlässig“, erklärt Falkensteg-Partner Gunter Fittkau.
Hinzu kommt die weiterhin schwache Industriekonjunktur. Viele Speditionen berichten von niedrigen Frachtraten, während Betriebskosten und Finanzierungskosten auf zahlreichen Relationen steigen.
Prominente Insolvenzen prägen das Marktbild
Dass die Branche weiterhin unter Druck steht, zeigen mehrere bekannte Insolvenzen der vergangenen Monate.
So meldete die Traditionsspedition Betz International Insolvenz an und befindet sich derzeit in einem Sanierungsverfahren. Auch der intermodale Bahnoperator Helrom musste nach einer erst Anfang 2026 abgeschlossenen Sanierung erneut Insolvenz anmelden.
Die Fälle verdeutlichen, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten längst nicht mehr nur kleinere Unternehmen betreffen. Auch etablierte Marktteilnehmer und innovative Logistikanbieter geraten zunehmend unter Druck.
Experten erwarten keine schnelle Trendwende
Für die kommenden Monate rechnen Branchenbeobachter nicht mit einer nachhaltigen Entspannung.
Der Kreditversicherer Atradius erwartet für 2026 einen weiteren Anstieg der Insolvenzen in der Transport- und Logistikbranche. Als zusätzliche Belastungsfaktoren nennt das Unternehmen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, hohe Energiepreise und steigende Betriebskosten.
Nach Einschätzung von Atradius geraten insbesondere kleine und mittelständische Speditionen zunehmend unter Druck. Kraftstoffkosten müssten unmittelbar bezahlt werden, während Kundenrechnungen häufig erst Wochen später beglichen würden. Gleichzeitig bewegten sich die Gewinnmargen vieler Unternehmen weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.
Auch Falkensteg erwartet keine kurzfristige Trendwende. Die Zahl der Großinsolvenzen dürfte nach Einschätzung der Beratung 2026 auf hohem Niveau bleiben. Bei kleinen und mittleren Unternehmen rechnen die Experten sogar mit einer weiteren Zunahme der Pleiten. Besonders gefährdet seien Betriebe, die weder ihre Vertragsstrukturen anpassen noch ihre Kundenbasis ausreichend diversifizieren.
Konsolidierung dürfte weitergehen
Die aktuellen Zahlen sprechen damit weniger für eine Entspannung als vielmehr für eine fortschreitende Konsolidierung des Marktes.
Zwar ist die Zahl der Logistikinsolvenzen im ersten Quartal leicht zurückgegangen. Gleichzeitig zeigen sowohl die Falkensteg-Daten als auch die Destatis-Statistik, dass die Transport- und Logistikbranche weiterhin zu den wirtschaftlich anfälligsten Bereichen Deutschlands zählt.
Ob sich die Lage im weiteren Jahresverlauf stabilisiert, dürfte maßgeblich von der Entwicklung der Energiepreise, der Industriekonjunktur und der Fähigkeit vieler Unternehmen abhängen, steigende Kosten künftig konsequenter an ihre Auftraggeber weiterzugeben.









