Für die Spedition Betz International beginnt am 1. Juni die nächste Phase ihrer Sanierung. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wechselt das Unternehmen aus Sonnenbühl in Baden-Württemberg in einen strukturierten Restrukturierungsprozess.
Nach Angaben der Geschäftsführung werden derzeit Gespräche mit potenziellen Investoren geführt. Das Interesse am Unternehmen und an einer Fortführung des Geschäftsbetriebs sei vorhanden, heißt es in einer Mitteilung.
Ziel bleibe es, den Geschäftsbetrieb fortzuführen, Arbeitsplätze zu sichern und bestehende Kunden- sowie Lieferantenbeziehungen zu erhalten.
Insolvenz trotz laufendem Geschäft
Bemerkenswert ist vor allem, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten offenbar nicht auf fehlende Aufträge zurückzuführen sind.
Geschäftsführer Sven Hess hatte bereits im April gegenüber regionalen Medien erklärt, die Auftragslage sei weiterhin gut. Nach Angaben des Reutlinger General-Anzeigers waren zu diesem Zeitpunkt noch rund 72 Fahrzeuge für das Unternehmen im Einsatz.
Die Insolvenz sei vielmehr die Folge einer Kombination aus schwacher Konjunktur, intensivem Wettbewerb und stark gestiegenen Kosten im Transportgeschäft.
Bereits bei der Antragstellung Anfang April hatte das Unternehmen erklärt, auf eine „Kombination aus konjunktureller Schwäche und beispielloser Kostenexplosion im Logistiksektor“ reagieren zu müssen.
Rainer Bisinger, Geschäftsführer der Willi-Betz-Gruppe, erklärte damals:
„Umfassende interne Optimierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen konnten diese massiven Belastungen nicht mehr auffangen.“
Kein Einzelfall in der Transportbranche
Der Fall Betz steht exemplarisch für die angespannte Lage vieler Transportunternehmen in Deutschland und Europa.
Steigende Energie- und Personalkosten treffen auf einen weiterhin harten Preiswettbewerb. Gleichzeitig bleibt die Industriekonjunktur in vielen Bereichen schwach. Selbst Unternehmen mit ausreichender Auslastung geraten dadurch zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.
Bereits im Frühjahr hatte der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) vor einer Verschärfung der wirtschaftlichen Situation in der Branche gewarnt. BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt berichtete damals von einer „enormen Sorge um die wirtschaftliche Lage und die Existenz“ vieler Transportunternehmen.
Die Insolvenz von Betz ist dabei kein Einzelfall. Nach Angaben der Restrukturierungsberatung Falkensteg bewegt sich die Zahl der Insolvenzen in der Transport- und Logistikbranche weiterhin auf einem hohen Niveau. Besonders größere Unternehmen stehen durch steigende Betriebskosten, schwache Konjunktur und anhaltenden Margendruck unter Druck.
Mehr zum Thema: Traditionsspeditionen insolvent: Betz-Pleite zeigt strukturelle Schwächen im deutschen Transportmarkt
Von 8.000 Beschäftigten zur Restrukturierung
Die Geschichte der Unternehmensgruppe reicht bis ins Jahr 1945 zurück. Gründer Willi Betz baute das Unternehmen über Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Namen im europäischen Straßengüterverkehr aus.
Zeitweise war die Gruppe in 25 Ländern aktiv, beschäftigte rund 8.000 Mitarbeiter und erzielte einen Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 markierte einen Wendepunkt. In den folgenden Jahren verlor die Unternehmensgruppe schrittweise an Größe und Marktpräsenz. Die aktuelle Insolvenz betrifft ausschließlich die Betz International GmbH, nicht jedoch die übrigen Gesellschaften der Gruppe.
Derzeit sind nach Unternehmensangaben rund 140 Beschäftigte von dem Verfahren betroffen.
Die nächsten Monate werden entscheidend
Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens beginnt nun die entscheidende Phase der Sanierung. Ob eine Fortführung gelingt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob ein Investor gefunden wird und unter welchen Bedingungen eine Restrukturierung möglich ist.
Anders als bei vielen Insolvenzen der vergangenen Monate laufen die Transporte jedoch weiter. Kundenaufträge werden abgewickelt und die Suche nach Investoren läuft.
Der Fall Betz zeigt damit ein Problem, das viele Transportunternehmen derzeit beschäftigt: Selbst eine stabile Auftragslage schützt nicht automatisch vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wenn Kosten und Margen dauerhaft auseinanderlaufen.









