Das Wichtigste im Überblick:
- Für Helrom wurde am 26. Mai ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet.
- Eine Fortführung des Unternehmens gilt derzeit als nicht realistisch.
- Der operative Geschäftsbetrieb war bereits vor dem Insolvenzantrag eingestellt worden.
- Die vorhandenen Vermögenswerte sollen nun geordnet verwertet werden.
- Erst Anfang 2026 hatte Helrom nach einer Sanierung neue Verbindungen und Wachstumspläne vorgestellt.
Nur wenige Monate nach dem Neustart steht Helrom erneut vor dem Aus. Für die Frankfurter Helrom GmbH hat das Amtsgericht Frankfurt am Main am 26. Mai 2026 die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde erneut Rechtsanwalt Thomas Rittmeister von Reimer Rechtsanwälte bestellt.
Wie aus einer aktuellen Mitteilung hervorgeht, war der operative Geschäftsbetrieb bereits vor Stellung des Insolvenzantrags eingestellt worden. Nach Prüfung der wirtschaftlichen Situation bestehe derzeit keine tragfähige Fortführungsperspektive. Im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens werde deshalb die geordnete Verwertung der vorhandenen Vermögenswerte vorbereitet.
Ziel sei es, die Interessen der Gläubiger bestmöglich zu wahren und die weiteren Schritte des Verfahrens geordnet umzusetzen.
Schnelles Ende nach dem Neustart
Die Entwicklung kommt überraschend. Erst Anfang 2026 hatte Helrom den Abschluss seines vorherigen Insolvenzverfahrens bekanntgegeben und gleichzeitig neue Wachstumsimpulse angekündigt.
Im Februar startete das Unternehmen einen neuen Shuttleverkehr zwischen Düsseldorf und dem rumänischen Arad. Bereits zuvor war eine Verbindung zwischen Düsseldorf und Kattowitz in Polen aufgenommen worden.
Mit seinem Geschäftsmodell verfolgte Helrom das Ziel, Sattelauflieger ohne Zugmaschine auf längeren Distanzen auf die Schiene zu verlagern. Dafür entwickelte das Unternehmen spezielle Waggons, die eine horizontale Verladung von Standardaufliegern ermöglichen und damit den Umschlag ohne Krantechnik vereinfachen sollen.
Die neuen Verbindungen galten als Zeichen dafür, dass das Unternehmen nach der Sanierung wieder auf Wachstumskurs einschwenken wollte.
Vom Sanierungsfall zum erneuten Insolvenzantrag
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund des erst im Januar 2026 erfolgreich abgeschlossenen Sanierungsverfahrens.
Damals hatte die Gläubigerversammlung dem von Insolvenzverwalter Thomas Rittmeister vorgelegten Insolvenzplan zugestimmt. Das Amtsgericht Frankfurt am Main bestätigte den Plan rechtskräftig und ebnete damit den Weg für die Fortführung des Unternehmens.
Im Zuge der Sanierung übernahm die Investorengruppe HRG sämtliche Geschäftsanteile und stellte zusätzliches Kapital bereit. Nach Angaben des Insolvenzverwalters wurde Helrom neu kapitalisiert sowie gesellschaftsrechtlich und operativ neu aufgestellt. Auch bestehende Finanzierungspartner, darunter The Greenbrier Companies, Deutsche Leasing Finance und Société Générale, unterstützten das Unternehmen weiterhin.
Rittmeister sprach damals von einem gelungenen Sanierungsprozess. Helrom sei finanziell stabilisiert worden und verfüge über eine tragfähige Perspektive für die Zukunft, hieß es seinerzeit.
Umso überraschender kommt nun die erneute Insolvenz nur wenige Monate später.
Was der Markt verliert
Mit Helrom verschwindet vorerst ein Anbieter, der sich auf den Transport nicht kranbarer Sattelauflieger spezialisiert hatte. Das Konzept galt als möglicher Baustein für die Verlagerung von Langstreckentransporten von der Straße auf die Schiene – insbesondere auf internationalen Relationen zwischen West-, Mittel- und Südosteuropa.
Die Idee dahinter: Standardauflieger sollten ohne spezielle Umschlagtechnik direkt auf die Schiene gebracht werden können. Dadurch wollte Helrom den Zugang zum Kombinierten Verkehr vereinfachen und zusätzliche Verkehre von der Straße auf die Bahn verlagern.
Der Fall zeigt zugleich die Herausforderungen vieler innovativer Schienenlogistik-Projekte. Trotz politischer Zielsetzungen zur Verkehrsverlagerung bleiben hohe Investitionen, lange Anlaufzeiten neuer Verbindungen und ein anspruchsvolles Finanzierungsumfeld erhebliche Risiken für junge Marktteilnehmer.
Wie geht es nun weiter?
Der vorläufige Insolvenzverwalter bereitet derzeit die Verwertung der vorhandenen Vermögenswerte vor. Ob einzelne Technologien, Waggons, Verbindungen oder Geschäftsteile von Investoren übernommen werden, ist derzeit offen.
Forderungen können laut Unternehmen erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Ein entsprechender Termin wurde bislang noch nicht bekanntgegeben.
Warum die Sanierung letztlich nicht zu einer dauerhaften Stabilisierung geführt hat, ist derzeit öffentlich nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass innerhalb weniger Monate aus einem als erfolgreich abgeschlossenen Restrukturierungsverfahren erneut ein Insolvenzfall geworden ist.
Für Verlader und Speditionen bedeutet dies vorerst den Verlust eines weiteren Anbieters im Kombinierten Verkehr. Ob Teile des Geschäftsmodells künftig unter einem neuen Eigentümer fortgeführt werden können, dürfte sich erst im weiteren Verlauf des Verfahrens zeigen.









