Laut dem Juli-Bericht 2026 von Logisyn Advisors und Transport Intelligence entfielen auf Europa 14 der insgesamt 33 erfassten Übernahmen in der globalen Logistikbranche. Das entsprach 42 % aller Transaktionen und damit exakt dem Anteil Nordamerikas.
Der Bericht zeigt zugleich, dass sich die Motive hinter den Transaktionen verändern. Käufer suchen zunehmend den schnellen Zugang zu vollständigen Servicenetzwerken, digitalen Lösungen und spezialisiertem Know-how – insbesondere im E-Commerce und in der Kontraktlogistik.
Früher ließen sich Übernahmen häufig mit Kostenvorteilen, zusätzlicher Größe oder einem höheren Marktanteil begründen. Heute geht es immer öfter um einen schnellen Marktzugang.
Der Aufbau eigener Zollabteilungen, Retourennetzwerke oder Plattformen für die Zustellung auf der letzten Meile kann viele Jahre dauern. Mit der Übernahme eines etablierten Anbieters lassen sich Infrastruktur, Kundenstamm und lokale Marktkenntnis deutlich schneller erschließen.
CMA CGM baut das Logistikgeschäft weiter aus
Die größte im Bericht erfasste Logistiktransaktion mit europäischer Käuferbeteiligung ist die von CMA CGM vereinbarte Übernahme von FedEx Supply Chain. Der Unternehmenswert der Transaktion beträgt 1,4 Milliarden US-Dollar. Obwohl das Zielunternehmen in Nordamerika ansässig ist, unterstreicht die Übernahme die internationale Expansionsstrategie der französischen Schifffahrts- und Logistikgruppe.
Die Vermögenswerte von FedEx Supply Chain sowie fast 10.000 Beschäftigte sollen in die CMA-CGM-Tochter CEVA Logistics integriert werden. Dadurch dürfte sich das nordamerikanische Geschäft von CEVA in der Kontraktlogistik nahezu verdreifachen.
Nach dem Abschluss würde CEVA in der Region rund 150 Lagerstandorte betreiben. Die Zahl der Beschäftigten in Nordamerika würde auf etwa 20.000 an mehr als 240 Standorten steigen.
Die Vereinbarung umfasst außerdem Aktivitäten außerhalb der Lagerlogistik. CMA CGM und FedEx planen mehrjährige Vereinbarungen für See- und Luftfracht. CMA CGM soll dabei zum bevorzugten, jedoch nicht exklusiven Seefrachtanbieter von FedEx werden.
CEVA stärkt die Zustellung in Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel
Auch auf dem europäischen Heimatmarkt baut CEVA sein Geschäft aus – über die Tochtergesellschaft Colis Privé. Am 3. August wurde die Übernahme von Paack Iberia und Paack France abgeschlossen. Die entsprechenden Vereinbarungen waren bereits im Juli-Bericht zu den M&A-Aktivitäten berücksichtigt worden.
Colis Privé erhält damit unmittelbaren Zugang zu den Märkten in Spanien und Portugal und kann zugleich sein bestehendes französisches Zustellnetz ausbauen. Rund 490 Beschäftigte von Paack wechseln zu Colis Privé.
Paack bringt 82 Standorte auf der Iberischen Halbinsel in die Transaktion ein. Dazu gehören 21 Hubs und Cross-Dock-Anlagen, 61 Partner-Verteilzentren sowie mehr als 5.000 aktive Abholstellen. Zusätzlich werden sechs französische Standorte in das nationale Netz von Colis Privé integriert.
Mit der Übernahme erhält CEVA neben der geografischen Reichweite auch Paacks Technologie für Tourenplanung, Sendungsverfolgung, Zeitfenstermanagement und Routenoptimierung. Der Deal verbindet damit den schnellen Markteintritt mit den technischen Fähigkeiten, die für ein europaweites Zustellnetz auf der letzten Meile erforderlich sind.
FM Logistic erschließt Deutschland mit Schäflein
Eine vergleichbare Strategie verfolgt FM Logistic mit der geplanten Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung an Schäflein. Für den französischen Logistikkonzern bedeutet die Transaktion den ersten direkten Zugang zum deutschen Markt, den beide Unternehmen als Europas größten Logistikmarkt bezeichnen.
FM Logistic geht es nach eigenen Angaben nicht allein um zusätzliche Kapazitäten. Schäflein verfügt über Erfahrung in der Industrielogistik und der Lagerautomatisierung, unter anderem durch die Einheit LOCIT, sowie über Know-how im Management von Mehrwegbehältern.
Knapp 40 % des Umsatzes von Schäflein entfallen auf Industriekunden, weitere 27 % auf den Mobilitätssektor. Das Transportnetz einschließlich des Hubs in Röthlein soll FM Logistic zudem dabei helfen, weitere bestehende europäische Frachtströme miteinander zu verbinden.
Die Marke Schäflein und das Managementteam sollen voraussichtlich erhalten bleiben. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, einschließlich der Freigabe durch das Bundeskartellamt.
DHL übernimmt etabliertes Paketnetz im Baltikum
DHL vereinbarte Ende Juli die Übernahme von Venipak. DHL eCommerce würde damit die vollständige Kontrolle über die Aktivitäten von Venipak in Litauen, Lettland und Estland übernehmen. Venipak betreibt rund 800 Paketautomaten, ein dichtes Netz an Abholstellen sowie nationale Zustelldienste für Geschäftskunden und Privatkunden.
Statt ein eigenes Paketnetz im Baltikum von Grund auf aufzubauen, übernimmt DHL damit eine etablierte lokale Marke samt Infrastruktur und Belegschaft. Venipak soll seinen Namen behalten und zugleich Zugang zum internationalen DHL-Netzwerk sowie zu mehr als 165.000 Zustellpunkten außerhalb seines Heimatmarktes erhalten.









