Das 2014 gegründete Start-up Evertracker entwickelt eine neutrale Plattform namens Evertracker Control Tower, die auf künstlicher Intelligenz basiert. Die Algorithmen seien anhand der Lieferkettenabläufe in der Lage, Verzögerungen in Echtzeit zu erkennen, so dass die Unternehmen nicht nur von Abweichungen benachrichtigt werden sondern auch bei Verspätungen die neuen Ankunftszeiten im Voraus erhalten.

Natalia Jakubowska, Trans.INFO: Womit genau beschäftigt sich Ihr Startup?

Marc Schmitt, CEO des Schweriner Logistik-Startups Evertracker: Evertracker ermöglicht vor allem Herstellern und Produzenten mehr Prozesskontrolle und -sicherheit. Wir brauchen sichere Lieferketten. Das Corona-Virus hat die Komplexität der globalen Lieferketten und die Notwendigkeit von mehr Prozesskontrolle und -sicherheit hervorgehoben. Mit Evertrackers intelligenter und neutraler Plattform, dem Evertracker Control Tower, können Lieferketten 1. in Echtzeit sichtbar gemacht werden – und dabei sprechen wir von einer End-to-end-Transparenz auf Teileebene. Außerdem können 2. mit Evertrackers Control Tower zukünftige Ereignisse in der Lieferkette wie ETAs vorhergesagt werden. Und 3. können Supply Chain Manager mit Evertrackers Control Tower proaktiv auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren. Lieferketten müssen transparent und vorhersehbar sein, um sicher zu sein. Darüber hinaus können Lieferketten auch nachhaltig werden, wenn sie transparent und vorhersehbar sind. Transparente, vorhersehbare und nachhaltige Supply Chains sind die Zukunft der Lieferketten – und das bieten wir bei Evertracker an.

Was ist einzigartig an Ihrem Produkt?

Die End-to-end-Transparenz auf Teileebene. Wir können Auskunft darüber geben, ob ein bestimmter Motor zu spät kommt und nicht nur ein Container, in dem 16 Motoren geladen sind.

Wann und wie sind Sie auf Ihre Gründungsidee gekommen?

Früher habe ich als Designer Geschäftsberichte für Finanzdienstleister erstellt. Die Drucke wurden meist erst auf den letzten Drücker fertig und dann per Kurier an meine Kunden geliefert. Dabei ist häufig etwas schiefgelaufen und ich musste mit viel Mühe und Zeit die verschollenen Berichte wiederfinden. Das wollte ich lösen und eine Kommunikationsplattform für bewegliche Gegenstände in den Markt bringen, die insbesondere die Empfänger automatisiert über Ankunft und Abweichungen informiert. Für die Gründung unseres Startups Evertracker habe ich noch einen Executive MBA gemacht und den Bereich Logistik dadurch kennengelernt. Über die Jahre ist mir die gesamte Branche ans Herz gewachsen und heute frage ich mich, warum nicht jeder in unserer Industrie aktiv ist.

Woher kam das Kapital für Ihr Unternehmen?

Zuerst haben wir privat Geld aufgebracht, mittlerweile haben wir zwei Investitions-Runden mit Business Angeln und Investoren hinter uns.

Was waren die größten Hindernisse bei der Gründung Ihres Startups?

Die größte Herausforderung war anfangs, dass wir nicht verstanden haben, wie der Logistik-Markt funktioniert. Was braucht er? Was sind seine Besonderheiten? Dieses Wissen musste ich mir aneignen.

Was war der Wendepunkt, als die ersten Kunden auftauchten und Sie zu glauben begonnen haben, dass dies funktionieren würde.

Wir haben uns so lange geändert, bis wir zum Markt gepasst haben.

Was hätten Sie rückblickend in der Startphase anders gemacht?

Ehrlicherweise nichts, denn alle unsere Zwischenschritte waren gute Learnings.

Welche Tipps würden Sie anderen Startup-Gründern geben, die gerade erst anfangen?

Niemals auf eine Ratgeberin oder einen Ratgeber hören, die oder der sich nicht wirklich mit meinen Problemen auseinandersetzt.

Was ist die größte unmittelbare Herausforderung für Ihr Unternehmen und wo sehen Sie sich selbst in 5 Jahren?

Wir wachsen derzeit, das ist ein sehr guter nächster Schritt, über den wir uns sehr freuen. Und in 5 Jahren sehen wir uns bei Evertracker als führende Logistik-Plattform Europas.

Was würden Sie tun, wenn Sie kein Startup-Unternehmen gründen würden?

Dann wäre ich Dinosaurier-Forscher.

Foto: Evertracker

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