Mit einem neuen Büro in Tiflis stärkt der Logistikdienstleister Rhenus seine Präsenz entlang des Transkaspischen Transportkorridors, auch bekannt als „Mittlerer Korridor“. Das Unternehmen ist damit nun in allen zentralen Ländern dieser Route vertreten, von der Türkei über Georgien und Aserbaidschan bis nach Kasachstan und Usbekistan.
„Mit unserer Strategie verfolgen wir das Ziel, Europa und Asien über die Transkaspische Transportroute zuverlässig und nachhaltig zu verbinden“, erklärt Andreas Stöckli, Mitglied des Vorstands der Rhenus Gruppe.
Entscheidend sei dabei die durchgehende Präsenz entlang aller beteiligten Länder.
Mittlerer Korridor als alternative Eurasienroute
Der sogenannte Mittlere Korridor verbindet China und Südostasien über Kasachstan, das Kaspische Meer, Aserbaidschan und Georgien mit Europa. Anders als die nördlichen Landrouten verläuft diese Verbindung vollständig außerhalb von Russland, Belarus und der Ukraine.

Quelle: International Association “Trans-Caspian International Transport Route”
Damit gewinnt die Strecke vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und des anhaltenden Ukraine-Kriegs an Aufmerksamkeit. In der Branche wird sie zunehmend als zusätzliche Option im Verkehr zwischen Europa und Asien betrachtet.
Rhenus schließt operative Lücken
Mit dem Standort in Tiflis baut Rhenus seine operative Abdeckung entlang des Korridors gezielt aus. Das Büro dient als regionale Drehscheibe für multimodale Transporte und verbindet Straßen-, Schienen- und Seefracht.
Bereits Anfang 2026 hatte das Unternehmen mit dem Erwerb eines Terminals bei Almaty in Kasachstan seine Aktivitäten in Zentralasien ausgebaut. Ziel ist es, Transportketten entlang der gesamten Route aus einer Hand organisieren zu können.
Für Verlader bedeutet das vor allem eine engere Steuerung der Transporte entlang einer Strecke, die durch mehrere Verkehrsträger und Schnittstellen geprägt ist.
Transportvolumen steigt deutlich
Die Entwicklung entlang des Korridors lässt sich auch anhand von Zahlen nachvollziehen. Das Transportvolumen auf der Transkaspischen Route ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
So lag das Gesamtvolumen laut Branchendaten 2021 noch bei rund 586.000 Tonnen und erreichte 2025 bereits etwa 1,87 Millionen Tonnen. Auch der Containerverkehr zeigt eine klare Dynamik: von rund 25.000 TEU im Jahr 2021 auf knapp 77.000 TEU im Jahr 2025.

Quelle: International Association “Trans-Caspian International Transport Route”
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass der Korridor zunehmend praktisch genutzt wird, wenn auch weiterhin auf einem niedrigeren Niveau als etablierte Eurasienverbindungen.
Nutzung steigt – strukturelle Hürden bleiben
Trotz der Dynamik bleibt der Transkaspische Korridor im Vergleich zu anderen Eurasienrouten ein kleinerer Verkehrsweg. Herausforderungen ergeben sich vor allem aus der Struktur der Route: Mehrere Umladungen, etwa am Kaspischen Meer, sowie unterschiedliche Prozesse entlang der beteiligten Länder erhöhen die Komplexität.
Gleichzeitig wird die Strecke seit Beginn des Ukraine-Kriegs häufiger in Betracht gezogen, insbesondere bei Transporten mit erhöhtem geopolitischem Risiko.
Wettbewerb entlang des Mittleren Korridors nimmt zu
Rhenus ist mit dem Ausbau nicht allein: Auch andere Logistikunternehmen erweitern ihre Aktivitäten entlang des Mittleren Korridors. So hat etwa Gebrüder Weiss zusätzliche Verbindungen in den Südkaukasus aufgebaut.
In der Branche wird diese Entwicklung als Hinweis gewertet, dass die Route zunehmend in operative Netzwerke integriert wird und an praktischer Relevanz gewinnt.









