„Die neue Politik von Maersk könnte gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen”, sagen europäische Spediteure

Der europäische Spediteursverband CLECAT hat die EU aufgefordert, auf die neue Geschäftspolitik von Maersk zu reagieren, die angeblich "die Spediteure ins Abseits stellt". Gleichzeitig soll der Verband prüfen, ob die Ablehnung von Spediteuren gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstößt.

„Die neue Politik von Maersk könnte gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen”, sagen europäische Spediteure
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Der Schritt erfolgt, nachdem Maersk mit der Umsetzung seiner neuen Politik begonnen hat, nach der das keine Verträge mehr mit Spediteuren abschließen soll. Stattdessen können sie nur noch die wesentlich ungünstigeren Spot-Rate-Dienste in Anspruch nehmen.

Die ersten Nachrichten über die Pläne von Maersk kamen vor einigen Wochen, als sich Kunden der Maersk-Tochtergesellschaft Hamburg-Süd darüber beschwerten, dass sie abgelehnt wurden.

In einer Erklärung fügte CLECAT hinzu, dass Maersk und Hamburg-Süd nicht nur Aufträge von Spediteuren ablehnen, sondern sich auch direkt an deren Kunden wenden.

Maersk versucht, direkt mit den Lieferanten in Kontakt zu treten.

Ein Sprecher der Hamburg-Süd bestätigte die Maßnahme gegenüber der Deutschen Verkehrs-Zeitung und erklärte, die Reederei wolle sich nach dem Vorbild der dänischen Muttergesellschaft stärker auf Großkunden konzentrieren. Außerdem sollen den Verladern über den reinen Containertransport hinaus zusätzliche Logistikdienstleistungen angeboten werden, wodurch einige Spediteure überflüssig werden.

Nach Angaben der Hamburg-Süd können Spediteure weiterhin Maersks „Spot”-Buchungstool nutzen, um Frachten auf den Containerschiffen der deutschen Reederei zu buchen, aber das „Instant”-Tool kann nicht mehr verwendet werden.

Die Spediteure sind empört über diesen Schritt, und CLECAT prüft nun, ob diese Initiative mit dem EU-Wettbewerbsrecht vereinbar ist.

Frachtführer und Spediteure arbeiten nicht unter gleichen Bedingungen, nicht zuletzt im Rahmen der Gruppenfreistellungsverordnung für Konsortien (GVO), die den an einer Vereinbarung über die gemeinsame Nutzung von Schiffen beteiligten Frachtführern die Möglichkeit gibt, eine Vielzahl von Informationen auszutauschen, darunter auch sensible Geschäftsinformationen”, so Nicolette van der Jagt, Generaldirektorin von CLECAT.

Der Verband hat bereits die Ersetzung der GVO durch modernere Instrumente zur Behandlung von Wettbewerbsfragen gefordert.

Die Kommission hat es bisher versäumt, den Grad der Digitalisierung der Frachtführer zu berücksichtigen, einschließlich des Informationsaustauschs zwischen Frachtführern und innerhalb vertikal integrierter Reedereien. Die immer stärkere Nutzung von Logistiklösungen, die von Frachtführern angeboten werden, die Zugang zu digitalen Informationstools und Plattformen haben, macht die derzeitigen Konzepte der europäischen Wettbewerbsbehörden obsolet”, erklärte van der Jagt.

Aus diesem Grund hat CLECAT die Europäische Kommission aufgefordert, ihre Überwachungsmaβnahmen wiederholt durchzuführen und die Unternehmen zu veranlassen, die Anwendung von Sondermaßnahmen für Frachtführer einzustellen, die „zu Marktverzerrungen im Speditionssektor führen”.

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