Der europäische Straßentransportmarkt geht in das erste Quartal 2026 mit steigenden Vertragsraten und einem schwächeren Spotmarkt, was die anhaltende Unsicherheit auf der Nachfrageseite widerspiegelt. Der neueste European Road Freight Rate Benchmark von IRU, Upply und Transport Intelligence zeigt, dass sich die Frachtmengen zwar von ihrem Sommer-Tief erholt haben, vorsichtiger Konsum und eine uneinheitliche Industrieentwicklung jedoch einen Jahresend-Schub bei den Spotpreisen verhinderten.
Wichtige europäische Korridore entwickeln sich weiterhin unterschiedlich: exportgetriebene Routen legen zu, während andere aufgrund schwacher Nachfrage aus der Industrie weiter unter Druck stehen.
Q4 2025 bestätigte eine wachsende Lücke zwischen Vertrags- und Spotpreisen. Die Vertragsraten stiegen auf 136,9 Punkte, um 2,6 Punkte gegenüber dem Vorquartal und 3,1 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Die Spotraten erreichten 135,1 Punkte, stiegen lediglich um 0,3 Punkte QoQ und fielen um 3,3 Punkte YoY.

Vertrags- und Spotraten im Straßengüterverkehr gingen in Q4 2025 auseinander. Quelle: IRU / Upply / Transport Intelligence
Der Benchmark führt diese Spaltung darauf zurück, dass Unternehmen vor dem Hintergrund der Erwartungen einer schrittweisen Erholung langfristige Kapazitäten sichern, während die kurzfristige Nachfrage gedämpft bleibt.
Der private Konsum blieb zum Jahresende trotz steigender Reallöhne in Teilen Europas schwach. Die Sparquoten blieben historisch hoch – ein Signal für anhaltende Vorsicht bei den Verbrauchern.
In der Folge lieferte Q4 nicht die übliche saisonale Unterstützung für die Spotraten – selbst während der Feiertage.
Die Mengen im Straßengüterverkehr erholten sich vom Tief im August 2025 und lagen insgesamt leicht über dem Niveau von 2024. Die Erholung bleibt jedoch fragil. Der Bericht prognostiziert für 2026 lediglich ein Wachstum der Straßengüterverkehrsmengen von 0,6 %.
Das Wachstum verlief uneinheitlich: stärkere Entwicklung auf nördlichen und östlichen Korridoren, schwächere Nachfrage in Teilen Südeuropas.
Transportpreise auf ausgewählten europäischen Routen (Q4 2025)

Vertragsraten im Straßengüterverkehr in Europa in Q4 2025. Quelle: IRU / Upply / Transport Intelligence
Der Benchmark hebt deutliche Unterschiede zwischen wichtigen internationalen Korridoren hervor, insbesondere zwischen exportorientierten Routen und solchen, die einer schwächeren Industrienachfrage ausgesetzt sind.
Warschau – Rotterdam
Vertragsraten stiegen um 17,6 Punkte QoQ auf €1,87/km, während die Spotraten um 9,6 Punkte QoQ auf €1,85/km zulegten. Der Bericht führt den Anstieg auf starke polnische Exporte und eine sich verknappende Kapazität auf hafenorientierten Routen zurück.
Warschau – Duisburg
Vertragsraten stiegen um 7,8 Punkte QoQ auf €1,37/km, während die Spotraten um 0,2 Punkte QoQ auf €1,30/km nachgaben. Dies spiegelt eine stärkere Nachfrage nach vertraglich gesicherter Kapazität bei gleichzeitig schwächeren kurzfristigen Aufträgen aus der deutschen Industrie wider.
Duisburg – Antwerpen
Vertragsraten sprangen um 13,4 Punkte QoQ auf €3,09/km, und die Spotraten stiegen um 15,5 Punkte QoQ auf €3,23/km, gestützt durch bessere Ausfuhrströme von Deutschlands Industriezentren in Richtung Häfen.
Duisburg – Lille
Vertragsraten fielen um 3,5 Punkte QoQ auf €2,22/km, während die Spotraten um 4,7 Punkte QoQ auf €2,33/km stiegen – ein Hinweis auf vorsichtige langfristige Nachfrageerwartungen bei gleichzeitig festerer kurzfristiger Aktivität.
Madrid – Paris
Vertragsraten gaben um 0,1 Punkte QoQ auf €1,23/km leicht nach, während die Spotraten um 2,3 Punkte QoQ auf €1,30/km fielen – ein Spiegel der schwächeren spanischen Industrieproduktion zum Jahresende.

Spotraten im Straßengüterverkehr in Europa in Q4 2025.
Ausgewählte Transportpreise auf wichtigen europäischen Routen (Q4 2025)
| Route | Vertragsmarkt (€ / km) | Spotmarkt (€ / km) |
| Madrid – Paris | 1.23 | 1.30 |
| Warschau – Duisburg | 1.37 | 1.30 |
| Warschau – Rotterdam | 1.87 | 1.85 |
| Duisburg – Antwerpen | 3.09 | 3.23 |
| Duisburg – Lille | 2.22 | 2.33 |
Quelle: European Road Freight Rate Benchmark Q4 2025 – IRU / Upply / Transport Intelligence
Polen und Deutschland prägen internationale Ströme
Polen erwies sich in Q4 2025 als wichtiger Treiber des internationalen Ratenwachstums. Deutliche Anstiege wurden auf Routen wie Warschau–Rotterdam und Warschau–Duisburg verzeichnet, gestützt durch exportgetriebene Nachfrage aus dem verarbeitenden Gewerbe sowie den Konsumgütersektoren.
Der Bericht weist jedoch auch auf frühe Warnsignale hin. Der polnische Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe rutschte zum Jahresende tiefer in den Schrumpfungsbereich, und Exportaufträge aus Deutschland und Frankreich schwächten sich ab – ein Hinweis darauf, dass weitere Ratensteigerungen 2026 begrenzt sein könnten.
Deutschland verzeichnete eine höhere Produktion in der Automobil-, Pharma- und Hightech-Fertigung, was die Nachfrage auf Ausfuhr-Routen wie Duisburg–Antwerpen stützte. Gleichzeitig fielen die inländischen Spotraten in Deutschland im Jahresvergleich deutlich.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Deutschland nicht länger ein wesentlicher Bremsfaktor für den europäischen Frachtmarkt ist – die Erholung bleibt jedoch uneinheitlich und anfällig für externe Risiken.
Inländische Spotraten in den wichtigsten Märkten unter Druck
Inländische Spotraten gingen in Q4 2025 in den meisten großen europäischen Volkswirtschaften zurück:
- Spanien – deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorquartal
- Deutschland – starker Rückgang gegenüber dem Vorjahr
- Italien – schwache und volatile Entwicklung
- Frankreich – der stabilste Inlandsmarkt
Inländische Vertragsraten blieben in allen vier Ländern weitgehend stabil.
Steigende Maut ersetzt Kraftstoff als wichtigsten Kostentreiber
Obwohl die Dieselpreise 2025 sanken, blieb der Kostendruck bestehen. Der Benchmark identifiziert Straßenmaut als einen zunehmend wichtigen Bestandteil der Betriebskosten. In Österreich und Ungarn übersteigen die Mautgebühren pro Kilometer inzwischen die Kraftstoffkosten. Für 2026 werden weitere Anhebungen erwartet, da mehr Länder die Eurovignetten-Richtlinie umsetzen.
Der Bericht nennt 444.000 unbesetzte Fahrerstellen in der EU im Jahr 2025, 18.000 mehr als ein Jahr zuvor. Besonders ausgeprägt bleiben die Engpässe in Osteuropa, Spanien und Deutschland. Diese strukturelle Einschränkung begrenzt die Kapazität weiterhin, selbst wenn die Nachfrage gedämpft bleibt.
Marktstimmung kühlt ab, Erwartungen bleiben jedoch positiv
Der Stimmungsindex für europäische Straßengüterverkehrsraten sank in Q4 2025 auf 10,7 Punkte. Während der Optimismus leicht nachließ, erwarten die meisten Befragten weiterhin steigende Raten; ein leichter Anstieg bleibt die dominierende Einschätzung.
Wichtige Marktdaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien (Q4 2025)
Indizes für Vertrags- und Spotraten
| Land | Vertragsraten (Index) | MoM | QoQ | YoY | Spotraten (Index) | MoM | QoQ | YoY |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 141.3 | –2.0 | –3.5 | –3.2 | 118.7 | –6.3 | –0.7 | –17.2 |
| Frankreich | 123.1 | –0.7 | +0.6 | +3.1 | n/a | +3.2 | –1.0 | +0.7 |
| Italien | 116.2 | –3.8 | +5.0 | +5.0 | 111.7 | –6.2 | +0.3 | +0.1 |
| Spanien | n/a | +3.5 | +1.1 | +5.5 | n/a | –2.5 | –16.5 | +5.6 |
Quelle: European Road Freight Rate Benchmark Q4 2025 – IRU / Upply / Transport Intelligence
(n/a = im Benchmark nicht ausdrücklich angegeben)
Länder-Highlights
Deutschland
- Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe erreichte im Dezember 2025 ein 10-Monats-Tief.
- Neue Aufträge gingen so schnell zurück wie seit fast einem Jahr nicht mehr.
- Die Exportnachfrage schwächte sich deutlich ab.
- Sinkende inländische Spotraten spiegeln schwache Binnennachfrage und Überkapazitäten wider.
Frankreich
- Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe erreichte ein 42-Monats-Hoch und ging in eine leichte Expansion über.
- Vertragsraten blieben unter den großen EU-Märkten am stabilsten.
- Hohe private Ersparnisse begrenzen weiterhin das Konsumwachstum.
- Inländische Spotraten zeigten kurzfristige Volatilität, blieben aber weitgehend stabil.
Italien
- Das BIP wuchs in Q3 nach längerer Stagnation um 0,1 % QoQ.
- Die Industrieproduktion ging in wichtigen Sektoren zurück, darunter Automobil und Chemie.
- Spotraten schwächten sich schneller ab als Vertragsraten, da die Industrienachfrage sank.
- Das Wachstum der Vertragsraten spiegelt trotz Unsicherheit eine vorsichtige Kapazitätssicherung wider.
Spanien
- Die Wirtschaft blieb 2025 einer der stärksten Performer Europas.
- Inländische Spotraten fielen in Q4 nach einem starken Jahr deutlich.
- Das Verbrauchervertrauen schwächte sich zum Jahresende ab.
- Vertragsraten stiegen weiter, was auf Erwartungen einer stärkeren Nachfrage 2026 hindeutet.









