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Tanktourismus wächst: Wer über Slowenien und Tschechien fährt, spart jetzt spürbar

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Der jüngste Anstieg der Kraftstoffpreise ist für viele Transportunternehmen mehr als nur ein Margendruck – er verschiebt zunehmend Wettbewerbsbedingungen. Wer gezielt in Slowenien oder Tschechien tankt, kann aktuell deutlich günstiger fahren als in Deutschland oder Italien. Die Preisunterschiede sind inzwischen so groß, dass sie Routenplanung, Betriebskosten und Wettbewerbsfähigkeit spürbar beeinflussen.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das deutlichste Beispiel im Güterverkehr ist Slowenien. TrasportoEuropa berichtet, dass Slowenien nach einer Senkung der Verbrauchsteuer den maximalen Dieselpreis ab dem 10. März auf 1.528 Euro pro Liter festgesetzt hat, während Selbstbedienungs-Diesel an normalen Straßen in Italien am 16. März 2.072 Euro  pro Liter erreichte. Das ergab eine Differenz von rund 50 Cent pro Liter, mit Spitzen von über 60 Cent zwischen Tankstellen, die nur wenige Kilometer auseinanderliegen. Bei einem Lkw, der 600 bis 800 Liter tankt, beläuft sich die Ersparnis auf etwa 240 Euro bis 400 Euro pro Tankstopp – und bei Fahrzeugen mit Doppeltanks entsprechend mehr.

Tschechien: Tanktourismus aus Deutschland nimmt massiv zu

Auch an der deutsch-tschechischen Grenze zeigt sich ein ähnliches Bild – mit klaren Auswirkungen auf deutsche Fahrer und Unternehmen.

Laut Seznam Zprávy kam es Anfang März zu massivem Andrang an Tankstellen nahe der Grenze. Wartezeiten von 30 Minuten und mehr, blockierte Zufahrtsstraßen und zahlreiche Kanisterkäufe waren die Folge.

Die Preise verdeutlichen den Unterschied:

  • Tschechien: Diesel rund 1,50 Euro pro Liter (umgerechnet)
  • Deutschland: teilweise über 2,10 Euro pro Liter

Der Preisunterschied von bis zu 60 Cent pro Liter führt dazu, dass immer mehr deutsche Fahrer gezielt ins Ausland ausweichen.

Weitere Berichte zeigen, dass sich der Verkehr in Grenzregionen teilweise verdreifacht hat – ein klares Signal dafür, wie stark die Preisunterschiede wirken.

Deutschland reagiert – bleibt aber Hochpreisland

Auch Deutschland hat politisch auf den Kraftstoffpreisschub reagiert. Das Bundeskabinett hat eine Maßnahme gebilligt, die begrenzen soll, wie häufig Tankstellen ihre Preise anheben dürfen. Das Wirtschaftsministerium argumentiert, dass Spritpreise bei steigenden Ölpreisen oft schnell klettern, aber nur langsam wieder sinken, wenn sich die Großhandelspreise entspannen. Reuters berichtete zuvor, dass Berlin vorbereite, Tankstellen auf eine Preiserhöhung pro Tag zu beschränken – zusammen mit einer strengeren kartellrechtlichen Kontrolle im Energiesektor.

Slowenien als strategischer Tankstandort

Für den Straßengüterverkehr ist Slowenien mehr als nur ein günstiger Nachbar. Aktuell wirkt es wie eine logistische „Oase“. Transportunternehmen, die auf den Routen Italien–Slowenien–Kroatien–Österreich unterwegs sind, können weiterhin regulierten Diesel zu Preisen tanken, die deutlich unter denen in nahegelegenen Hochpreismärkten liegen. TrasportoEuropa zufolge betrifft das inzwischen nicht nur italienische Lkw, sondern auch Fahrzeuge aus Österreich und Kroatien – weil Slowenien an wichtigen internationalen Güterverkehrskorridoren liegt und einen niedrigeren regulierten Preis bietet.

Das offizielle slowenische Preissystem erklärt diesen Effekt. Die Regierung sagt, dass der Endkundenpreis für Super 95 und Diesel nach einer Methode festgelegt wird, die auf Weltmarktpreisen, dem USD/EUR-Wechselkurs und 14-Tage-Durchschnittswerten basiert. Diese Formel glättet nicht alle Preisschwankungen, schafft aber eine staatlich festgelegte Obergrenze, die Slowenien günstiger machen kann als seine Nachbarn – wenn Entscheidungen zu Verbrauchsteuer und Marge zu seinen Gunsten ausfallen.

Erste Versorgungsengpässe durch ausländische Nachfrage

Dieser Vorteil ist inzwischen so stark, dass er zu Versorgungsproblemen geführt hat. ANSA berichtete am 13. März, dass Slowenien seine Ölreserven schrittweise freigeben werde, nachdem einigen Grenztankstellen der Kraftstoff ausgegangen war. Der Agentur zufolge kam der Hauptdruck durch ausländische Nachfrage – insbesondere aus Österreich. Auf der italienischen Seite war der Effekt bei Benzin geringer, weil Subventionen in Friaul-Julisch Venetien die italienischen Benzinpreise nahe der Grenze wettbewerbsfähig halten. Bei Diesel ist die Lage anders – weshalb dieses Thema Transportunternehmen stärker betrifft als private Autofahrer.

Zudem sind Regeln und operative Details zu beachten. TrasportoEuropa berichtet, dass das slowenische Recht über den Tankinhalt des Fahrzeugs hinaus nur 10 zusätzliche Liter Kraftstoff in zugelassenen Behältern erlaubt – bei Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 5,000 Euro. Derselbe Bericht sagt, dass Behörden in Italien Fahrzeuge mit größeren als zulässigen Tanks wegen Fragen zur Verbrauchsteuer beanstandet haben. 

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