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Preisdeckel in Polen verschärft Wettbewerbsnachteil deutscher Transportunternehmen

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Seit dem 1. April gelten in Polen staatlich festgelegte Preisobergrenzen für Benzin und Diesel. Gleichzeitig wurden die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 23 auf 8 Prozent gesenkt sowie die Energiesteuer auf das EU-Mindestniveau reduziert.

Nach Angaben des polnischen Energieministeriums liegt die Preisobergrenze für Diesel aktuell bei 7,60 Zloty pro Liter (rund 1,77 Euro). Die Preise werden künftig täglich durch das Ministerium festgelegt. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu umgerechnet 230.000 Euro geahndet werden.

Die Maßnahmen sind Teil eines staatlichen Eingriffs infolge gestiegener Energiepreise im Zusammenhang mit der geopolitischen Lage.

BGL sieht massive Wettbewerbsverzerrung

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) schlägt Alarm. In einer Mitteilung vom 1. April warnt der Verband vor gravierenden Folgen für deutsche Transportunternehmen.

„Während Polen seine Bürger und Unternehmen bei den Dieselpreisen entlastet, werden deutsche Transportunternehmen weiter zur Kasse gebeten. Wenn die Bundesregierung jetzt nicht endlich entschlossener handelt, steht das mittelständische deutsche Transportgewerbe vor einem existenziellen Kahlschlag“, erklärte BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt.

Preisunterschiede mit spürbaren Folgen

Nach Berechnungen des Verbands liegt der Netto-Dieselpreis in Polen derzeit um rund 29 Cent pro Liter unter dem deutschen Niveau.

Für Transportunternehmen bedeutet das erhebliche Mehrkosten: Bei einer monatlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern und einem Verbrauch von 30 Litern pro 100 Kilometer entstehen laut BGL Mehrkosten von rund 870 Euro pro LKW und Monat.

Für größere Flotten summieren sich die Unterschiede deutlich. Bei 50 Fahrzeugen ergeben sich demnach zusätzliche Kosten von mehr als 500.000 Euro pro Jahr.

Tanken im Ausland wird zum Wettbewerbsvorteil

Hinzu kommt ein struktureller Effekt: Internationale Transportunternehmen können Deutschland zunehmend ohne Tankstopp durchqueren.

Mit Tankvolumina von bis zu 900 Litern und Reichweiten von rund 3.000 Kilometern sei es problemlos möglich, ausschließlich im Ausland zu tanken, so der Verband.

Für deutsche Unternehmen entfällt diese Möglichkeit weitgehend, sie sind stärker auf inländische Tankstrukturen angewiesen.

Doppelbelastung in Deutschland

Besonders kritisch bewertet der BGL die Kombination aus CO2-Komponenten im deutschen System.

Zum einen wird seit Ende 2023 ein CO2-Aufschlag auf die LKW-Maut erhoben, zum anderen fällt zusätzlich eine CO2-Bepreisung auf Diesel an. Diese liege laut Verband derzeit bei 17 bis 20 Cent pro Liter.

Der BGL fordert seit Längerem, diese „europaweit einzigartige Doppelbelastung“ abzuschaffen.

Politische Reaktionen bleiben aus

Während Polen mit kurzfristigen Maßnahmen in den Markt eingreift, gibt es in Deutschland bislang keine vergleichbaren Entlastungsschritte.

Für die Branche entsteht damit ein zunehmend ungleiches Wettbewerbsumfeld innerhalb des europäischen Binnenmarktes.

Branche zwischen Entlastung und Skepsis

Auch in Polen wird der Eingriff nicht uneingeschränkt positiv bewertet. Vertreter der Transportbranche äußerten zuletzt Zweifel, ob die Maßnahmen langfristig ausreichen, um Unternehmen wirksam zu entlasten.

Gleichzeitig zeigt die aktuelle Entwicklung, wie stark nationale Maßnahmen den Wettbewerb im europäischen Straßengüterverkehr beeinflussen können.

Fazit: Nationale Eingriffe mit europäischer Wirkung

Die unterschiedlichen politischen Reaktionen auf die steigenden Kraftstoffpreise verdeutlichen ein zentrales Problem der Branche: Der Wettbewerb im europäischen Straßengüterverkehr bleibt stark von nationalen Rahmenbedingungen geprägt.

Für Transportunternehmen wird damit zunehmend entscheidend, wo sie tanken und unter welchen regulatorischen Bedingungen sie operieren.

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