Das Wichtigste im Überblick
- Neue Frachtenbörse von TAPA EMEA und Trans.eu startet am 1. Juli 2026.
- Zugang für Frachtführer nur mit gültiger TAPA-TSR-1-, TSR-2- oder TSR-3-Zertifizierung.
- Zertifikate werden laut den Betreibern automatisch und in Echtzeit mit der TAPA-Datenbank abgeglichen.
- Verlader und Speditionen können die Plattform auch ohne TAPA-Mitgliedschaft nutzen.
- Ziel ist es, Betrugsfälle durch Fake Carrier, Identitätsdiebstahl und gefälschte Transportprofile zu reduzieren.
- Registrierungen für das Early-Access-Programm laufen bereits.
Die Transported Asset Protection Association (TAPA) EMEA und die Trans.eu Group haben die neue Plattform „Certified Carrier Exchange powered by TAPA EMEA Standards & Intelligence“ vorgestellt. Nach Angaben der Partner handelt es sich um die erste Frachtenbörse, deren Carrier-Pool ausschließlich aus verifizierten und TAPA-TSR-zertifizierten Transportunternehmen besteht.
Parallel dazu will Trans.eu den Sicherheitsstandard TAPA TSR innerhalb seines Netzwerks mit mehr als 44.000 Frachtführern, Speditionen und Verladern stärker etablieren. Ziel sei es, das Bewusstsein für Sicherheitsstandards im Transportsektor zu erhöhen und die Zahl zertifizierter Unternehmen in Europa auszubauen.
Vorgestellt wurde das Projekt auf der TAPA EMEA Conference 2026 in Oberhausen vor mehr als 800 Vertretern aus Logistik, Industrie, Sicherheitswirtschaft und Strafverfolgungsbehörden.
Steigende Zahl von Betrugsfällen im Straßengüterverkehr
Der Start der Plattform erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Verlader, Speditionen und Logistikdienstleister ihre Sicherheits- und Prüfprozesse verschärfen. Hintergrund ist die europaweit steigende Zahl von Betrugsfällen, bei denen Kriminelle unter falscher Identität Transportaufträge übernehmen oder sich als legitime Frachtführer ausgeben. Branchenverbände und Sicherheitsorganisationen warnen seit Jahren vor einer zunehmenden Professionalisierung dieser Deliktsform.
Nach Angaben von TAPA und Trans.eu belaufen sich die weltweiten Verluste durch Frachtdiebstähle auf rund 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr. In der Europäischen Union entstehen laut einer Studie des Europäischen Parlaments Schäden von bis zu 8,3 Milliarden Euro jährlich.
Dabei haben sich die Methoden der Täter in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Immer häufiger nutzen organisierte Gruppen Identitätsdiebstahl, gefälschte Frachtführerprofile oder mithilfe künstlicher Intelligenz erstellte Dokumente, um Sicherheitskontrollen zu umgehen und Ladungen zu übernehmen. Gemeinsam sei diesen Betrugsformen, dass sie auf Informationen basieren, deren Echtheit nur schwer überprüft werden kann.
TAPA EMEA und Trans.eu begründen die Einführung der neuen Plattform mit genau dieser Entwicklung. Durch die Kombination der Sicherheitsmechanismen beider Organisationen soll das Risiko für Verlader, Speditionen und Frachtführer reduziert werden.
„Keine Frachtenbörse kann absolute Sicherheit garantieren. Aber unser Ziel ist es, Risiken und Verluste zu minimieren, indem wir eine Plattform aufbauen, die auf den höchsten, von der Branche selbst geschaffenen Sicherheitsstandards basiert und bei der Transparenz, Verifizierung und Zuverlässigkeit auf jeder Ebene verankert sind“, erklärte Thorsten Neumann, Präsident und CEO von TAPA EMEA.
Entscheidend sei dabei nicht allein der Besitz eines Zertifikats, sondern dessen laufende Gültigkeit und Überwachung.
„Durch die enge Zusammenarbeit mit Trans.eu können wir überprüfen, ob jeder teilnehmende Spediteur und Frachtführer über eine gültige TAPA-Sicherheitszertifizierung verfügt. Diese Zertifizierungen werden nicht einfach nur behauptet, sondern im Rahmen des strengen Compliance-Frameworks von TAPA überprüft, gepflegt und verwaltet“, so Neumann.
Doppelte Verifizierung statt Selbstauskunft
Die Certified Carrier Exchange ist als geschlossene Umgebung innerhalb der Trans.eu-Plattform konzipiert. Zugang erhalten ausschließlich Transportunternehmen mit einer gültigen TSR-1-, TSR-2- oder TSR-3-Zertifizierung.
Das zentrale Merkmal der Plattform ist die Verknüpfung zweier Kontrollmechanismen: Während Trans.eu die Identität und Geschäftstätigkeit der Unternehmen innerhalb seines Ökosystems überprüft, stellt TAPA die Einhaltung der Sicherheitsanforderungen im Rahmen seiner Zertifizierungs- und Auditprozesse sicher.
Laut den Partnern wird der Zertifizierungsstatus automatisch und in Echtzeit mit der TAPA-Datenbank abgeglichen. Anders als bei vielen herkömmlichen Plattformen sollen Sicherheitsnachweise damit nicht auf Selbstauskünften beruhen, sondern permanent überprüft werden.
Die Initiatoren sprechen deshalb von einer „doppelt abgesicherten Umgebung“, in der sowohl die Unternehmensidentität als auch die Sicherheitsstandards der beteiligten Frachtführer überprüft werden.
Auch Verlader und Speditionen sollen profitieren
Die neue Börse richtet sich nicht ausschließlich an Transportunternehmen. Verlader und Speditionen können die Plattform auch ohne eigene TAPA-Mitgliedschaft nutzen und auf den Pool verifizierter Frachtführer zugreifen.
Dadurch sollen zeitaufwendige manuelle Sicherheitsprüfungen reduziert werden. Gleichzeitig erhalten Auftraggeber nach Angaben der Anbieter die Gewissheit, dass alle sichtbaren Transportunternehmen die Anforderungen des international anerkannten TAPA-Standards erfüllen.
Gerade bei hochwertigen, diebstahlgefährdeten oder sicherheitskritischen Waren könnte dies die Auswahl geeigneter Transportpartner erleichtern. Viele Unternehmen verlangen bereits heute zusätzliche Sicherheitsnachweise, insbesondere bei Elektronik, Pharmazeutika, Tabakwaren oder anderen hochpreisigen Gütern.
Zugang zu hochwertigen Transportaufträgen
Für zertifizierte Frachtführer soll die neue Börse zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten schaffen. Unternehmen mit TSR-Zertifizierung erhalten laut TAPA und Trans.eu direkten Zugang zu Transportaufträgen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen, insbesondere im Bereich hochwertiger oder diebstahlgefährdeter Güter.
Damit adressiert die Plattform ein Marktsegment, das über klassische Frachtenbörsen häufig nur eingeschränkt zugänglich ist. Nach Angaben der Initiatoren handelt es sich dabei häufig um Transporte, die höhere Sicherheitsstandards voraussetzen und entsprechend höhere Frachtraten ermöglichen.
Zudem soll die Plattform die Sichtbarkeit zertifizierter Unternehmen bei Verladern und Speditionen erhöhen, die gezielt nach nachweislich sicheren Transportpartnern suchen.
Darüber hinaus bildet die Certified Carrier Exchange den gesamten Vergabeprozess digital ab. Von der Veröffentlichung einer Ladung über Verhandlungen bis hin zur Auftragserteilung können alle Schritte innerhalb einer geschlossenen Umgebung durchgeführt werden. Nach Angaben von Trans.eu lassen sich Transaktionen dadurch innerhalb weniger Minuten statt mehrerer Tage abschließen.
Sicherheitsstandards als Bestandteil der Carrier-Auswahl
Mit der gemeinsamen Initiative wollen TAPA EMEA und die Trans.eu Group nach eigenen Angaben Sicherheitsanforderungen stärker in den Vergabeprozess von Transportaufträgen integrieren. Sicherheitsprüfungen sollen nicht erst nach der Auswahl eines Dienstleisters erfolgen, sondern bereits Teil des Auswahlprozesses sein.
Die Trans.eu-Plattform vereint nach Unternehmensangaben mehr als 44.000 verifizierte Unternehmen und verarbeitet monatlich über 11 Millionen Frachtangebote. Das Unternehmen verweist dabei auf eines der umfassendsten Verifizierungsverfahren für Transportunternehmen in Europa.
„Die Transportbranche fordert seit Langem eine moderne Frachtenbörse, die Sicherheit in jeden Schritt der Prozessarchitektur integriert“, erklärte Ewa Węgorkiewicz, Chief Operating Officer der Trans.eu Group.
„Bei Trans.eu haben wir genau das geschaffen: eine Plattform, auf der die Verifizierung niemals endet, auf der jede Transaktion in einer nachvollziehbaren und geschützten Umgebung bleibt und auf der das Netzwerk selbst zu einer Verteidigungslinie gegen Betrug wird“, so Węgorkiewicz weiter.
Nach ihren Angaben basiert die Lösung auf einer digitalen Infrastruktur, die einen sicheren Informationsaustausch gewährleisten und Risiken minimieren soll, sofern die Transaktionen innerhalb der Plattform abgewickelt werden.
Start am 1. Juli
Die Registrierung für die Certified Carrier Exchange ist seit dem 11. Juni geöffnet. Der offizielle Start der Plattform ist für den 1. Juli 2026 vorgesehen.
Nach Angaben von Trans.eu soll die Initiative zugleich dazu beitragen, die Verbreitung des TAPA-TSR-Standards innerhalb des eigenen Netzwerks zu fördern und die Zahl zertifizierter Frachtführer in Europa weiter zu erhöhen.
Über TAPA EMEA
Die Transported Asset Protection Association (TAPA) EMEA ist ein internationaler, gemeinnütziger Branchenverband, der Sicherheitsstandards für Lieferketten entwickelt und fördert. Die Organisation zählt nach eigenen Angaben mehr als 1.100 Mitgliedsunternehmen aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika, darunter Industrieunternehmen, Logistikdienstleister, Versicherer, Sicherheitsanbieter und Behörden.
Neben dem Standard TSR (Trucking Security Requirements) für den Straßengüterverkehr betreibt TAPA weitere Zertifizierungsprogramme für Logistikstandorte (FSR), sichere Lkw-Parkplätze (PSR) und Cybersicherheit (CSS).
Über Trans.eu
Die 2004 gegründete Trans.eu Group ist ein europäischer Anbieter von Freight-Tech- und Fintech-Lösungen für die Transport- und Logistikbranche. Das Unternehmen betreibt eine der größten Frachtenbörsen Europas und bietet nach eigenen Angaben digitalen Zugang zu mehr als 44.000 verifizierten Unternehmen.
Monatlich werden über die Plattform mehr als 11 Millionen Frachtangebote veröffentlicht. Zum Sicherheitskonzept gehören unter anderem mehrstufige Unternehmensprüfungen, Risikobewertungen von Geschäftspartnern sowie die Zahlungsgarantie SafePay.










