Die Schweiz passt die Vorschriften an EETS, den europäischen elektronischen Mautdienst an.

Der Schweizer Bundesrat hat am 9. März dieses Jahres eine Verordnung über Gebühren für Schwerverkehrstransport (Schwerverkehrsabgabeverordnung – SVAV) verabschiedet, um die inländischen Vorschriften auf die Einführung des Europäischen elektronischen Mautdienstes vorzubereiten. In einem offiziellen Kommuniqué gibt der Bundesrat bekannt, dass dank der Änderungen, die am 1. Mai in Kraft treten sollen, die Zahlung von Mautgebühren in der Schweiz für ausländische Transportgesellschaften erleichtert wird. Sie werden nämlich im Rahmen von EETS in der Lage sein, einen Service- und Geräteprovider zu wählen, durch wessen Vermittlung sie die Maut an die schweizerische Zollverwaltung EZV zahlen werden.

Der Bundesratsbeschluss sieht zudem eine Reihe von Verfahrensänderungen vor – es wird keine Gebühr für verspätete Zahlungen erhoben, und Zinsen und Zinssätze werden sich nach der Regulierung der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFD) richten.

Maut in der Schweiz

Die seit Jahren in der Schweiz geltende Verkehrspolitik zielt darauf ab, einen Großteil des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Um die Natur und die Alpenlandschaft vor den verheerenden Auswirkungen des exzessiven Lkw-Verkehrs zu schützen, führte die Schweiz 1985 die LSVA-Kfz-Steuer ein. Sie gilt für alle Lkw und Anhänger mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen. Von dieser Gebühr ausgenommen sind jedoch Fahrzeuge, die den Weg über Eisenbahntransit zurücklegen, sowie Spezialfahrzeuge.

Die Höhe der Steuer hängt vom Gewicht, den gefahrenen Kilometern und der Abgasemissionsklasse ab. Aktuelle LSVA-Sätze nach Preiserhöhungen Anfang 2017 betragen:

– 3,10 Rappen pro Tonnenkilometer für die Tarifklasse 1, d.h. Fahrzeuge der Emissionsklassen EURO 0, 1, 2 und 3, – 2,69 Rappen pro Tonnenkilometer für die Tarifklasse 2, d.h. Fahrzeuge der Emissionsklassen EURO 4 und 5, – 2,28 Rappen pro Tonnenkilometer für die Tarifklasse 3, d.h. Fahrzeuge der Emissionsklassen EURO 6.

Darüber hinaus müssen Lastkraftwagen in der Schweiz eine Jahresvignette besitzen, deren Preis von der Fahrzeugklasse, dem Gewicht und der Aufenthaltsdauer im Hoheitsgebiet abhängt.

Fahrten mit folgenden Tunneln unterliegen einer gesonderten Gebühr:

– Furka, auf der Strecke Realp – Oberwald, – Grand St. Bernard, – Lötschberg, auf der Strecke Kandersteg – Goppenstein, – Lötschberg, auf der Strecke Kandersteg – Iselle (I), – Munt la Schera, der Zernez mit Livigno (Italien) verbindet.

EETS – Europäischer elektronischer Mautdienst

EETS ist ein Service, der die elektronische Erhebung von Mautgebühren für Lastkraftwagen in der Europäischen Union ermöglicht. Dank der neuen Lösung können die Fahrer in ganz Europa frei reisen, und eine interoperative Box wird die Gebühren in einer Währung berechnen. Es wird nicht mehr notwendig sein, mehrere Geräte zu haben, Vignetten zu kaufen oder vor den Schranken Schlange zu stehen. Alle Abrechnungen erfolgen auf einer Rechnung vom ausgewählten Betreiber.

Die europäische Maut ist jedoch optional und ergänzt die auf mautpflichtigen Straßen erhobene elektronische Maut. Der Fahrer wird daher selbst entscheiden können, ob er diese Option in Bereichen nutzen möchte, in denen elektronische Mautsysteme existieren. Er wird auch einen Provider auswählen, mit dem er einen Vertrag unterzeichnen wird.

Lösungen für EETS

Die Unternehemen T-Systems, Daimler AG und DKV Euro Service haben sich zusammengeschlossen, um EETS, den European Electronic Toll Collection Service, vorzubereiten. Ihre Box soll letztlich Mautgebühren EU-weit verwalten. Benutzer sollen das Gerät selbst installieren und zwischen ihren Fahrzeugen übertragen können (der Anschluss wird über die Plug-and-Play-Funktion möglich sein, ohne dass Geräte in speziellen Werkstätten installiert werden müssen). Darüber hinaus wird eine bequeme Online-Registrierung und drahtlose Konfiguration möglich sein.

Auf dem Markt ist kürzlich ein neues Angebot für die Bedienung des EETS-Systems erschienen.

UTA

Eine andere Lösung im EETS-System bietet der UTA-Betreiber. Die Box dieses Unternehmens wird in sieben Ländern, nämlich in Österreich, Italien, Belgien, Spanien, Frankreich, Portugal und Polen (Autobahn A4 auf der Strecke Kraków-Katowice) betrieben. Der Betreiber kündigt an, dass das Gerät zum Ende des ersten Quartals verfügbar sein wird, während es in der zweiten Jahreshälfte 2018 den Einsatzbereich auf deutsche Autobahnen ausweiten wird. Ein Jahr später wird dieser Gruppe Ungarn, Slowenien und das übrige Polen (das mit dem viaToll-System abgedeckt ist) beitreten.

Vialtis Telepass SAT

Vialtis Telepass SAT hat ein Gerät auf den Markt gebracht, das Länder wie Frankreich, Spanien, Italien, Österreich, Belgien, Portugal und Polen (Autobahn A4, Abschnitt Kraków – Katowice) umfasst. Das Unternehmen plant, den Umfang des Geräts im Herbst nach Deutschland zu erweitern.

Shell

Auch Shell präsentierte seine Lösung und bot den Inhabern von euroShell-Flottenkarten ein neues Messgerät an, das sie in sieben Ländern einsetzen können: in Frankreich, Spanien und bald auch in Belgien, Portugal, Österreich, Italien und Deutschland (Herrentunnel).

Wikimedia/Adrian Michael CCA-SA 3.0

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