Die Schweiz will ihr Mautsystem für den Schwerverkehr künftig auch auf Elektrofahrzeuge ausweiten. Der Nationalrat, die große Kammer des Parlaments, sprach sich am 9. März dafür aus, Elektro-LKW ab 2031 in die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) einzubeziehen.
Damit würden erstmals auch emissionsfreie Lastwagen grundsätzlich zur Finanzierung der Straßeninfrastruktur beitragen. Die LSVA wird in der Schweiz abhängig von Fahrleistung, Gesamtgewicht und Emissionsklasse erhoben.
Der Beschluss ist jedoch noch nicht endgültig: Die Vorlage muss noch vom Ständerat, der zweiten Parlamentskammer, beraten werden.
Rabatte sollen Umstieg auf E-LKW erleichtern
Gleichzeitig sieht die Reform Rabatte für Elektro-LKW vor. Diese sollen in den ersten Jahren nach der Einführung gelten, um die höheren Anschaffungskosten der Fahrzeuge abzufedern.
Der Schweizer Nutzfahrzeugverband ASTAG begrüßt insbesondere, dass Höhe und Dauer dieser Rabatte gesetzlich festgeschrieben werden sollen.
„Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen sind seit jeher ein Kernanliegen der Branche“, erklärte ASTAG-Zentralpräsident Thierry Burkart.
Nach Angaben des Verbands sollen Unternehmen damit frühzeitig kalkulieren können, ob sich Investitionen in elektrische Nutzfahrzeuge wirtschaftlich rechnen.
Dekarbonisierung des Schwerverkehrs im Fokus
Die Einbeziehung von Elektro-LKW in die LSVA ist Teil der Schweizer Klimastrategie im Verkehr. Auch emissionsfreie Fahrzeuge nutzen die Infrastruktur und sollen deshalb langfristig an deren Finanzierung beteiligt werden.
Gleichzeitig ist der Umstieg für viele Transportunternehmen wirtschaftlich anspruchsvoll. Nach Branchenangaben kosten Elektro-LKW derzeit etwa zwei bis zweieinhalb Mal so viel wie vergleichbare Diesel-LKW.
Rabatte bei der Maut sollen deshalb als Übergangslösung dienen, bis sich die Kosten zwischen den Antriebstechnologien angleichen.
Kritik an möglichen LSVA-Tarifen für Euro-7-LKW
Neben der Integration von Elektrofahrzeugen sieht der Nutzfahrzeugverband noch Anpassungsbedarf bei den geplanten Tarifen für Euro-7-LKW.
Gerade kleinere Transportunternehmen könnten benachteiligt werden, wenn moderne Diesel-LKW künftig mit zu hohen LSVA-Sätzen belastet würden.
„Auch kleinere Unternehmen müssen die Chance erhalten, auf nachhaltigere Fahrzeuge umzustellen“, sagte Burkart.
Signalwirkung für den europäischen Güterverkehr
Die geplante Einbeziehung von Elektro-LKW in die LSVA zeigt eine Entwicklung, die auch in anderen Ländern zunehmend diskutiert wird. Viele Staaten haben emissionsfreie Lastwagen bisher vollständig oder teilweise von der LKW-Maut befreit, um den Markthochlauf der Technologie zu unterstützen.
Diese Entlastungen sind jedoch in der Regel zeitlich begrenzt. Mit zunehmender Verbreitung von Elektro-LKW wächst der politische Druck, auch diese Fahrzeuge an der Finanzierung der Straßeninfrastruktur zu beteiligen.
Die Schweiz gehört damit zu den ersten Ländern, die ein konkretes Modell für die schrittweise Integration von Elektro-LKW in ein bestehendes Mautsystem vorlegen. Für Speditionen bedeutet das: Langfristig ist damit zu rechnen, dass auch emissionsfreie LKW europaweit in Mautsysteme einbezogen werden, wenn auch meist mit reduzierten Tarifen oder Übergangsregelungen.







