Der Mangel an Berufskraftfahrern ist jetzt auch  in osteuropäischen Ländern mehr als spürbar. Die Ukraine rechnet mit großen Problemen, auch Weißrussland und Russland bereiten sich auf eine Krise vor. Arbeitsmigranten sind ihre letzte Hoffnung.

Der Mangel an Berufskraftfahrern in Europa ist seit Jahren ein wachsendes Problem. Die Öffnung der Grenzen für Mitarbeiter aus osteuropäischen Ländern hat geholfen, aber nur vorübergehend. Alterndes Personal, der Mangel an jungen Mitarbeitern und die Auswanderung nach Westeuropa haben zu einer Krise im Transportgewerbe geführt, die auch die Ukraine in Mitleidenschaft gezogen hat und bald Weißrussland und Russland betreffen wird.

Im Jahr 2013 hat die polnische Verkehrsbehörde (GITD) 5.000 Zertifikate für Fahrer aus Ländern außerhalb der Europäischen Union ausgestellt, im Jahr 2014 – 9.000, im Jahr 2015 – 20.000, im Jahr 2016 – 41.000, im Jahr 2017 – 46.000 2018 –  über 65.000. Kein Wunder, dass es sich lohnt, einen erfahrenen Fahrer aus dem Ausland zu beschäftigen, auch wenn man zusätzlichen Kosten für die Überführung eines Mitarbeiters nach Polen tragen muss.

Die Ressourcen gehen langsam aus

Die Ukraine befindet sich derzeit in einer schwierigen Situation. Je nach Region fehlen im Land ein Dutzend bis zu 120.000 LKW-, Lieferwagen- und Busfahrer. Unternehmen leiden unter einem Personalmangel von 15 bis 20 Prozent. Der Hauptgrund für das Arbeitnehmermangel ist die Massenverlagerung nach Deutschland, Polen und Litauen. Laut Angaben des GITD wurde 2018 über 50.000 ukrainischen Bürgern ein polnischer Führerschein ausgestellt.

Die Internationale Organisation für Migration berichtet, dass die Ukraine  2015 12 Prozent ihrer Belegschaft verloren hat. Die Wirtschaftsmigration kann dazu beitragen, die Bevölkerung der Ukraine in den nächsten drei Jahrzehnten von derzeit 44,2 Millionen auf 36,4 Millionen zu senken.

 Fahrer mehr gefragt als Ärzte und eine Krankenschwestern

Eine Krise droht auch in  Weißrussland. Gegenwärtig gibt es im nationalen Arbeitsregister über 93.000 offene Stellen, von denen die meisten – über 4,5.000 – für LKW-Fahrer gelten. Im Mai belief sich die Zahl der offenen Stellen auf 80.000. Zu den am meisten gefragten Berufe gehören Fernfahrer, die in der EU arbeiten, und junge Transport- und Speditionsfachkräfte.

Offizielle Daten zur Arbeitsmigration zeigen, dass im ersten Quartal 2019 2,2 Tausend Menschen Weißrussland wegen einem Job verließen. Das sind rund 3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die meisten Arbeiter sind  nach Polen, Tschechien, Litauen und Russland gegangen, obwohl die letztere Richtung an Popularität verlor, seit die Russische Föderation einen Handelskrieg mit Europa begann.

Zustrom von Ausländern verschlimmert die Lage

Eine niedrige Geburtenraten und gleichzeitig erhöhte Sterblichkeit führen auch in Russland zu Engpässen. Derzeit ist fast die Hälfte der Berufskraftfahrer in Russland über 45 Jahre alt. LKW-Fahrer unter 35  machen nur 20 Prozent aus.

Der Fahrermangel wurde auch dadurch verschlimmert, dass Transportunternehmen nur ungern Fahrer beschäftigen, die älter als 50 Jahre alt sind. Der Job eine Kraftfahrers ist hart  – in Russland arbeiten Fahrer im Durchschnitt 14 bis 16 Stunden am Tag. Niemand kontrolliert die Regeln in Bezug auf Lenk- und Ruhezeiten – dafür gibt es keine Mittel. Gesundheit und Kraft sind Gold wert.

In der Hoffnung, das Problem zu lösen, öffnete Russland 2017 den Arbeitsmarkt für Mitarbeiter aus dem Ausland – Weißrussland und Kirgisistan. Doch die Auswirkung davon war anders als erwartet. Das Einkommen der Fahrer ist gesunken, die Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert und im Endeffekt hat das zu einem massiven Auswanderung von Arbeitnehmern geführt. Statistiken zeigen, dass der Beruf für junge Mitarbeiter  längst nicht mehr attraktiv ist – 2017 ging die Zahl der Führerscheine der Klasse C von 124,6 Tausend auf 106,4 Tausend zurück, der Klasse D von 42 Tausend auf 37,9 Tausend. Gegenwärtig ist der Mangel an Fahrern in Russland rund um Moskau und in  Zentralrussland am höchsten.

Für Zeitarbeitsunternehmen stehen gute Zeiten an. In Polen gibt es mehrere Agenturen, die Mitarbeiter aus Asien rekrutieren – Nepal, Indien, den Philippinen, Bangladesch, Vietnam, Indonesien und Sri Lanka. Je nach Land erfolgt die Ankunft des Mitarbeiters innerhalb von 4 bis 6 Monaten nach Beginn der Rekrutierungsprozesses.

Foto: Pixabay

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