Nach rund vier Monaten hat Belarus damit begonnen, festgesetzte LKW aus der EU ausreisen zu lassen. Wie die Behörden mitteilen, dürfen Fahrzeuge aus Litauen und Polen das Land wieder verlassen – allerdings nur, wenn zuvor angefallene Standgebühren beglichen werden.
Erste Fahrzeuge haben die Grenze bereits passiert. Der Abfluss läuft jedoch langsam und dürfte sich über Wochen hinziehen.
Tausende Fahrzeuge, Schäden in Millionenhöhe
Wie groß das Ausmaß tatsächlich ist, zeigen unterschiedliche Schätzungen aus der Branche. Die Zahlen variieren je nach Quelle, liegen aber durchweg auf hohem Niveau.
Der litauische Verband Linava spricht von bis zu 1.400 festgesetzten Fahrzeugen. Der belarussische Verband BAMAP nennt rund 1.800 Zugmaschinen und zusätzlich etwa 3.000 Auflieger. Die Internationale Straßentransportunion (IRU) geht insgesamt von rund 2.700 betroffenen Einheiten aus. Ein Teil dieser Fahrzeuge gehört auch zu polnischen Unternehmen.
Der litauische Logistikverband TTLA schätzt, dass allein bei seinen Mitgliedern zuletzt noch knapp 300 Fahrzeuge im Wert von rund 30 Millionen Euro blockiert waren, zuzüglich der angefallenen Standkosten. Insgesamt könnten sich die Verluste der Branche laut Linava auf bis zu 100 Millionen Euro summieren.

Quelle: Belta.by
Hohe Kosten bleiben zentrale Hürde
Die Freigabe der Fahrzeuge ist an Bedingungen geknüpft. Speditionen müssen für die Standzeit zahlen, die sich trotz reduzierter Gebühren pro Fahrzeug auf mehrere tausend Euro belaufen kann.
Gleichzeitig wird die Rückführung selbst zum Engpass. Die Kapazitäten an den Grenzübergängen sind begrenzt, pro Tag kann nur eine überschaubare Zahl an LKW abgefertigt werden kann.

Quelle: Belta.by
Branchenverbände gehen davon aus, dass es Wochen dauern kann, bis alle betroffenen LKW das Land verlassen haben. In dieser Zeit bleibt Kapital gebunden, Fahrzeuge stehen weiterhin nicht zur Verfügung.
Hinzu kommen praktische Probleme: Fahrzeuge müssen teilweise technisch überprüft werden, und nicht überall stehen sofort Fahrer bereit.

Quelle: customs.gov.by
Auswirkungen auf den europäischen Transportmarkt
Auch wenn vor allem litauische und polnische Unternehmen betroffen sind, reichen die Folgen über die Region hinaus. Kapazitäten im Ostverkehr waren monatelang eingeschränkt, Transporte mussten neu organisiert werden.
Für andere europäische Speditionen ergaben sich kurzfristig zusätzliche Aufträge, gleichzeitig bleibt die Planungssicherheit im Ostverkehr eingeschränkt.
Entspannung – aber keine schnelle Lösung
Die Freigabe der LKW wird in der Branche als wichtiger Schritt gewertet. Sie zeigt, dass der politische Druck Wirkung zeigt.
Für viele Unternehmen ist die Krise jedoch noch nicht beendet. Hohe Kosten, gebundene Fahrzeuge und operative Probleme wirken nach und werden den Markt auch in den kommenden Wochen weiter beeinflussen.
Mitarbeit: Artur Lysionok









