Trans.INFO

Diesel in der EU: Zwischen billigster und teuerster Tankstelle liegt fast ein euro pro Liter

Lesezeit 5 Min.

Die Dieselpreise in der EU sind bereits die zweite Woche in Folge gesunken. Für Transport- und Logistikunternehmen ist das jedoch keine Entwarnung: Der Markt bleibt volatil, und in zahlreichen Mitgliedstaaten laufen staatliche Entlastungsmaßnahmen in den kommenden Wochen aus.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der durchschnittliche Dieselpreis in der EU ist innerhalb einer Woche um 1,9 Prozent auf 1,863 Euro je Liter gesunken.
  • Trotz des Rückgangs liegt das Preisniveau weiterhin 14 Prozent über dem Referenzwert vom 27. Februar.
  • Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Dieselmarkt in der EU liegt weiterhin fast ein Euro pro Liter.
  • Mehrere nationale Entlastungsmaßnahmen und Steuervergünstigungen laufen im Juni aus.
  • Für Speditionen drohen dadurch erneut steigende Kraftstoffkosten.

Wie aus dem aktuellen Marktupdate der International Road Transport Union (IRU) hervorgeht, setzt sich der Preisrückgang bei Diesel fort. Nachdem die Kraftstoffkosten seit Ende Februar deutlich gestiegen waren, liegt der durchschnittliche Dieselpreis in der EU nun bei 1,863 Euro je Liter.

Trotz der jüngsten Entspannung bleibt das Niveau hoch. Nach Angaben der IRU liegt der EU-Durchschnitt weiterhin rund 14 Prozent über dem Referenzwert vom 27. Februar. Gleichzeitig bestehen innerhalb Europas nach wie vor erhebliche Preisunterschiede.

Fast ein Euro Unterschied pro Liter

Am teuersten ist Diesel derzeit in Dänemark und den Niederlanden mit jeweils 2,189 Euro je Liter. Es folgen Finnland mit 2,080 Euro, Belgien mit 2,060 Euro sowie Frankreich mit 2,033 Euro je Liter.

In Deutschland lag der durchschnittliche Dieselpreis im Mai nach Angaben des ADAC bei 1,991 Euro je Liter. Damit liegt Deutschland weiterhin über dem aktuellen EU-Durchschnitt von 1,863 Euro je Liter.

Am anderen Ende der Skala liegt Malta mit 1,210 Euro je Liter. In Polen kostet Diesel aktuell 1,487 Euro, in Tschechien 1,586 Euro je Liter.

Damit beträgt die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Markt innerhalb der EU weiterhin nahezu einen Euro pro Liter – ein erheblicher Wettbewerbsfaktor für international tätige Transportunternehmen.

Auch im Vereinigten Königreich bleibt das Preisniveau hoch. Dort liegt Diesel laut IRU aktuell bei 1,82 Pfund je Liter und damit rund 29 Prozent über dem Referenzwert vom 27. Februar.

Rohöl etwas günstiger, Markt bleibt volatil

Für leichte Entlastung sorgte zuletzt die Entwicklung am Rohölmarkt. Der Brent-Preis lag am 5. Juni bei rund 95 Pfund je Barrel und damit etwa drei Prozent unter dem Niveau vom 22. Mai.

Die Schwankungen bleiben jedoch erheblich. Nach Angaben der IRU bewegte sich der Brent-Preis innerhalb einer Woche zwischen rund 91 und 99 Pfund je Barrel.

Auslaufende Entlastungen als neues Risiko

Für den Straßengüterverkehr könnte sich der Fokus der Preisentwicklung zunehmend von den Rohölmärkten auf politische Entscheidungen verlagern.

Viele europäische Staaten hatten während des Preisschocks mit zeitlich befristeten Steuererleichterungen, Preisbremsen oder speziellen Unterstützungsmaßnahmen für das Transportgewerbe reagiert. Ein Teil dieser Maßnahmen läuft nun aus.

In Italien endete die Senkung der Verbrauchsteuer am 6. Juni. In Polen, Litauen und Kroatien stehen die jeweiligen Entlastungsprogramme Mitte Juni zur Überprüfung an.

In einer größeren Gruppe von Ländern – darunter Deutschland, Spanien, Österreich, Ungarn, Tschechien und Lettland – laufen die aktuellen Unterstützungsmaßnahmen nach derzeitiger Planung Ende Juni aus, sofern keine Verlängerung beschlossen wird.

Höhere Preise auch ohne steigendes Rohöl

Selbst bei stabilen Rohölpreisen könnten die Kraftstoffpreise dadurch wieder deutlich anziehen.

Die IRU geht davon aus, dass der Wegfall der italienischen Steuererleichterung den Dieselpreis um etwa zehn Cent je Liter erhöhen könnte. In anderen Märkten werden mögliche Preisaufschläge von 14 bis 20 Cent je Liter erwartet.

Für Speditionen ist die Situation besonders kritisch, wenn bestehende Transportverträge die aktuellen Kraftstoffkosten nicht zeitnah oder vollständig abbilden.

Nach Angaben der IRU sind die Vertragsraten in den sechs größten europäischen Frachtmärkten seit Beginn der Krise um rund drei Prozent gestiegen. Die Spotraten legten dagegen um etwa sechs Prozent zu. Ein erheblicher Teil der zusätzlichen Kraftstoffkosten bleibt damit weiterhin bei den Transportunternehmen hängen.

EU-Kommission bestätigt Preisrückgang

Auch das aktuelle Öl-Bulletin der Europäischen Kommission zeigt zu Beginn des Juni sinkende Kraftstoffpreise in der EU-27. Demnach verbilligte sich Diesel um 2,62 Prozent, Benzin um 2,11 Prozent.

Entlastung ja – Entwarnung nein

Der unmittelbare Preisdruck hat zwar etwas nachgelassen. Für den Straßengüterverkehr bleibt die Lage jedoch angespannt. Während die Rohölpreise zuletzt rückläufig waren, könnten auslaufende Steuervergünstigungen und Entlastungsprogramme in mehreren EU-Staaten die Kraftstoffkosten erneut steigen lassen.

Für Speditionen und Logistikunternehmen bleiben eine flexible Kostenplanung und ein enges Monitoring der nationalen Maßnahmen daher entscheidend.

Tags:

Auch lesen