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Trotz sinkendem Brent: Dieselpreise in der EU weiter über Vorkrisenniveau

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Obwohl der Rohölpreis zuletzt unter das Vorkrisenniveau gefallen ist, kommt die Entlastung bei Transportunternehmen in Europa bislang kaum an. Der aktuelle Marktbericht der IRU zeigt: Diesel bleibt in der EU deutlich teurer als vor dem Krieg – und der Rückzug staatlicher Steuerhilfen verschärft die Lage zusätzlich.

Dieser Text wurde vollständig von einem Redakteur verfasst – basierend auf fachlichem Wissen, journalistischer Erfahrung und sorgfältiger Recherche. Künstliche Intelligenz kam dabei nicht zum Einsatz.

Nach Angaben der IRU lag Brent am 3. Juli bei 72,49 US-Dollar je Barrel und damit 0,7 Prozent unter dem Referenzwert vom 27. Februar. Beim Diesel zeigt sich dagegen das Gegenteil: Der EU-gewichtete Durchschnitt stieg auf 1,766 Euro je Liter – 8,1 Prozent über derselben Vergleichsbasis.

Ein Grund für diese gegenläufige Entwicklung ist laut IRU das Auslaufen von Entlastungsmassnahmen in wichtigen Märkten. In Deutschland endete zum 30. Juni die Energiesteuersenkung um 0,14 Euro je Liter. Ebenfalls zum 30. Juni liefen in Spanien sowohl die Mehrwertsteuerentlastung auf Diesel als auch die Unterstützung über die professionelle Tankkarte in Höhe von 0,20 Euro je Liter aus.

Für viele Flotten entsteht damit ein ungünstiger Zeitversatz: Während sich die Rohölnotierungen entspannen, werden steuerliche Stützen bereits zurückgenommen – noch bevor sich die Lage im Produktmarkt vollständig normalisiert hat.

EU-Diesel wird teurer – obwohl Brent nachgibt

Die IRU beziffert den wöchentlichen Anstieg des EU-Diesel-Durchschnitts auf 1,4 Prozent. Im selben Zeitraum fiel Brent um 3,5 Prozent.

Für Einkäufer heisst das: Wer Kraftstoffkosten prognostizieren will, kann sich nicht allein am Rohöl orientieren. Raffineriemargen, Bestände bei Mitteldestillaten, Steuern und nationale Unterstützungsprogramme beeinflussen, wie schnell niedrigere Ölpreise an der Zapfsäule ankommen.

Unverändert gross bleibt zudem die Preisspanne innerhalb der EU. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Markt liegen laut IRU weiterhin rund 0,90 Euro je Liter – die Wahl des Tankorts bleibt für international tätige Unternehmen damit ein relevanter Hebel.

Am oberen Ende der IRU-Liste stehen die Niederlande mit 2,114 Euro je Liter. Es folgen Dänemark mit 2,038 Euro, Finnland mit 1,968 Euro, Belgien mit 1,894 Euro sowie Frankreich mit 1,892 Euro.

Deutlich niedriger lagen Malta mit 1,210 Euro je Liter, Tschechien mit 1,461 Euro und Spanien mit 1,532 Euro. Die IRU weist allerdings darauf hin, dass Spaniens Vorteil schrumpfen könnte, sobald sich das Ende der Entlastungspakete stärker in den Tankstellenpreisen niederschlägt.

Im Vereinigten Königreich bleibt der Kostendruck ebenfalls hoch. Die IRU nennt dort einen Dieselpreis von 1,65 britischen Pfund je Liter – 17 Prozent über dem Referenzwert vom 27. Februar. Damit liegt das Kostenniveau für britische Transportunternehmen deutlich höher, als es der Blick auf den Rohölpreis allein vermuten lässt.

Ein ähnliches Muster zeigt sich auch außerhalb Europas. In den USA lag Diesel laut IRU bei 1,282 US-Dollar je Liter, 25,5 Prozent über der Vergleichsbasis, obwohl WTI-Rohöl deutlich näher an seinem Vorkriegsniveau notiert.

Die IRU wertet dies als Hinweis darauf, dass Dieselpreise auf dem Weg nach unten hinter dem Rohöl zurückbleiben. Effekte in der Raffinerieproduktion, Margen bei Destillaten und der Wiederaufbau von Lagerbeständen bremsen demnach die Weitergabe an die Betreiber.

Deutschland: Diesel an der Zapfsäule bleibt auf hohem Niveau

Auch in Deutschland zeigt sich, dass sinkende Rohölpreise bislang nur begrenzt bei den Transportunternehmen ankommen. Nach aktuellen Marktdaten vom 6. Juli liegt der bundesweite Durchschnittspreis für Diesel an der Tankstelle bei rund 1,90 Euro je Liter. Gleichzeitig notiert der Rohölpreis leicht unter dem Niveau der vergangenen Tage, was sich erfahrungsgemäß erst mit einer Verzögerung von 24 bis 48 Stunden an den Zapfsäulen bemerkbar macht.

Für Speditionen bedeutet das: Die Entwicklung des Rohölpreises allein reicht für die Kalkulation der Kraftstoffkosten nicht aus. Maßgeblich sind die tatsächlichen Dieselpreise an der Tankstelle, die neben dem Rohölpreis auch von Raffineriemargen, Steuern, Logistikkosten und der Marktnachfrage beeinflusst werden.

Steuertermine werden zum Kostenrisiko

Der IRU-Bericht legt nahe, dass sich das kurzfristige Risiko für Betreiber zunehmend vom Rohölmarkt hin zum politischen Kalender verlagert.

Dort, wo Hilfen enden, kann es unmittelbar zu einem Kostensprung von etwa 0,14 bis 0,20 Euro je Liter kommen – noch bevor eine spätere Entspannung am Markt überhaupt spürbar wird.

Das ist besonders relevant für grenzüberschreitend tätige Unternehmen, die ihre Tankstopps strategisch planen können. Gleichzeitig werden Dieselzuschläge in Verträgen komplizierter – vor allem dann, wenn sie an Rohölindizes gekoppelt sind und nicht an die tatsächlichen Preise an der Zapfsäule.

Einige Länder gehen allerdings den umgekehrten Weg. Schweden hat laut IRU zusätzliche Entlastungen eingeführt – darunter eine Energiesteuersenkung um 0,82 schwedische Kronen je Liter bis zum 30. September sowie eine Senkung der CO2-Steuer vom 1. Juli bis zum 30. November. Norwegen hält die Entlastung bei der Straßenbenützungsabgabe aufrecht und hat zudem die Dieselabgabe gesenkt; die regulären Sätze sollen am 1. September zurückkehren.

Die Niederlande haben den reduzierten Verbrauchsteuersatz bis zum 1. Januar 2027 verlängert, die Unterstützung jedoch nicht weiter ausgebaut.

Gas und AdBlue bleiben zusätzliche Kostentreiber

Zudem warnt die IRU, dass sich Gaspreise inzwischen vom Rohöl entkoppeln. Der niederländische TTF-Gaspreis lag am 3. Juli bei 44,22 Euro je Megawattstunde – 8,4 Prozent höher als in der Vorwoche und 38,4 Prozent über dem Referenzwert vom 27. Februar.

Für den Straßengüterverkehr ist das doppelt relevant: direkt für LNG-Flotten und indirekt über AdBlue. Die IRU nennt branchenübliche AdBlue-Preise von etwa 0,65 bis 0,90 Euro je Liter im Bulk sowie 0,90 bis 1,20 Euro je Liter an der Zapfsäule.

Unterm Strich ergibt sich für den Juli ein gemischtes Kostenbild: Rohöl ist günstiger geworden, doch Diesel, nationale Steueränderungen und gaspreisabhängige Inputs verhindern bislang einen klaren Rückgang der Betriebskosten.

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