Wagner, der im Internet unter dem Namen „Elektrotrucker“ bekannt ist, brach am 20. September von der IAA Transportation in Hannover auf. Bis zum 28. September hatte er nach Angaben der österreichischen Fachzeitschrift ÖVZ bereits fast 1.000 Kilometer zurückgelegt.

Tobias Wagner neben dem Mercedes-Benz eActros 600 beim Start seiner Weltreise
Die Tour soll ungefähr ein Jahr dauern und rund 30 Länder in Europa, Asien, Australien, Nord- und Südamerika umfassen. Mercedes-Benz Trucks bezeichnet das Projekt als ersten Versuch, die Welt mit einem batterieelektrischen Fernverkehrs-Lkw zu umrunden.
Von europäischen Autobahnen bis nach Zentralasien

Die geplante Route des eActros 600 durch Europa, Asien, Australien sowie Nord- und Südamerika
Der erste Abschnitt führt Wagner von Deutschland über Tschechien, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien in die Türkei. Ab Mitte Oktober sind Etappen durch Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan, Kasachstan und China geplant, bevor die Route über Laos, Thailand und Malaysia nach Singapur führt.

Der Mercedes-Benz eActros 600 mit Expeditionsaufbau neben einem Waldgebiet
Auch Australien, die Vereinigten Staaten und mehrere Länder in Lateinamerika stehen auf dem Plan. Mercedes-Benz Trucks weist jedoch darauf hin, dass sich die genaue Route im Verlauf der Expedition noch ändern kann.
Die Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Aspekt der Reise. Bei rund 45.000 Kilometern und weniger als 80 geplanten Ladestopps ergibt sich rechnerisch ein Durchschnitt von mehr als 560 Kilometern pro Ladung. Der Lkw wird zwischen den Kontinenten teilweise per Schiff weitertransportiert.

Tobias Wagner fährt den Mercedes-Benz eActros 600 während seiner elektrischen Weltreise
Zusätzlich ist das Expeditionsfahrzeug mit einer eigenen Gleichstrom-Ladestation von Alpitronic ausgestattet. Neben dem üblichen Laden über CCS mit bis zu 400 kW kann Wagner das Fahrzeug damit auch an Wechselstromanschlüssen mit bis zu 43 kW laden, wenn vor Ort keine geeignete öffentliche Schnellladestation verfügbar ist.
Vom Serien-Lkw zum Expeditionsfahrzeug
Technische Basis ist ein serienmäßiger eActros 600 4×2 aus dem Mercedes-Benz-Trucks-Werk in Wörth. Für die Weltreise wurde der Lkw unter anderem mit zwei Reserveradhaltern, Einzelbereifung und zusätzlicher Beleuchtung sowie einem speziell entwickelten Camperaufbau von Bliss Mobil ausgestattet.
DHL unterstützt das Projekt bei den Seetransporten zwischen den Kontinenten und übernimmt bei Bedarf auch die logistische Organisation von Ersatzteilen.
Der eActros 600 verfügt über drei Batteriepakete mit jeweils 207 kWh und kommt damit auf eine installierte Kapazität von 621 kWh. Mercedes-Benz Trucks nennt unter eigenen Testbedingungen eine Reichweite von rund 500 Kilometern bei einem Gesamtzuggewicht von 40 Tonnen. In der energieeffizientesten Konfiguration sollen bis zu 560 Kilometer möglich sein.

Der Mercedes-Benz eActros 600 fährt während seiner Weltreise über eine Autobahn
Für Wagner ist der elektrische Fernverkehr kein Neuland. Als Berufskraftfahrer beim deutschen Transportunternehmen Nanno Janssen hat er nach eigenen Angaben bereits rund 200.000 Kilometer elektrisch im nationalen und internationalen Fernverkehr zurückgelegt.
Die Expedition soll nicht nur zeigen, was der Elektro-Lkw leisten kann. Sie soll auch sichtbar machen, wo der batterieelektrische Fernverkehr in der Praxis an Grenzen stößt – etwa in unterschiedlichen Klimazonen, auf anspruchsvollem Gelände oder wegen lückenhafter Ladenetze.
Mercedes-Benz Trucks will mit dem Projekt dokumentieren, auf welchen Strecken der elektrische Fernverkehr bereits funktioniert und wo die Infrastruktur noch zum Hindernis wird. Wagner versteht die Tour zugleich als Praxistest dafür, wie weit die Technologie außerhalb etablierter europäischer Transportrouten eingesetzt werden kann.

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