- MAN und Scania präsentierten batterieelektrische Fernverkehrsmodelle mit einer Reichweite von bis zu 720 Kilometern.
- Der E-Tech T 780 von Renault Trucks schafft bis zu 660 Kilometer, während Volvo Elektro-Lkw für Gespanne mit einem Gesamtgewicht von bis zu 80 Tonnen vorstellt.
- Mercedes-Benz erweitert den eActros um eine Lowliner-Variante für den volumenorientierten Transport.
- DAF baut sein Angebot an elektrischen Fahrgestellen und Achskonfigurationen deutlich aus.
- Chinesische Hersteller lösen sich vom reinen Van- und Nischenangebot und drängen nun auch in den europäischen Schwerlastverkehr.
- MAXUS steigt mit dem eDELIVER 420L in die Klasse der 42-Tonnen-Elektrosattelzugmaschinen ein. FOTON zeigt mit dem CAVAN BEACON eine neue Plattform für schwere Lkw.
- SANY bringt fünf Elektro-Lkw für Europa, während Dongfeng auf Wasserstoff und Skyworth auf automatisiertes Fahren setzt.
MAN und Scania stellten batterieelektrische Fernverkehrsvarianten mit einer angekündigten Reichweite von bis zu 720 Kilometern vor. Renault Trucks zeigte den E-Tech T mit bis zu 660 Kilometern Reichweite. Volvo setzt batterieelektrische Antriebe zudem in Gespannen mit einem Gesamtgewicht von bis zu 80 Tonnen ein. Gleichzeitig präsentierten FOTON, SANY, MAXUS, Dongfeng und Skyworth Fahrzeuge, mit denen chinesische Marken im europäischen Straßengüterverkehr sichtbarer werden wollen.
MAN hebt die Reichweite des eTGX auf 720 Kilometer

Neuer MAN eTGX. Bild: MAN Truck & Bus
MAN präsentierte eine überarbeitete Generation des eTGX. Verbesserte Aerodynamik, eine optimierte Rekuperation und eine neue Batteriegeneration erhöhen die nutzbare Energiemenge um bis zu 10 Prozent.
Die 4×2-Sattelzugmaschine erreicht je nach Ausführung bis zu 660 Kilometer. Bei der neuen 6×2-Version mit einer siebten Batterie steigt die angekündigte Reichweite auf bis zu 720 Kilometer.
Nach Angaben von MAN arbeitet der überarbeitete Lkw außerdem rund 3 Prozent effizienter. Trotz der zusätzlichen Batteriekapazität hat die 4×2-Sattelzugmaschine ein Leergewicht von 10,7 Tonnen. Mit einem herkömmlichen Sattelauflieger sind Nutzlasten von bis zu 25 Tonnen möglich.
MAN produziert den eTGX und den eTGS bereits für das Megawatt-Ladesystem. Dabei sollen sich die Batterien in etwa 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden lassen.
Scania bringt zusätzliche Batterien hinter dem Fahrerhaus unter

Batterieelektrischer Scania für den Fernverkehr. Bild: Scania
Scania verfolgt bei der Reichweitensteigerung einen anderen Ansatz. Auch die jüngste batterieelektrische Fernverkehrskonfiguration soll bis zu 720 Kilometer Reichweite bieten. Dafür sind zusätzliche Akkupakete hinter dem Fahrerhaus sowie auf und unter dem Fahrgestell untergebracht. In einer typischen Ausführung liefern zwei zusätzliche MP20-Batterien hinter der Kabine eine installierte Kapazität von rund 356 Kilowattstunden.
Mit dieser Anordnung will Scania eine praxistaugliche 6×2*4-Sattelzugmaschine für den europäischen Markt mit Auflieger ermöglichen und zugleich mehr Energie an Bord bringen. Auch dieses Fahrzeug ist für das Megawatt-Ladesystem vorbereitet.
Ein verlängertes Frontmodul trägt ebenfalls zur Effizienz bei. Je nach Ausstattung und Einsatz sollen die aerodynamischen Änderungen den Energieverbrauch um bis zu 3 Prozent senken.
Mercedes-Benz richtet den eActros auf den Volumentransport aus

Mercedes-Benz eActros Lowliner. Bild: Trans.iNFO
Mercedes-Benz Trucks nutzt die IAA, um die eActros-Familie für einen weiteren Einsatzbereich auszubauen. Der neue eActros Lowliner ist für Transporte konzipiert, bei denen eine niedrige Sattelkupplung erforderlich ist. Dadurch können Betreiber Megatrailer einsetzen und den verfügbaren Laderaum besser nutzen.
Technisch greift das Modell auf Lösungen des eActros 600 zurück. Dazu gehören ein 800-Volt-System, Lithium-Eisenphosphat-Batterien und eine elektrische Antriebsachse.
Der Lowliner wird mit zwei oder drei Batteriepaketen angeboten. Die Variante mit drei Akkus verfügt über eine installierte Kapazität von 621 Kilowattstunden und soll rund 500 Kilometer weit fahren.
Die Serienproduktion im Mercedes-Benz-Trucks-Werk Wörth soll im zweiten Quartal 2027 anlaufen.
Volvo elektrifiziert Gespanne bis 80 Tonnen

Volvo FH Electric für schwere Gespanne. Bild: Volvo Trucks
Volvo Trucks erweitert den Einsatzbereich seiner Elektro-Lkw auf deutlich schwerere Kombinationen. Die neue Ausführung des FH Electric ist für Gespanne mit einem Gesamtgewicht von bis zu 80 Tonnen ausgelegt. Im Mittelpunkt stehen Märkte, in denen solche höheren Gewichte bereits zulässig sind.
Der Lkw verfügt über eine nutzbare Batteriekapazität von 640 Kilowattstunden. Volvo nennt eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern bei einem Gesamtgewicht von 64 Tonnen. Bei 74 oder 76 Tonnen Gesamtgewicht sollen noch rund 420 Kilometer möglich sein.
Für das Laden stehen Anschlüsse nach CCS2 sowie das Megawatt-Ladesystem zur Verfügung. Darüber hinaus bestätigte der Hersteller den Start der Serienproduktion seiner neuesten Elektro-Fernverkehrsgeneration. Dazu gehört der FH Aero Electric mit Extended Range, der bis zu 700 Kilometer mit einer Ladung zurücklegen kann.
Renault Trucks zeigt den E-Tech T 780 mit 660 Kilometern Reichweite

Renault Trucks E-Tech T 780. Bild: Trans.iNFO
Das wichtigste Fernverkehrsmodell am Stand von Renault Trucks war der E-Tech T 780. Die elektrische Sattelzugmaschine soll mit einer Ladung bis zu 660 Kilometer schaffen. Die volle Nutzlast und die Kompatibilität mit vorhandenen Sattelaufliegern bleiben dabei erhalten. Renault Trucks reagiert damit auf zwei Faktoren, die den Einsatz batterieelektrischer Zugmaschinen auf langen Strecken bislang erschwert haben.
In Hannover stellte Renault Trucks außerdem seine Dieselbaureihe für das Modelljahr 2027 vor. Der neue DE13 R und das aktuelle Optidriver-Getriebe werden für die Baureihen T, T High, C und K erhältlich sein. Gegenüber der vorherigen Generation verspricht der Hersteller Einsparungen beim Kraftstoffverbrauch von bis zu 4 Prozent.
Im leichteren Elektrosegment zeigte Renault Trucks zudem neue E-Tech-D-Verteilerfahrzeuge und den batterieelektrischen E-Tech Trafic.
DAF erweitert das Elektroangebot weit über die 4×2-Sattelzugmaschine hinaus

DAF konzentrierte sich auf der IAA weniger auf einen einzelnen Reichweitenrekord. Stattdessen zeigte der Hersteller, wie sich Elektro-Lkw für unterschiedliche Transportaufgaben konfigurieren lassen. Neu im batterieelektrischen Programm sind elektrische Varianten des XG und XG+. Außerdem kommen neue 6×2-Sattelzugmaschinen mit gelenkter Vor- oder Nachlaufachse hinzu.
Bei den elektrischen Fahrgestellen reicht das Angebot nun von 6×2 über 6×4 bis 8×4. Für BDF-Wechselbrücken entwickelte DAF eigene Fahrgestelle.
Bei einigen Modellen wurde zudem die Position der Batterien verändert, um die Achslastverteilung zu verbessern. Werden die Akkus unter dem Fahrerhaus entfernt und bis zu vier Batteriepakete weiter hinten montiert, kann die verfügbare Nutzlast in bestimmten Konfigurationen um bis zu 2,5 Tonnen steigen.
Im Dieselbereich präsentierte DAF außerdem ein neues fünfachsiges 10×4-Fahrgestell der Baureihen XD oder XF. Das technisch zulässige Gesamtgewicht beträgt bis zu 54 Tonnen.
BYD steigt in den europäischen Schwerlastverkehr ein
BYD stellte auf der IAA den ETT 44 vor, eine elektrische 4×2-Sattelzugmaschine für Europa mit einem Gesamtgewicht von 44 Tonnen. Das Fahrzeug nutzt eine Blade Battery mit 651 Kilowattstunden und kann mit bis zu 1,5 Megawatt geladen werden. Bei einer Megawatt-Ladung soll sich der Ladezustand in etwa 20 Minuten von 20 auf 80 Prozent erhöhen lassen.

BYD ETT 44. Bild: BYD
FOTON bringt die Plattform CAVAN BEACON nach Europa
BAIC FOTON nutzte die IAA für die Weltpremiere des CAVAN BEACON. Die Plattform für schwere Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ist für mehrere Antriebskonzepte ausgelegt – darunter Batterieelektrik, Batteriewechsel und Wasserstoffsysteme.
Die batterieelektrische Variante soll eine Reichweite von mehr als 600 Kilometern bieten. Die Plattform ist außerdem für Ladeleistungen von mehr als einem Megawatt ausgelegt. FOTON zeigte zusätzlich Wasserstoffversionen, die für deutlich längere Distanzen gedacht sind.
Für europäische Betreiber könnte neben dem Fahrzeugangebot vor allem die im Aufbau befindliche Vertriebs- und Servicebasis relevant sein. Nach Angaben von FOTON ist die Marke bereits in fast 20 europäischen Märkten aktiv und verfügt über mehr als 300 Servicestandorte. Bis 2028 sollen ein europäisches Technologiezentrum und eine lokale Montage hinzukommen.
MAXUS steigt in die 42-Tonnen-Klasse auf

MAXUS eDELIVER 420L. Bild: Trans.iNFO
MAXUS, eine Marke des chinesischen SAIC-Konzerns, geht ebenfalls deutlich über das bisherige Geschäft mit leichten Nutzfahrzeugen hinaus. Der eDELIVER 420L feierte in Hannover seine Europapremiere. Die batterieelektrische Sattelzugmaschine ist für ein Gesamtgewicht von 42 Tonnen und den Fernverkehr ausgelegt.
Das Fahrzeug basiert auf der modularen AILink-Plattform von SAIC und verfügt über eine 615-Kilowattstunden-Batterie von CATL. MAXUS zufolge lässt sich der Akku in rund 25 Minuten von 20 auf 80 Prozent laden.
Außerdem nutzt der eDELIVER 420L eine Rekuperation mit fünf Stufen. Damit erweitert MAXUS sein Angebot, das in Europa bislang vor allem für elektrische Vans bekannt war, in Richtung Schwerlastverkehr.
Neben der schweren Zugmaschine zeigte MAXUS den kleineren eDELIVER 75, einen Elektro-Lkw mit 7,5 Tonnen für den Verteilerverkehr.
SANY bringt fünf Elektro-Lkw für Europa

SANY e263S 4×2. Bild: Trans.iNFO
SANY trat auf der IAA nicht mit einem einzelnen Spitzenmodell auf, sondern mit einer ungewöhnlich breiten Palette. Das europäische eTruck-Programm umfasst fünf batterieelektrische Modelle für Logistik, Bau und kommunale Anwendungen.
Die 4×2-Sattelzugmaschine e263S ist für Gespanne bis 42 Tonnen ausgelegt und verfügt über eine 636-Kilowattstunden-LFP-Batterie. Zum Programm gehören außerdem der e263R als Fahrgestell, die 6×2-Modelle e360 und e363 sowie das 8×4-Baufahrzeug e435.
SANY zufolge verfügen die Fahrzeuge bereits über eine europäische Gesamtfahrzeug-Typgenehmigung. Die Expansion wird durch Putzmeister und ein Netzwerk von rund 650 Alltrucks-Werkstätten unterstützt. Nach eigenen Angaben hat der Hersteller weltweit bereits mehr als 50.000 Elektro-Lkw in Betrieb gebracht.
Dongfeng setzt auf Wasserstoff

Wasserstoff-Lkw von Dongfeng auf der IAA 2026. Bild: Trans.iNFO
Dongfeng schlug einen anderen Weg ein als die meisten Hersteller mit ihren Batteriepremieren. Der chinesische Konzern trat auf der IAA Transportation erstmals auf und präsentierte drei wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge, die neue Energieplattform T1 sowie als Weltpremiere ein Brennstoffzellensystem für Fahrzeuge mit einer Leistung von 400 Kilowatt.
Die T1-Plattform bündelt Brennstoffzelle, Wasserstoffspeicher, Traktionsbatterie, Elektroantrieb, zentrale Steuerung und Thermomanagement in einer modularen Architektur.
Für die entsprechende Ausführung gibt Dongfeng eine Reichweite von bis zu 1.700 Kilometern zwischen zwei Tankvorgängen an. Solche Spitzenwerte hängen allerdings stark von Fahrzeugkonfiguration, Tankvolumen, Ladung und Einsatzbedingungen ab.
Der Auftritt ist nicht als unmittelbare Ankündigung eines europäischen Verkaufsstarts für ein bestimmtes Modell zu verstehen. Vielmehr zeigt Dongfeng, welche Rolle Wasserstoff künftig im Schwerlast- und Fernverkehr spielen könnte.
Skyworth entwickelt den autonomen Güterverkehr
Der Z9 von Skyworth gehört zu den ungewöhnlicheren schweren Lkw der diesjährigen Messe. Die batterieelektrische 6×4-Sattelzugmaschine besitzt eine 400-Kilowattstunden-LFP-Batterie und zwei Elektromotoren mit zusammen 610 Kilowatt Leistung.
Das wichtigste Merkmal ist jedoch die Automatisierung. Der Z9 ist für autonomes Fahren nach Level 4 ausgelegt und nutzt fünf Lidar-Sensoren, fünf Millimeterwellenradare sowie zehn HD-Kameras.
Skyworth sieht den Einsatz vor allem in kontrollierten Bereichen wie Häfen, Stahlwerken, Bahnterminals und festgelegten Logistikkorridoren. Der klassische, fahrerbediente Fernverkehr steht dagegen nicht im Mittelpunkt. Nach Angaben des Herstellers könnte ein Bediener über das Flottenmanagement bis zu 18 autonome Fahrzeuge überwachen.
FAW und Farizon unterstreichen ihre Europa-Ambitionen

Aktueller FAW-Lkw. Bild: Trans.iNFO
FAW Trucks zeigte den TL.X Visionary Concept Truck. Das zukunftsorientierte schwere Fahrzeug ist auf einen Designhorizont bis 2036 ausgelegt. Kurzfristig wichtiger ist jedoch die CORTRON-CS-Baureihe mit Dieselzugmaschinen und dem batterieelektrischen CS925.
Farizon, die Nutzfahrzeugmarke des Geely-Konzerns, brachte den Homtruck nach Europa. Der elektrische Schwerlast-Lkw wurde mit einer Batterie von etwa 600 Kilowattstunden und einer angekündigten Reichweite von mehr als 500 Kilometern vorgestellt.
Vorerst handelt es sich beim Homtruck jedoch um eine Europapremiere und noch nicht um die Bestätigung eines vollständigen Verkaufsstarts. Angaben zu endgültiger Marktspezifikation und Verfügbarkeit stehen noch aus.
Der Lkw-Markt wird dichter besetzt
Auch Teslas Semi war auf der IAA Teil dieses Gesamtbilds. Das Unternehmen bestätigte europäische Auslieferungen ab 2027. Gleichzeitig zeigt die Einführung des BYD ETT 44, wie schnell chinesische Hersteller in Fahrzeugklassen vordringen, die lange fast vollständig von den etablierten europäischen Lkw-Marken geprägt wurden.
Auffällig ist in Hannover deshalb weniger ein einzelner Durchbruch als vielmehr die Zahl der Hersteller, die den elektrischen Schwerlastverkehr in immer mehr Einsatzbereichen nutzbar machen wollen.
Die Reichweiten steigen, Megawatt-Ladetechnik hält Einzug in Serienfahrzeuge, und Elektro-Lkw werden für höhere Gesamtgewichte sowie spezielle Transportaufgaben ausgelegt. Gleichzeitig rücken Nutzlast, Auflieger-Kompatibilität, Servicenetze und Ladeinfrastruktur stärker in den Mittelpunkt.
Mit FOTON, MAXUS, SANY, Dongfeng, Skyworth, FAW und Farizon sind neben BYD zahlreiche weitere chinesische Marken auf dem europäischen Markt präsent. Die etablierten Lkw-Hersteller Europas konkurrieren bei der Entwicklung des Elektrosegments damit nicht mehr nur untereinander.









