Der S&P Global Eurozone Manufacturing PMI gab gegenüber Mai leicht von 51,6 auf 51,4 Punkte nach. Damit liegt der Index bereits den fünften Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Hinter dem Gesamtwert zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Während die Produktion weiter zulegte, gingen die Exportaufträge bereits den zweiten Monat in Folge zurück.
Im Ländervergleich erreichten die Niederlande, das Vereinigte Königreich und Italien die höchsten Werte – jeweils mit leicht rückläufiger Tendenz. Deutschland bewegte sich nur knapp über der Stagnationsgrenze. Den stärksten Rückgang verzeichnete Polen.
Eurozone: Produktion wächst, Exportgeschäft bleibt Schwachpunkt
Die Industrie in der Eurozone blieb im Juni auf Wachstumskurs, verlor jedoch leicht an Dynamik. Der Gesamtindex sank auf 51,4 Punkte, während der Produktionsindex von 51,3 auf 51,7 Punkte stieg. Nach Angaben von S&P Global nahm die Industrieproduktion damit bereits den sechsten Monat in Folge zu.
Lediglich Spanien und Frankreich meldeten im Juni kein Produktionswachstum.
Auch die Neuaufträge entwickelten sich leicht positiv, nachdem sie im Mai nahezu stagniert hatten. Anders sieht es beim Auslandsgeschäft aus: Die Exportaufträge – einschließlich des Handels innerhalb der Eurozone – gingen erneut zurück. Für den europäischen Straßengüterverkehr ist das ein entscheidender Unterschied: Mehr Produktion bedeutet nicht automatisch mehr internationale Transporte.
Auch bei Einkauf und Lagerhaltung blieb die Industrie vorsichtig. Die Unternehmen reduzierten ihre Beschaffung von Vorprodukten und griffen stärker auf bestehende Lagerbestände zurück. Die Lager vor der Produktion schrumpften so stark wie seit Januar nicht mehr.
PMI im Überblick (kompakt)
| Land/Region | Aktueller PMI | Vormonat | Tendenz | Einordnung |
| Niederlande | 55,5 | 55,9 | Rückläufig | Kräftiges Wachstum, etwas schwächer |
| Vereinigtes Königreich | 52,5 | 53,9 | Rückläufig | Expansion verliert an Schwung |
| Italien | 52,2 | 52,9 | Rückläufig | Wachstum verlangsamt sich |
| Eurozone | 51,4 | 51,6 | Rückläufig | Weiteres Wachstum, aber langsamer |
| Frankreich | 51,2 | 49,7 | Steigend | Über 50, Nachfrage bleibt schwach |
| Deutschland | 50,3 | 50,1 | Steigend | Nahe an der Stagnation |
| Spanien | 49,7 | 51,2 | Rückläufig | Leichte Schrumpfung |
| Rumänien | 48,8 | 48,3 | Steigend | Rückgang lässt nach |
| Polen | 46,1 | 49,4 | Rückläufig | Deutlich stärkere Schrumpfung |
Auch die Lieferketten standen weiterhin unter Druck, wenn auch weniger stark als im Mai. Die Lieferzeiten lagen noch immer deutlich über dem Niveau vor Beginn des Nahost-Konflikts. Gleichzeitig erreichte der entsprechende Index den höchsten Stand seit drei Monaten – ein Hinweis auf eine allmähliche Entspannung, jedoch noch keine vollständige Normalisierung.
Bei den Preisen setzte sich die Beruhigung fort. Sowohl Einkaufs- als auch Verkaufspreise stiegen langsamer als im Vormonat. Für Logistikunternehmen bedeutet dies zwar etwas geringeren Kostendruck, von einer vollständigen Normalisierung bei Energie-, Transport- und Zulieferkosten kann jedoch noch keine Rede sein.
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Deutschland: Wachstum bleibt äußerst fragil
Mit 50,3 Punkten lag der deutsche PMI im Juni nur geringfügig über dem Maiwert von 50,1. Deutschlands Industrie bleibt damit zwar knapp im Wachstumsbereich, eine nachhaltige Erholung zeichnet sich jedoch weiterhin nicht ab.
Die Produktion nahm moderat zu und profitierte vom Abbau bestehender Auftragsrückstände sowie einem leichten Anstieg der Neuaufträge.
Positiv entwickelte sich auch das Exportgeschäft, das nach dem Rückgang im Mai wieder leicht zulegte. Impulse kamen unter anderem aus dem Verteidigungs- und Technologiesektor sowie durch Sicherheitsbestände. Gleichzeitig belasteten hohe Preise und die anhaltende Unsicherheit die Nachfrage.
Schwach blieb dagegen die Beschäftigung. Die Industrie baute den dritten Monat in Folge Stellen ab und reduzierte erneut ihre Einkaufsaktivitäten. Gleichzeitig wurden Vorproduktlager weiter verkleinert.
Auch wenn der Kostenanstieg nachließ, nannten die Unternehmen weiterhin Energie-, Transport- und Rohstoffpreise sowie Lieferprobleme aus Asien als wesentliche Belastungsfaktoren.
Vereinigtes Königreich: Wachstum kühlt ab, weil der Lageraufbau nachlässt
Im Vereinigten Königreich sank der PMI im Juni von 53,9 auf 52,5. Der Endwert lag zudem unter der früheren Schnellschätzung von 53,1, markierte aber dennoch den achten Monat in Folge mit Wachstum.
Am deutlichsten fiel die Entwicklung bei der Produktion aus: Die Fertigung stieg den dritten Monat hintereinander und so stark wie seit September 2024 nicht mehr. S&P Global führte das auf mehr Neugeschäft, bessere Stimmung und Verkaufsaktionen zurück.
Beim Auftragseingang war der Ton verhaltener. Zwar nahmen Neuaufträge den siebten Monat in Folge zu, allerdings so langsam wie seit Dezember 2025 nicht mehr. Exportaufträge stiegen ebenfalls weiter, jedoch nur leicht und mit dem geringsten Tempo innerhalb dieser Wachstumsserie.
Der Bericht deutet darauf hin, dass ein Teil der Verbesserung zuletzt durch strategischen Lageraufbau der Kunden getragen wurde – als Absicherung gegen Lieferstörungen und erwartete Preissteigerungen. Diese Stütze scheint nun nachzulassen. Für die Nachfrage nach schweren Nutzfahrzeugen ist das relevant, weil Lageraufbau Transporte häufig vorzieht, aber nicht zwingend dauerhaft zusätzliches Volumen schafft.
Die Beschäftigung stieg den dritten Monat in Folge, allerdings nur gering. Die Einkaufspreise legten weiterhin deutlich zu, die Teuerungsrate war jedoch die niedrigste seit März. Auch Verkaufspreise stiegen den siebten Monat hintereinander. Gleichzeitig verlängerten sich Lieferzeiten wegen Verzögerungen im Seeverkehr, Materialengpässen, Problemen in Häfen und bei Regulierung, zollbedingten Störungen sowie begrenzten Kapazitäten bei Zulieferern.
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Polen: Auftragseinbruch drückt die Industrie tiefer in die Schrumpfung
Polen war im Juni der größte Negativausreißer im PMI-Vergleich. Der S&P Global Poland Manufacturing PMI fiel von 49,4 auf 46,1 – der niedrigste Stand seit Juli 2025 und der stärkste monatliche Rückgang seit Mitte 2022.
Auslöser war vor allem ein deutlicher Einbruch bei den Neuaufträgen. Das Minus war so stark wie seit Juni 2025 nicht mehr und verlängerte die Schwächephase der Nachfrage auf 15 Monate. Auch Exportaufträge gingen weiter zurück: bereits der siebte Monat in Folge, und so schnell wie seit Juli 2025 nicht mehr.
Nach Zuwächsen im März und Mai rutschte die Produktion wieder ins Minus. Der Rückgang war der stärkste seit elf Monaten. Gleichzeitig stiegen die Lagerbestände an Fertigwaren so deutlich wie seit September 2024 nicht mehr – weil die Absatzschwäche schneller wirkte als die Anpassung der Produktion.
Die Beschäftigung wurde den vierzehnten Monat in Folge abgebaut. Die Einkaufsaktivität sank so stark wie seit Februar nicht mehr, Vorproduktlager wurden kräftiger reduziert. Lieferzeiten verlängerten sich aufgrund geopolitischer Störungen, Materialknappheit und logistischer Probleme.
Der Inflationsdruck ließ etwas nach: Sowohl Einkaufs- als auch Verkaufspreise stiegen langsamer und erreichten ein Dreimonatstief, auch wenn die Kosten insgesamt weiter zulegten. Genannt wurden unter anderem Rohstoffe, Öl, Metalle, Chemikalien, Energie, Kraftstoff, Verpackungen und Transportkosten.
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Italien bleibt stabil – Frankreich und Spanien senden gemischte Signale
Italien blieb im Juni im Wachstumsbereich, auch wenn das Tempo nachließ. Der PMI sank von 52,9 auf 52,2 und zählte damit weiterhin zu den höheren Werten der vergangenen vier Jahre. Neuaufträge und Produktion stiegen weiter, allerdings schwächer – auch weil der frühere Schub durch Lageraufbau bei Kunden nachzulassen begann.
Die Exportaufträge legten leicht zu, gestützt durch Nachfrage aus Westeuropa. Gleichzeitig agierten Unternehmen vorsichtiger bei Einstellungen und Einkauf: Die Beschaffung ging erstmals seit vier Monaten zurück. Verzögerungen durch Frachtrouten, Materialengpässe und Druck bei Zulieferern blieben ein Thema, wenn auch weniger ausgeprägt als im Mai.
Frankreich ist schwieriger zu interpretieren. Der PMI stieg von 49,7 auf 51,2 und damit über die 50-Punkte-Marke. Dennoch gingen Produktion und Neuaufträge den zweiten Monat in Folge zurück. Exportaufträge sanken spürbar und etwas schneller als zuvor.
Der über 50 liegende Gesamtwert wurde vor allem durch längere Lieferzeiten begünstigt – weniger durch eine Verbesserung bei Output und Nachfrage. Der Bericht weist darauf hin, dass die beiden größten Komponenten (Produktion und Neuaufträge) trotz Gesamtwert über 50 im Minus lagen. Für die Transportnachfrage ist das Signal damit schwächer, als es der Gesamtindex nahelegt.
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Spanien rutschte wieder in die Schrumpfung. Der PMI fiel von 51,2 auf 49,7 und damit erstmals seit drei Monaten unter 50. Neuaufträge gingen deutlich und schneller zurück, Exportaufträge sanken so stark wie seit März nicht mehr, und die Produktion nahm erstmals seit drei Monaten ab.
Die Niederlande blieben trotz eines kleinen Rückgangs (von 55,9 auf 55,5) der stärkste Markt in diesem Vergleich. Produktion und Neuaufträge wuchsen weiter, Exportaufträge zogen kräftiger an, und die Auftragsrückstände stiegen so stark wie seit vier Jahren nicht mehr.
Rumänien verbesserte sich zwar, blieb aber im Minus. Der PMI stieg von 48,3 auf 48,8 und näherte sich damit der Stabilisierung. Produktion, Neuaufträge und Beschäftigung gingen jedoch weiter zurück. Exportverkäufe brachen deutlich ein, während Lieferkettenstörungen und Kostendruck zunahmen.
Was bedeutet das für Transport und Logistik?
Für die Transport- und Logistikbranche zeichnet sich weiterhin kein einheitliches Bild ab. Zwar wächst die Industrieproduktion in Teilen Europas wieder, doch die schwache Exportnachfrage verhindert bislang einen breiten Aufschwung des grenzüberschreitenden Güterverkehrs.
Besonders Deutschland profitiert bislang nur begrenzt von der Erholung. Zwar hellt sich die Produktion leicht auf, gleichzeitig bleiben Beschäftigung, Einkauf und internationale Nachfrage verhalten. Polen, einer der wichtigsten Logistikmärkte Mittel- und Osteuropas, rutscht sogar deutlich tiefer in die Schrumpfung.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Lagerbestände weiter abbauen und Investitionen zurückhalten. Zwar lässt der Kostenanstieg nach, doch Transport-, Energie- und Rohstoffkosten sowie geopolitische Unsicherheiten belasten die Lieferketten weiterhin.
Unterm Strich spricht der Juni-PMI für eine vorsichtige Stabilisierung der europäischen Industrie – nicht jedoch für eine kräftige Belebung des internationalen Straßengüterverkehrs.









