In unserer Kurzinterview-Serie präsentieren wir, wie Vertreter der Transport-und Logistikbranche sowie der Automobilindustrie das Jahr 2020 in Erinnerung behalten werden und was sie für das kommende Jahr und die nahe Zukunft erwarten. Die Interviews finden Sie bis kurz vor Weihnachten immer dienstags und donnerstags auf unserem Portal.

Heute bewertet Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V, wie sich die Logistik in Deutschland in Zeiten von Corona bewährt hat und bei welchen Themen die Krise als Katalysator wirken kann.

Natalia Jakubowska, Trans.INFO: Was waren die Highlights des Jahres 2020?

Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, Vorsitzender des Vorstands, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V.: Eines der Highlights für die BVL liegt zeitlich in der ganz frühen Corona-Phase, als wir in Leipzig noch ein großartiges Forum Automobillogistik durchführen konnten. Im Sommer fühlten wir uns dann durch den gelungenen Handelslogistikkongress in Köln und das Forum Ersatzteillogistik in Nürnberg ermutigt. Da ging wieder was. Ein weiteres Highlight ist für mich der Zuspruch durch unsere Mitglieder und ein Vereinsleben, das Corona zum Trotz und digitalen Tools sei Dank lebendig geblieben ist.

Gab es etwas, was Sie besonders begeistert hat?

Ja, die Performance der Logistik in der Krise. In der Hochphase des Lockdowns im Frühjahr wurden Lieferketten empfindlich gestört. Die Logistik in Deutschland hat aber unter Beweis gestellt, wie leistungsfähig sie ist und wie schnell und flexibel sie reagieren kann. Dabei hat es geholfen, miteinander zu reden, partnerschaftlich miteinander umzugehen, übergreifende Task-Forces zu bilden, Transparenz zu gewähren, umsichtig zu bevorraten, Personal und Betriebsausstattung flexibel einzusetzen und die Lockerungen zu nutzen, die der Gesetzgeber in der Krise gewährt hat. Mit motivierten Belegschaften sowie einem diversifizierten Lieferanten- und Dienstleisternetzwerk konnte viel bewegt werden.

Was waren die Downlights?

Für die BVL als Expertennetzwerk der Logistik und Anbieter von Fachveranstaltungen war das Downlight des Jahres die Absage des analogen Deutschen Logistik-Kongresses, der sonst mit mehr als 3.000 Teilnehmern Jahr für Jahr die zentrale Logistikveranstaltung in Deutschland ist. Wir haben dann zwar in kürzester Zeit auf ein attraktives digitales Format umgestellt, aber es fehlte der Austausch der Menschen untereinander, die Begegnung, die kreative Diskussion von Angesicht zu Angesicht.

Vor welchen Herausforderungen stehen wir heute?

Die Krise wirkt als Katalysator – insbesondere bei Themen wie Umgang mit Kostendruck und Vereinbarkeit von ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Bezieht man seine Ware künftig weiterhin von einem Lieferanten oder von mehreren? Setzt man beim Sourcing geographisch auf einen kleineren Radius als zuvor? Die Suche nach resilienten Lösungen ist in vollem Gange. Es gilt zu gestalten, statt unter dem Druck der Ereignisse gestaltet zu werden. So können aus der Krise heraus Chancen ergriffen werden.

Welches Projekt steht bei Ihnen für das Jahr 2021 auf der Agenda?

Auch für die BVL wirkt die Krise als Katalysator. Wir sind davon überzeugt, dass analoge Formate als kreative Kraftzentren weiterhin ihre Berechtigung haben. Aber durch die rasch fortgeschrittene und weiter fortschreitende Digitalisierung wird sich das Teilnehmerverhalten verändern. Wir werden deshalb intensiv an digitalen und hybriden Formaten arbeiten.

Welche Themen und Trends werden die nahe Zukunft prägen?

Da beziehe ich mich jetzt wieder auf den Wirtschaftsbereich Logistik. Die im Sommer veröffentlichte Trends- und Strategien-Studie der BVL nennt für die nächsten Jahre drei Top-Themen: die Digitalisierung der Geschäftsprozesse, die Transparenz in der Wertschöpfungskette und den allgegenwärtigen Kostendruck.

Foto: BVL

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