LKW-Fahrer Ausbeutung. Osteuropäische Unternehmen sind verwickelt.

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[Update 31.12.2021] Bei einer zufälligen Polizeikontrolle in der belgischen Stadt Battice wurde festgestellt, dass ein ukrainischer LKW-Fahrer die letzten 17 Wochen auf Autobahnparkplätzen verbracht hatte. Außerdem sei er vier Monate lang nicht bezahlt worden, berichtet die belgische Gewerkschaft CSC Transcom in der Region Lüttich-Verviers.

LKW-Fahrer Ausbeutung. Osteuropäische Unternehmen sind verwickelt.
Photo: LeeKeon, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

„Das ist pure moderne Sklaverei”, fasst Ludo Moussebois, Regionalsekretär von CSC Transcom Lüttich-Verviers, kurz zusammen.

Und er fragt, wie es möglich ist, dass eine solche Ausbeutung im 21. Jahrhundert in einem Europa mit sehr strengem Arbeitsrecht möglich ist.

Bei einer Kontrolle vergangene Woche wurde festgestellt, dass der ukrainische Fahrer seit dem 1. September nicht mehr zu Hause war, obwohl die europäischen Vorschriften vorschreiben, dass ein Fahrer alle vier Wochen eine wöchentliche Ruhezeit zu Hause oder am Hauptsitz des Unternehmens verbringen muss. Der LKW-Fahrer erhielt auch keinen Lohn, sondern bekam nur alle paar Wochen 45 Euro auf seine Karte überwiesen, von denen er sich selbst ernähren musste, berichtet dhnet.be.

CSC Transcom kümmerte sich um den Fahrer und organisierte seine Rückkehr in die Ukraine.

Leider gibt es in diesem Fall einen polnischen Faden. Der ausgebeutete Fahrer war bei einem polnischen Subunternehmer der Firma Hegelmann beschäftigt.

Als ob die Ausbeutung des Arbeitnehmers nicht schon genug wäre, stellte sich heraus, dass der Arbeitgeber des Fahrers die Maut für das Befahren der belgischen Autobahnen nicht bezahlt hatte und dass der LKW selbst defekte Sicherheitsgurte hatte. Das Fahrzeug wurde daher von der örtlichen Polizei beschlagnahmt.

Hegelmann will den Vorfall aufklären

Nach der Veröffentlichung dieses Artikels nahm die Firma Hegelmann zu dem beschriebenen Fall Stellung. In einer E-Mail an die Redakteure von Trans.INFO drückt das Unternehmen sein Bedauern über die Situation aus.

Wir sind geschockt und haben das Sub-Unternehmen mit den Anschuldigungen konfrontiert. Eine interne Kommission unseres Unternehmens wird den Vorfall, gemäß unserer Standards, lückenlos aufklären. Rechtliche Schritte behalten wir uns selbstverständlich vor, schreiben Siegfried und Anton Hegelmann, Gesellschafter der Hegelmann-Gruppe, in der Stellungnahme.

Hegelmann betont, dass das Unternehmen eine der größten LKW-Flotten in Europa betreibt und dass die gute Behandlung der Mitarbeiter eine der Prioritäten des Unternehmens ist.

Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hegelmann Group sowie allen Sub-Unternehmen, Zulieferern und Partnern unterliegen unserem CODE OF CONDUCT. Dieser Verhaltenskodex spricht eine unmissverständliche Sprache: Gegenseitiger Respekt, Ehrlichkeit, Integrität, Vermeidung von Interessenkonflikten, Antikorruption, lauterer Wettbewerb, Umweltschutz, Arbeitsschutz, Sicherheit und vieles mehr haben für unser Unternehmen höchste Priorität. Gegen Verstöße gehen wir als Unternehmen konsequent vor, versichern Siegfried und Anton Hegelmann.

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