Das Wichtigste im Überblick:
- Acht führende See- und Binnenhäfen gründen die Allianz „Deutsche Häfen“.
- Die Hafenbetreiber beziffern den Modernisierungsbedarf auf rund 15 Milliarden Euro.
- Gefordert werden mehr Bundesmittel und schnellere Genehmigungsverfahren.
- Nach Angaben der Allianz laufen rund 60 Prozent des deutschen Außenhandels über die Häfen.
- Die Initiative sieht die Hafeninfrastruktur als strategischen Faktor für deutsche und europäische Lieferketten.
Die größten deutschen See- und Binnenhäfen wollen ihre Interessen künftig gemeinsam gegenüber der Bundespolitik vertreten. Dafür haben sich acht Hafeninfrastrukturbetreiber zur Allianz „Deutsche Häfen“ zusammengeschlossen.
Mitglieder sind die Hamburg Port Authority (HPA), die Duisburger Hafen AG, bremenports, Rostock Port, die Lübeck Port Authority, Niedersachsen Ports, Brunsbüttel Ports sowie der Seehafen Kiel.
Ziel der Initiative ist es, die Bedeutung der Häfen für Wirtschaft, Energieversorgung, Versorgungssicherheit und Verteidigungspolitik stärker in den Fokus der Bundespolitik zu rücken.
Hafenbetreiber sehen milliardenschweren Investitionsbedarf
Im Mittelpunkt der Forderungen steht die Finanzierung der Infrastruktur. Nach Angaben der Allianz beläuft sich der Modernisierungsbedarf der öffentlichen Hafeninfrastruktur auf rund 15 Milliarden Euro.
Die Hafenbetreiber argumentieren, dass die Anlagen heute Aufgaben übernehmen, die weit über ihre klassische Funktion als Umschlagplätze hinausgehen. Neben dem Außenhandel gewinnen die Häfen zunehmend an Bedeutung für die Energiewende, den Import von Energieträgern sowie für sicherheits- und verteidigungspolitische Aufgaben.
„Die Häfen übernehmen längst zentrale Aufgaben für Wirtschaft, Energieversorgung und Sicherheit“, sagt Tino Klemm, CFO der Hamburg Port Authority, stellvertretend für die Mitglieder der Allianz. „Diese nationale Bedeutung muss sich auch in verlässlichen politischen und finanziellen Rahmenbedingungen widerspiegeln.“
60 Prozent des Außenhandels laufen über Häfen
Nach Angaben der Allianz werden derzeit rund 60 Prozent des deutschen Außenhandels über die See- und Binnenhäfen abgewickelt.
Darüber hinaus verweist der Zusammenschluss auf die Bedeutung der Häfen für die Versorgung von Industrie und Bevölkerung sowie für die Umsetzung der Energiewende. Gleichzeitig seien die Anforderungen an die Infrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Die Allianz fordert deshalb:
- die Anerkennung von See- und Binnenhäfen als strategische Infrastruktur von nationaler Bedeutung,
- eine deutliche Erhöhung der Bundesmittel für Hafeninvestitionen,
- die Finanzierung von Modernisierungsmaßnahmen aus dem Infrastruktur-Sondervermögen,
- die ausdrückliche Berücksichtigung von Häfen im geplanten Infrastruktur-Zukunftsgesetz,
- sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Warum die Forderungen auch die Logistikbranche betreffen
Für die Transport- und Logistikbranche sind die Forderungen von unmittelbarer Bedeutung. See- und Binnenhäfen bilden zentrale Schnittstellen zwischen Schiff, Schiene und Straße. Infrastrukturengpässe oder Verzögerungen bei Ausbauprojekten wirken sich entlang der gesamten Lieferkette aus und betreffen damit auch Speditionen, Verlader und Industrieunternehmen.
Insbesondere vor dem Hintergrund der Energiewende und wachsender Anforderungen an resiliente Lieferketten sehen die Hafenbetreiber einen steigenden Handlungsbedarf.
Deutsche Häfen sind Knotenpunkte für europäische Lieferketten
Die Diskussion betrifft nicht nur deutsche Unternehmen. Viele internationale Transport- und Logistikdienstleister nutzen deutsche See- und Binnenhäfen als zentrale Drehscheiben für Warenströme innerhalb Europas.
Häfen wie Hamburg, Bremerhaven, Rostock oder Duisburg verbinden die internationalen Seeverkehre mit Industrie- und Absatzmärkten in Mittel-, Ost- und Nordeuropa. Zahlreiche Transporte nach Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn oder in die Benelux-Staaten beginnen oder enden an deutschen Hafenstandorten.
Investitionen in Hafenanlagen, Bahnanschlüsse, Umschlagterminals und Hinterlandverbindungen wirken sich deshalb nicht nur auf den deutschen Markt aus, sondern auf die Leistungsfähigkeit europäischer Lieferketten insgesamt. Umgekehrt können Infrastrukturengpässe oder verzögerte Modernisierungen die Effizienz grenzüberschreitender Transportketten beeinträchtigen.
Aus Sicht der Allianz ist eine leistungsfähige Hafeninfrastruktur daher nicht nur eine nationale Aufgabe, sondern ein wichtiger Standortfaktor für den europäischen Warenverkehr.
Erster gemeinsamer Auftritt in Berlin
Ihre Positionen will die Allianz erstmals am 10. Juni im Rahmen einer politischen Veranstaltung in der Hamburger Landesvertretung in Berlin vorstellen.
Unter dem Titel „Wo Resilienz beginnt: Zwischen Energiekrise und Verteidigungspolitik – Die deutschen Häfen als tragende Säulen einer nachhaltigen Infrastruktur der Zukunft“ diskutieren Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr über die zukünftige Rolle der Häfen.
Zu den angekündigten Teilnehmern gehören unter anderem der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, Siemens-Energy-Vorstandschef Christian Bruch, Duisport-Technikvorstand Lars Nennhaus sowie Bundeswehr-Oberst Armin Schaus.
Gemeinsame Stimme gegenüber dem Bund
Mit dem Zusammenschluss wollen die Hafenbetreiber ihre Interessen künftig gebündelt vertreten. Unterstützt wird die Initiative vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), der die Allianz als zeitlich befristete Initiative begleitet.
Ob die Forderungen auf Bundesebene Gehör finden, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Mit dem Infrastruktur-Sondervermögen, dem geplanten Infrastruktur-Zukunftsgesetz und den aktuellen Debatten über die Finanzierung kritischer Infrastruktur sehen die Hafenbetreiber jedoch die Chance, die Rolle der Häfen neu zu definieren.
Die Diskussion reicht dabei weit über Deutschland hinaus: Als zentrale Schnittstellen europäischer Lieferketten werden die Leistungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Häfen auch für viele internationale Transporteure und Verlader zunehmend zu einem Standortfaktor.









