Die Pläne wurden in einem Memorandum festgehalten, das während eines Besuchs des polnischen Finanz- und Wirtschaftsministers Andrzej Domański unterzeichnet wurde. Bis 2030 setzt MAN nach eigenen Angaben auf zusätzliche Kapazitäten, weitere Fertigungsprozesse und die Umrüstung des Werks auf Fahrzeuge, die auf dem TRATON Modular System basieren.
Die Produktionsfläche soll dabei von 130.000 auf 270.000 Quadratmeter wachsen. Nach Abschluss des Ausbaus wäre Kraków zudem der zweite MAN-Standort nach München, an dem Elektro-Lkw in Serie gebaut werden.
Mehr als Montage: Kraków soll zu einem vollwertigen Produktionsstandort werden
Geplant sind unter anderem eine eigene Karosseriefertigung, eine Lackiererei sowie ein deutlich größerer Bereich für die Fahrerhausmontage. Dafür sollen neue Hallen entstehen, die speziell auf Karosseriebau und Lackierung ausgelegt sind.
Mit dem Ausbau wächst das Werksgelände nahezu auf das Doppelte. Gleichzeitig sollen mehr Arbeitsschritte direkt in Kraków stattfinden – der Standort übernimmt damit einen größeren Anteil an der gesamten Lkw-Produktion.
MAN will Kraków künftig stärker in die Lkw-Fertigung einbinden. Ein weiteres Ziel der Investition ist es, die Voraussetzungen für den Anlauf der nächsten Fahrzeuggeneration zu schaffen.
Diese künftigen Modelle basieren auf dem TRATON Modular System – einer gemeinsamen Fahrzeugarchitektur innerhalb der TRATON Group. Die Umstellung des Werks auf dieses Programm zählt für MAN zu den zentralen Investitionsschwerpunkten bis 2030.
Investitionsprogramm über viele Jahre angelegt
Das Memorandum umfasst Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro. Die Maßnahmen sind nicht nur für die kommenden Jahre vorgesehen, sondern sollen nach Unternehmensangaben auch in das darauffolgende Jahrzehnt hineinreichen.
In der ersten Phase stehen der Ausbau von Kapazitäten und Infrastruktur im Vordergrund. Später will MAN weiteres Kapital bereitstellen – abhängig davon, welche künftigen Produkte konkret umgesetzt werden.
Einen detaillierten Zeitplan für alle Einzelprojekte oder konkrete Zielzahlen für neue Arbeitsplätze nennt MAN bislang nicht. Das Unternehmen betont jedoch, dass die Vergrößerung des Werks grundsätzlich die Grundlage für zusätzliches Beschäftigungswachstum in der Region schaffen soll.
Mit dem Ausbau unseres Standorts in Polen stärken wir zugleich unsere Position in Europa. Kraków spielt seit Jahren eine wichtige Rolle in unserem Produktionsverbund. Die Weiterentwicklung zu einer vollwertigen Fabrik und der Start der Serienfertigung leichter Elektro-Lkw bereiten uns auf den Wandel der Branche vor“, sagte Alexander Vlaskamp, CEO von MAN Truck & Bus.
Elektro-Lkw aus Kraków: eTGL und neuer eTGM geplant
Der Werksausbau ist eng mit MANs Elektrifizierungsstrategie verknüpft. Ab Mitte Juli 2026 soll der MAN eTGL vollständig in Kraków gefertigt werden. Ebenfalls 2026 ist der Produktionsstart des neuen eTGM für das Segment der mittelschweren Lkw vorgesehen.
Damit wird Kraków zum zweiten MAN-Standort für Elektro-Lkw. In München laufen bereits die schweren Modelle eTGX und eTGS vom Band.
Mit eTGL und eTGM will MAN künftig Elektro-Lkw mit zulässigen Gesamtgewichten von 12 bis 50 Tonnen anbieten. Das Spektrum reicht damit von leichten Verteilerfahrzeugen bis hin zu Fahrzeugen für den Fernverkehr.
Der Produktionsstart des MAN eTGL ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung emissionsfreier Mobilität. Dabei geht es nicht nur um das Fahrzeug selbst, sondern ebenso um das Produkt- und Service-Ökosystem, das Kunden beim Umstieg unterstützt“, betonte Michael Kobriger, MAN-Vorstandsmitglied für Produktion und Logistik.
Ein europaweit geplantes Netz für den Batterietausch bei Elektro-Lkw soll Standzeiten durch lange Ladeprozesse im Betrieb reduzieren.
Polnischer Standort gewinnt im MAN-Verbund an Gewicht
Schon heute ist das Werk Kraków ein fester Bestandteil des europäischen Produktionsnetzwerks des Herstellers. Mit dem angekündigten Programm soll sich das Aufgabenprofil jedoch deutlich erweitern.
Mehr Fläche, zusätzliche Prozesse und die Vorbereitung auf die nächste Lkw-Generation erhöhen die strategische Bedeutung des Standorts innerhalb des Konzerns.
Dass künftig leichte und mittelschwere Elektrofahrzeuge in Kraków gebaut werden, zeigt zudem: Der Standort soll nicht nur höhere Stückzahlen liefern, sondern auch den technologischen Umbau im MAN-Portfolio mittragen.
Mit rund 1,2 Milliarden Euro zählt das Vorhaben zu den größten in den vergangenen Jahren angekündigten Produktionsinvestitionen der Automobilbranche in Polen. Es könnte die inländische Lieferkette rund um die Lkw-Fertigung stärken – konkrete Angaben zu neuen Lieferantenverträgen oder geplanten Beschäftigungszahlen hat MAN bislang jedoch nicht gemacht.









