Für Girteka ist es nicht der erste Konflikt mit norwegischen Stellen. Im Geschäftsbericht 2025 beschreibt das Unternehmen den aktuellen Fall als Auseinandersetzung für den Zeitraum 2018 bis 2023 und als Streit um vom Arbeitgeber abgeführte Sozialversicherungsbeiträge.
Die norwegische Steuerbehörde geht demnach davon aus, dass eine Tochtergesellschaft von Girteka einen unzutreffenden Beitragssatz angewendet haben könnte. Girteka bestreitet ein Fehlverhalten und betont, die Abgaben seien nach den geltenden Vorschriften korrekt berechnet und entrichtet worden.
„Wir sind der Auffassung, dass die Beiträge sämtlichen Anforderungen entsprechend berechnet und bezahlt wurden. Das Unternehmen hat in Nordnorwegen tatsächlich operiert und Nachweise für seine Aktivitäten vorgelegt – deshalb halten wir unsere Position in diesem Streit für gut begründet“, erklärte Girteka in einer von BNS und tv3.lt zitierten Stellungnahme.
Der Konzern verweist zudem darauf, dass die Höhe der Sozialabgaben in Norwegen unter anderem davon abhängt, in welcher Region und an welchem Ort die Tätigkeit ausgeübt wird. Unterschiedliche Beitragssätze hätten jedoch keinen Einfluss darauf, welche sozialen Absicherungen Beschäftigte grundsätzlich erhalten.
Im Oktober 2025 legte Girteka beim norwegischen Steuerbeschwerdegremium Einspruch ein. Mit einer Entscheidung rechnet das Unternehmen erst nach längerer Wartezeit – möglicherweise nicht vor Ende 2027.
Für die Straßentransportbranche ist der Vorgang nicht nur wegen der geforderten Summe relevant. Norwegen gilt seit Jahren als Markt, in dem die Interessen lokaler Transportunternehmen, Behörden und Anbieter aus Mittel- und Osteuropa – insbesondere im internationalen Verkehr und bei Kabotage – immer wieder aufeinanderprallen.
Konflikte in Norwegen: Girteka unter Beobachtung
Der Steuerstreit reiht sich in eine Serie von Themen ein, die Girteka in Norwegen bereits beschäftigt haben. 2022 wurde dem litauischen Unternehmen vorgeworfen, unerlaubte Kabotage durchgeführt zu haben. Das Verfahren bezog sich auf Vorfälle aus 2019 und 2020 und umfasste elf mutmaßliche Verstöße gegen die einschlägigen Regeln. Zu den Vorwürfen gehörte auch, dass während Kabotagefahrten die Zugmaschinen gewechselt worden seien.
Damals erklärte Girteka, das Verfahren könne dazu beitragen, die norwegischen Anforderungen an die Dokumentation von Kabotage eindeutiger zu machen. Unternehmensvertreter Simonas Bartkus betonte, es brauche klare Vorgaben, um Transportleistungen im Land weiterhin regelkonform erbringen zu können.
Bereits Ende 2021 hatte die norwegische Gewerkschaftszeitung Frifagbevegelse über Vorwürfe zur Vergütung von Fahrern berichtet, die Kabotage in Norwegen ausführten. Genannt wurden Girteka Logistics und RV Transport. Beide Unternehmen wiesen Unregelmäßigkeiten zurück; die norwegische Arbeitsaufsicht bestätigte, dass Unterlagen zu gezahlten Löhnen vorgelegt wurden, und leitete keine Untersuchung ein.
Ein Fahrer, der in der damaligen Berichterstattung zitiert wurde, sprach von Vergütungen in Höhe von rund 70 bis 90 Euro pro Arbeitstag für solche Einsätze bei litauischen Transportunternehmen. Nach der Veröffentlichung kündigte Postnord an, die Anforderungen an beauftragte Frachtführer zu überprüfen und zu verschärfen. Zugleich verwies das Unternehmen darauf, dass Kabotage 3,7 % seiner gesamten Transporte ausmache.
Weniger Verlust, aber sinkender Umsatz
Der Streit in Norwegen fällt in eine Phase, in der Girteka seine Ergebnisse nach einer schwierigen Zeit im europäischen Straßengüterverkehr stabilisieren will. Für 2025 meldete die Gruppe einen Umsatz von 1,31 Mrd. Euro – 9 % weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig verringerte sich der konsolidierte Nettoverlust von 28,9 Mio. Euro im Jahr 2024 auf 12,4 Mio. Euro im Jahr 2025.
Girteka gibt an, rund 6.500 Zugmaschinen zu betreiben. Im Bericht ist außerdem von etwa 7.000 Aufliegern die Rede, während das Unternehmen in einer separaten Mitteilung zu den Finanzergebnissen von ungefähr 8.000 Aufliegern sprach. Nach eigenen Angaben bewegt Girteka jährlich rund 800.000 Komplettladungen in Europa.









