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Die EU braucht dringend eine Strategie zur „Neuen Seidenstraße“, fordert der österreichische Zentralverband Spedition & Logistik. Nur so kann Europa im weltweit größten Wirtschaftsprojekt seine Position gegenüber China sichern, seine enormen Chancen nützen und substanziellen Risiken vorbeugen. Parallel dazu muss Österreich konkrete Projekte auf nationaler Ebene vorantreiben. Dazu zählen die Verlängerung der Breitspurbahn von der Slowakei nach Österreich, die Schaffung eines Logistikzentrums im Großraum Wien-Niederösterreich-Burgenland und die bessere Anbindung an wichtige Südhäfen.

Daher fordert Wolfram Senger-Weiss, Präsident des Zentralverbandes Spedition & Logistik, dieses für die gesamte europäische Wirtschaft zentrale Handelsthema auf die Agenda der österreichischen Ratspräsidentschaft zu setzen.

Es ist erfreulich, dass die Bundesregierung bedeutende Handelsthemen wie die Neue Seidenstraße und die Verlängerung der Breitspurbahn nach Österreich in ihr Programm aufgenommen hat. Nun gilt es aber, den Ratsvorsitz der Europäischen Union zu nutzen, um das Thema für Europa und Österreich voranzutreiben.Europa muss die Chancen und Risiken dieser Initiative Chinas unvoreingenommen analysieren und umgehend eine klare, gemeinsame Strategie für das Projekt Neue Seidenstraße entwickeln.

Der Zentralverband als freiwillige Interessenvertretung der heimischen Speditions- & Logistik-Branche hat auch schon eine entsprechende Petition an den österreichischen Bundeskanzler und EU-Ratsvorsitzenden Sebastian Kurz gerichtet.

„One Belt, One Road“ als Jahrhundert-Chance

Die offiziell als „One Belt, One Road“ (OBOR) bezeichnete Initiative und die damit verbundenen Handelsbeziehungen zu China betreffen nicht nur Österreich, sondern die gesamte EU. Europa sollte die Entwicklung der neuen Märkte entlang der Seidenstraße als Chance und nicht als Bedrohung für seine Unternehmen und Wirtschaftskraft sehen. Laut aktuellem „Logistics Performance Index“ der Weltbank ist Europa mit 4 der Top-5 Logistik-Standorte Weltspitze. Um daraus wirtschaftlichen Erfolg zu generieren, muss sich die EU besser akkordieren und positionieren. Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich bei der Seidenstraßen-/OBOR-Initiative um kein fertiges Gesamtkonzept, sondern um eine Initiative, die von China ausgeht und in die sich, wer möchte, einbringen kann.

Sich vor China zu fürchten und dieses historisch größte Handelsprojekt der Geschichte zu boykottieren würde Europa nicht schützen, sondern beschädigen. Derzeit stehen auf chinesischer Seite geplante Investitionen in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar und auf europäischer Seite einander zuwiderlaufende Partikular-Interessen. Das muss sich ändern, betont Senger-Weiss.

Breitspurbahn kann Attraktivität Österreichs weiter steigern

Parallel zu forcierten Anstrengungen auf EU-Ebene müsse Österreich konkrete Infrastruktur-Projekte vorantreiben. Als Binnenland ohne direkten Zugang zu hochrangigen Verkehrsknotenpunkten böte die Verlängerung der Breitspurbahn in den Großraum Wien für Österreich die historische Chance, seine Position als Drehscheibe für Warenströme in Zentral- und Osteuropa auszubauen. Die Kosten wären geringer als jene für den Bau des Brenner-Basistunnels, die Potenziale für heimische Unternehmen durch internationale Betriebsansiedelungen im Inland und durch neue Marktchancen in der Seidenstraßen-Region hingegen sehr groß.

Derzeit weht aus Brüssel, nicht zuletzt aufgrund konsequenten Lobbyings, Gegenwind gegen die Verlängerung der Breitspurbahn bis nach Österreich. Vielmehr wird auf die Vormachtstellung der bestehenden Achse über Polen und Deutschland gesetzt. Parallel dazu entsteht eine Südroute über den griechischen Hafen Piräus in die zentraleuropäische Region. Die Position des Logistik-Standorts Österreich müsste deshalb durch einen integrierten Maßnahmenplan gestärkt werden: Neben der verlängerten Breitspurbahn müsse dieser die Errichtung eines modernen Güterverkehrszentrums im Großraum Wien-Niederösterreich-Burgenland sowie die Anbindung an die wichtigsten europäischen Südhäfen beinhalten.

Mit dem nötigen Weitblick und den richtigen Entscheidungen könnte Österreich ein Tor für Europa nach Asien schaffen, so Senger-Weiss.

Foto:Wikipedia

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