Die russische Wirtschaft könnte als Folge der Sanktionen zusammenbrechen. Rückgang des BIP um bis zu 20 %.

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Wirtschaftswissenschaftler erwarten einen gigantischen Rückgang des russischen BIP infolge der Sanktionen. Der Rückgang des BIP könnte stärker ausfallen als während der Krise von 1998.

Die russische Wirtschaft könnte als Folge der Sanktionen zusammenbrechen. Rückgang des BIP um bis zu 20 %.
Quelle: FordSollers

Experten des Polnischen Wirtschaftsinstituts (PIE) gehen davon aus, dass das russische BIP im Jahr 2022 um bis zu 15 – 20 % niedriger sein könnte als im Vorjahr.

Die bisher vom Westen verhängten Sanktionen werden einen Schneeballeffekt auf die russische Wirtschaft haben. Ein völliger Verfall des Rubelkurses schränkt die Möglichkeit rentabler Importe ein, Produktknappheit behindert die Produktion, die Inflation wird galoppieren und Russland wird sich nur mit Hilfe von innenpolitischen Instrumenten wie dem Druck von Rubeln verteidigen können” – erwartet Piotr Arak, Direktor des Polnischen Wirtschaftsinstituts.

„Die panikartige Auszahlung von Bargeld hat bereits zu einer Liquiditätskrise im Bankensektor geführt. Die Hyperinflation wird diese Spirale wieder in Gang setzen, der Rubel wird weiter schwächeln und die Wirtschaft wird für Jahre zusammenbrechen”–so Piotr Arak.

Die Sanktionen gegen das russische Finanzsystem werden die größten Ballungszentren – insbesondere Moskau und St. Petersburg – besonders hart treffen.Darüber hinaus werden das Verbot des Transfers moderner Technologien und das Verbot der Einfuhr russischer Waren die wichtigsten Sektoren der russischen Wirtschaft treffen. Experten zufolge wird dies zum Zusammenbruch des Handels (13 Prozent des russischen BIP), des Immobilienmarkts (10,5 Prozent) und der Industrie (fast 15 Prozent) führen.

Das PIE erwartet, dass die Stadt Moskau selbst, deren Wohlstand vor dem Krieg auf dem Niveau der Tschechischen Republik lag, im Ergebnis auf das Niveau von Lettland zurückfallen wird.

Laut PIE wird sich die Krise auch in Branchen bemerkbar machen, die nicht direkt von den Sanktionen betroffen sind, z. B. in der Metall-, Lebensmittel-, Holz- und Kunststoffindustrie. Diese Sektoren werden unter einem Mangel an Finanzmitteln und modernen Technologien leiden, die zum größten Teil aus dem Westen importiert werden.

JP Morgan wiederum hat eine Analyse veröffentlicht, wonach das russische BIP im zweiten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 35 % sinken könnte, im gesamten Jahr 2022 dagegen um 7 %. Die derzeitige Krise könnte für Russland ebenso schmerzhaft sein wie die Krise von 1998 während des Jelzin-Smuta (eine Periode politischer und wirtschaftlicher Schwäche in Russland während der Präsidentschaft von Boris Jelzin nach dem Zusammenbruch der UdSSR).

Die durch die Sanktionen ausgelöste Wirtschaftskrise könnte für Russland schmerzhafter sein als alle Krisen der letzten 30 Jahre – die von 1998, 2008 und die nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie – so Anatoliy Shal, Ökonom bei JP Morgan .

JP Morgan schätzt, dass im Ergebnis der gegen Russland verhängten Sanktionen die russischen Exporte in diesem Jahr um 13 Prozent, die Inlandsnachfrage um 10 Prozent und die Importe um bis zu einem Drittel zurückgehen könnten. Außerdem rechnet JP Morgan damit, dass das russische BIP im nächsten Jahr um 1 % sinken und in den Folgejahren um etwa 1 % wachsen wird, wenn die Sanktionen aufrechterhalten werden.

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