Die Züge aus China fahren nicht mehr nach Polen. Alles verursacht durch die Ukraine

Die Ukraine blockierte den Schienenverkehr von China nach Polen. Sie fordert, dass die Anzahl der Genehmigungen für den Straßengüterverkehr per LKW erhöht wird, und droht Polen mit einer Klage in Brüssel.

Die Züge aus China fahren nicht mehr nach Polen. Alles verursacht durch die Ukraine
AdobeStock / Oleksandra

Seit einer Woche fahren keine Züge mehr von China über die Ukraine nach Polen. Angesichts der angespannten Lage an der polnischen Grenze zu Belarus ist das eine erhebliche Unannehmlichkeit für den Schienenverkehr aus dem Land der Mitte nach Europa.

Hinter dieser Blockade stehen nicht mit dem Schienenverkehr verbundene Belange. Die Ukraine fordert nämlich von Polen, eine größere Anzahl an Genehmigungen für den Straßengüterverkehr per LKW für das kommende Jahr zu erteilen. 2021 waren es 160.000 Genehmigungen, die Polen der Ukraine ausstellte. Außerdem gewährte Polen 1.000 Genehmigungen für die Beförderung von Sauerstoff für medizinische Zwecke.

Die ukrainische Seite verlangt, dass für das kommende Jahr 200.000 Genehmigungen erteilt werden. Sie behauptet, dass bei Nichterteilung ihr Außenhandel eingeschränkt sei, und droht Polen mit einer Klage in Brüssel.

Die polnische Seite erwidert, dass die Erhöhung der Anzahl der Genehmigungen möglich sei, was jedoch von einer Verbesserung der Straßen- und Grenzinfrastruktur abhängig gemacht werde. Denn wenn das nicht geschehen würde, könnte es zu noch größeren Staus an der Grenze als bisher kommen.

Diese Aufgabe müssten beide Staaten bewältigen. Wir setzten ein Memorandum für ein Tageslimit zur Anzahl der Fahrzeuge, die über die vier Straßengrenzübergänge die Grenze überqueren: Dorohusk, Korczowa, Medyka und Hrebenne. Leider erreichen wir 80 Prozent dieses gesetzten Limits nicht. In Korczowa existiert seit 2016 auf polnischer Seite ein Terminal für die Abfertigung von Schwerlastkraftwagen, das nicht in Betrieb genommen wurde. Es wartet nämlich auf die Eröffnung eines identischen Terminals auf der ukrainischen Seite” – erklärt der Tageszeitung „Rzeczpospolita Rafał Weber, Vizeminister für Infrastruktur”.

Diese Strecke über die Ukraine nutzt vor allem das Unternehmen PKP LHS, das mit dem betreibereigenen Zug Waren aus vier chinesischen Provinzen und auch aus Korea befördert. Kennzeichnend für die Strecke durch die Ukraine ist die kurze Laufzeit der Transporte (12-14 Tage), denn die Breitspurbahn führt von der chinesisch-kasachstanischen Grenze bis nach Sławków in Polen. Eine Umladung der Güter wie in dem an der Grenze Polens zu Belarus gelegenen Małaszewicze ist nämlich nicht erforderlich.

Der polnisch-ukrainische Streit ist eine weitere Unannehmlichkeit für den durch Polen führenden Schienentransport von China nach Europa. Denn aufgrund der angespannten Situation an der Grenze Polens zu Belarus haben die über Małaszewicze fahrenden Züge drei Wochen Verspätung.

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