Volkswagen-Chef Oliver Blume auf der IAA Mobility 2025 in München. (Foto: Kacper Szprengiel)

Volkswagen prüft radikalen Umbau. Bis zu 100.000 Stellen könnten betroffen sein

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Volkswagen prüft nach Medienberichten einen Umbau, der deutlich größer ausfallen könnte als bisher bekannt. Weltweit könnten demnach bis zu 100.000 Arbeitsplätze betroffen sein; zudem gelten vier Produktionsstandorte in Deutschland als potenziell gefährdet. Der Konzern hat die genannten Größenordnungen bislang nicht bestätigt.

Wie das Manager Magazin berichtet, arbeiten Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz an einem weitreichenden Paket im Rahmen einer neuen Strategie bis 2030. Eine formale Entscheidung gebe es demnach noch nicht.

Gegenüber Reuters verwies ein Unternehmenssprecher darauf, dass sich die Autoindustrie insgesamt und auch der Volkswagen-Konzern in einem tiefgreifenden Wandel befänden. Das bisherige Geschäftsmodell funktioniere nicht mehr für alle Marken in gleicher Weise.

Sollten sich die Berichte bewahrheiten, würde dies das laufende Restrukturierungsprogramm deutlich ausweiten. Nach Darstellung des Manager Magazins könnten über die kommenden Jahre weltweit bis zu 100.000 Stellen zur Disposition stehen. Außerdem sei vorgesehen, die geplanten Investitionen um rund 15 % zu reduzieren – auf etwas mehr als 130 Milliarden Euro für die kommenden fünf Jahre.

Im Zusammenhang mit möglichen Standortentscheidungen werden vier Werke in Deutschland genannt: Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk in Neckarsulm.

Hannover spielt insbesondere im Nutzfahrzeuggeschäft eine zentrale Rolle: Dort werden unter anderem die T-Baureihe und der ID. Buzz gefertigt; rund 14.000 Beschäftigte arbeiten am Standort. Zwickau wurde zum E-Auto-Werk umgebaut, beschäftigt etwa 8.000 Menschen und produziert Modelle aus der VW-ID.-Familie sowie den Audi Q4 e-tron und den Cupra Born. Auch Emden ist inzwischen auf Elektrofahrzeuge ausgerichtet.

Das Audi-Werk in Neckarsulm kommt laut Standortprofil von Audi und Reuters auf 15.509 Beschäftigte (Stand: März 2026) und zählt damit zu den größten Arbeitgebern in der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken. Gefertigt werden dort Fahrzeuge mit Verbrenner-, Hybrid- und rein elektrischem Antrieb – darunter Audi A5, A6, A8 und der e-tron GT. Zudem ist die Audi Sport GmbH in Neckarsulm angesiedelt.

Bereits im Dezember 2024 hatten Volkswagen und Arbeitnehmervertreter vereinbart, an den deutschen Standorten bis 2030 mehr als 35.000 Stellen abzubauen – verbunden mit einer dauerhaften Reduzierung der Produktionskapazitäten in Deutschland. Die aktuellen Berichte deuten nun auf ein deutlich weiter gefasstes Szenario hin als das bereits mit der Arbeitnehmerseite vereinbarte Paket.

Werksschließungen wären politisch und wirtschaftlich hochsensibel. Für die deutschen Standorte gelten Tarif- und Betriebsvereinbarungen; zudem ist die Mitbestimmung stark ausgeprägt. Hinzu kommt, dass das Land Niedersachsen weiterhin ein bedeutender Anteilseigner ist. Frühere Umbaupläne stießen bereits auf Widerstand von Gewerkschaften.

Der Druck auf Volkswagen steht exemplarisch für die Lage vieler europäischer Hersteller: schwächere Nachfrage in Europa, zunehmender Wettbewerb aus China, hohe Kosten durch Elektrifizierung sowie neue Handelsbarrieren. In den Ergebnissen für 2025 zeigte sich der Umsatz zwar weitgehend stabil bei 321,9 Milliarden Euro, der operative Gewinn ging jedoch deutlich auf 8,9 Milliarden Euro zurück.

Für Zulieferer, Logistikdienstleister und die Regionen rund um die Werke geht es dabei nicht nur um die Zahl möglicher Stellenstreichungen. Gerade Neckarsulm liegt in einem Automobilcluster, in dem mehr als 26.000 Menschen direkt in der Branche beschäftigt sind – hinzu kommen zahlreiche Arbeitsplätze bei Zulieferern und Dienstleistern, etwa in Engineering, Elektronik, Teilefertigung, Software, Logistik und Oberflächenbehandlung.

Wie weit die Auswirkungen reichen können, zeigt auch die bestehende Lieferkette: DB Cargo Logistics transportiert seit Oktober 2019 Achsträger von Magna Stanztechnik in Salzgitter nach Neckarsulm und bindet damit einen Lieferanten ohne eigenen aktiven Gleisanschluss an das Audi-Netzwerk an. Ein tieferer Umbau könnte daher nicht nur die Beschäftigung in den Werken treffen, sondern ebenso Produktionsabläufe, Bauteilbedarfe, Auslastung und Transportmengen in mehreren deutschen Automobilregionen verändern.

Als nächster wichtiger Termin gilt der 9. Juli: Dann sollen die Vorschläge laut Bericht in der nächsten regulären Sitzung des Aufsichtsrats diskutiert werden. Bis dahin bleibt die Zahl von 100.000 vor allem ein beschriebenes Szenario – nicht ein beschlossenes Restrukturierungsprogramm.

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